Die Vögel des Kummers und der Sorge # 16 © by Luke Elljot

Dezember 2016

Dieses kleine Vorwort werde ich hier vor jeden Artikel dieser Serie stellen. Wer regelmäßig mitliest, sehe bitte darüber hinweg. Wenn jemand neu einsteigt, weiß jeder so sofort worum es geht.

Ein früherer Bekannter und Berufskollege hat mir seine Tagebücher (ca. 200 A4 Seiten) mit der Bitte sie zu überarbeiten zugeschickt. Auch er ist mit seinem Betrieb pleite gegangen. und ich soll eine runde Geschichte daraus zu machen. Ich fand die Idee toll. Also werde ich Seite für Seite, Satz für Satz überschreiben, ihm zuschicken, und bei gefallen in meinem Blog veröffentlichen. Um ihn zu schützen nenne ich ihn Hans Schuld. Seine Geschichte ist alltäglich. Und trotzdem ist es für ihn ein Teil seiner Geschichte! Alles was jetzt hier folgt, ist Hans Schuld. Es sind die Tagebücher von Hans und ich halte mich an diese. Wer diese Geschichte mit liest, sollte es von Anfang an tun. Das ist besser für das Verständnis.

Alle Personen und Orte in dieser Geschichte sind so verändert, dass sie keiner echten, tatsächlich lebenden Person oder den Orten mehr ähneln können. Ähnlichkeiten sind unbeabsichtigt und rein zufällig. Welche Meinung man auch immer dazu hat, es ist für ihn damals so gewesen.

16

Eine kleine, aber eine eigene Praxis. Und das mit fast 23.

Er wurde selbstbewusster und lernte sogar ein Gefühl kennen das er bis dahin nicht kannte. Verantwortung.

Bis jetzt lebte er „Vogelfrei“ sein Leben, traf seine Entscheidungen wie er es wollte. Natürlich hatte er schon vorher Verantwortungen. Vor allem seinen Patienten gegenüber. Aber keine davon wirklich schwerwiegend.

Doch jetzt kamen ganz andere Verantwortungen auf ihn zu. Was ihm nicht bewusst war, als er diese Praxis übernahm.

Wenn er nicht kam, blieb die Praxis zu!

Die Abrechnung musste regelmäßig und vor allem pünktlich gemacht werden! Das machte vorher die Frau seines Chefs.

Seine Teilzeitkräfte mussten bezahlt werden!

Ebenso natürlich wie die Pacht etc.!

Und er bekam alles recht gut hin.

Anfangs war er stolz darauf.

Anfangs brachen ihm auch ein Teil der Patienten weg. Alte Stammpatienten des Vorbesitzers, die mit einem so jungen Kerl nichts anfangen konnten. Er sammelte also keine Reichtümer. Aber er war sein eigener Herr und kam klar. So konnte er all denjenigen die nie an ihn glaubten zeigen, das er doch etwas wert war. Aber tief im Innern wollte er mehr.

Dann, immer mehr zunehmend, fühlte er sich alleine. Suchte jemanden. Und er traf jemanden.

Er lernte ein Mädchen, eine junge Frau kennen. Und dann ging alles wie von alleine. Ihre Eltern besaßen ein Haus, in der sie eine Einliegerwohnung hatte. Ein zuhause? Es war eine intakte Familie. Eltern die sich liebten. Zwei Töchter und einen Sohn. Alle gingen einer geregelten Arbeit nach. Er half wo er konnte in Haus und Garten. Und wurde in der Familie aufgenommen,, richtig akzeptiert.

Seine Praxis lief einigermaßen. Er kam klar, konnte bei seiner neuen Familie gegen ein kleines Endgeld wohnen, und mit seiner neuen Freundin seine eigene kleine Familie leben. Wenn er in Ruhe darüber nachdachte, war es ihm fast schon unheimlich wie gut es ihm jetzt ging. Seine Mutter wusste von diesen neuen Entwicklungen, doch er pflegte keinen ausgeprägten Kontakt. Wollte nicht das dass ganze alte Elend in dieses neue Leben hinein getragen wurde.

Dadurch das er als Kleinstselbständiger arbeitete, musste er auch nicht zur Bundeswehr oder zum Zivildienst.

Seine Freundin half mit dem Bürokram in seiner Praxis. Und diese fing an immer besser zu laufen. Sein Patientenstamm wurde immer größer, weswegen er auch sein Engagement beim Sportverein etwas reduzieren musste.

Es waren einige Jahre die gut liefen. Doch das Schicksal ist oft ein Schelm. Es schlägt dann und von dort aus zu, wo man es am allerwenigsten erwartet. Zunächst aber lief alles gut für Hans Schuld Heute fragt er sich oft ob es immer so gut ist zu bekommen, was man will.

Nach und nach kamen auch einige Selbstständige etwa in seinem Alter, und wurden seine Patienten. Er befreundete sich mit einigen von ihnen. Einer hatte ein Bistro in dem sie sich regelmäßig trafen. Zusammen mit seiner Freundin bekamen sie mit der Zeit einen großen Bekanntenkreis. Sein Laden lief gut. Er konnte alle Rechnungen bezahlen, seine Freundin war hübsch, er war überall beliebt. Wenn auch in einem normalen, fast bescheidenen Rahmen lebte er ein Leben von dem er als Kind immer träumte.

Morgens früh stand er uf. 10, manchmal 12 Stunden arbeiten. Dann immer öfter auch Samstags. Er entließ die Teilzeitkraft und stellte einen Kollegen in Vollzeit ein. Seine Freundin machte ihm immer noch die Bücher, denn davon hatte er einfach keine Ahnung. Nach Jahren der harten Arbeit war er mit 27 so weit das es ihm gut ging.

Sie bauten sich mit Hilfe ihrer Eltern die kleine Einliegerwohnung aus, gingen abends auch mal ins Kino, oder mal ein Essen. Sogar ein Urlaub war drin.

Gemeinsam dachten sie an eine Erweiterung der Praxis nach und bauten einen zu großen Lagerraum um und konnten jetzt mehr Therapieren anbieten.

Er hatte schon lange keine Zeit mehr für seine Musik und seine Sportler.

Immer öfter ging er alleine in das Bistro und saß alleine am Tresen, lernte einen Typen kennen der ihm das Billiard spielen beibrachte. Wurde sogar gut darin. Aber er kam auch öfter später nach Hause.Seine Freundin hatte dafür sogar Verständnis. Sagte er bräuchte eben einen Ausgleich. Gelegentlich spielte sie sogar mit.

Einer seiner mittlerweile jahrelanger Freunde war ein Finanzberater. Er empfahl ihm eine private Krankenversicherung. Half ihm bei dem kleinen Umbau in seiner Praxis mit den Banken, besorgte einen Steuerberater. Damit musste seine Freundin nicht mehr so viel Zeit in seiner Praxis verbringen und konnte wieder ihrem eigenem Job nachgehen. Er beriet ihn wegen seiner Altersvorsorge. Die Praxis lief immer besser und er kaufte sich einen E-Klasse Mercedes, einen Jahreswagen. Das gehörte zu einem erfolgreichen Praxisinhaber. Ein alter Kadett Kombi eben nicht mehr.

Das alles ging noch. Er hatte jetzt zwar weniger am Ende des Monats, doch dafür hatte ja einen besseren Lebensstil. Immer noch ging es ihm gut. Alles lief. Die Praxis warf immer noch genug ab um etwas an die Seite zu legen. Doch Hans fühlte sich immer unwohler. Er wusste nicht warum. Aber wurde ganz langsam immer unwohler. Wurde immer unzufriedener.

 

Daß die Vögel des Kummers und der Sorge

über unseren Häuptern fliegen,

können wir nicht verhindern.

Aber daß sie Nester in unseren Haaren bauen,

das können wir verhindern.

chin. Weisheit

Danke für die Aufmerksamkeit!

Alles Gute, Gesundheit, Frieden und Harmonie.

Luke Elljot

Advertisements

Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Familiäre persönliche Bindungen, Innere Haltung, Roman abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s