Die Vögel des Kummers und der Sorge # 13 © by Luke Elljot

Dezember 2016

Dieses kleine Vorwort werde ich hier vor jeden Artikel dieser Serie stellen. Wer regelmäßig mitliest, sehe bitte darüber hinweg. Wenn jemand neu einsteigt, weiß jeder so sofort worum es geht.

Ein früherer Bekannter und Berufskollege hat mir seine Tagebücher (ca. 200 A4 Seiten) mit der Bitte sie zu überarbeiten zugeschickt. Auch er ist mit seinem Betrieb pleite gegangen. und ich soll eine runde Geschichte daraus zu machen. Ich fand die Idee toll. Also werde ich Seite für Seite, Satz für Satz überschreiben, ihm zuschicken, und bei gefallen in meinem Blog veröffentlichen. Um ihn zu schützen nenne ich ihn Hans Schuld. Seine Geschichte ist alltäglich. Und trotzdem ist es für ihn ein Teil seiner Geschichte! Alles was jetzt hier folgt, ist Hans Schuld. Es sind die Tagebücher von Hans und ich halte mich an diese. Wer diese Geschichte mitliest, sollte es von Anfang an tun. Das ist besser für das Verständnis.

Alle Personen und Orte in dieser Geschichte sind so verändert, dass sie keiner echten, tatsächlich lebenden Person oder den Orten mehr ähneln können. Ähnlichkeiten sind unbeabsichtigt und rein zufällig. Welche Meinung man auch immer dazu hat, es ist für ihn damals so gewesen.

13

Hans Schulzeit füllte kein Ruhmesblatt, so viel war sicher. Und sie endete auch nicht ruhmvoll. Er flog von der Schule. Hatte aber wenigstens einen Abschluss. Letztendlich, und das erkennt Hans auch an, überbeanspruchte er einfach die Geduld seiner Lehrer. Sie gaben ihm einen Abschluss, aber auch gleichzeitig quasi Hausverbot. Zunächst erfreut über diese neue Freiheit, bzw. Freizeit, erkannte er, das dieser „Segen“ sich auch schnell als Fluch erwies. Hier half ihm sein Vater dann posthum doch noch weiter. Denn Hans konnte sich vieles vorstellen, aber er wollte auf keinem Fall das gleiche Schicksal erleiden wie dieser.

Das half wirklich!

Denn zu dieser Zeit war er auf dem besten Weg dorthin. Aber eins war ihm auch klar. Nur Bildung, also Schule Lehre und so, halfen auch nicht. Er brauchte feste Werte nach denen er sich richten konnte. Und genau an diesem Punkt fehlte ihm sein Vater dann doch wieder. Es mag der Modernen Erziehungsphilosophie nicht entsprechen, doch pubertierenden Jungs brauchen Männer zu denen sie aufblicken können. Vorzugsweise den eigenen Vater. Das macht vieles leichter. Vorausgesetzt dieser verdient die Bezeichnung Mann.

Weswegen es die Meinung von Hans ist, das diese generelle Ansicht das ein Kind zu seiner Mutter gehört vollkommener Quatsch ist.

Der Vater der er zu Anfang war. Vor der Trennung und dem Alkohol und so. (auch meine Eltern trennten sich ebenfalls, früh in meiner Kindheit). Nur meiner lebt noch heute) Der war es der ihm fehlte. Denn welche Werte könnte ihm denn ein Penner der unter Brücken schlief und sich letztendlich Tod soff schon vermitteln. Der bewahrte ihn wiederum vor dem schlimmsten. Wenn er darüber nachdachte, dann stellten sich ihm jedes mal die gleiche Fragen. Was war bloß mit seinem Vater geschehen das er sich in so kurzer Zeit so veränderte. Von einem Geschäftsmann zu dem, was er dann letztendlich war. Was hatte er nur falsch gemacht? Er war der Sohn, er hätte ihm doch helfen müssen, hätte seinen Vater stützen müssen. Auch wenn seine Mutter immer wieder zu ihm sagte das er daran keine Schuld trug und so etwas nicht denken dürfe, der Zweifel blieb.

Ohne das seine Mutter etwas davon erfuhr, nahm er einen Kontakt auf, von dem er selber niemals geglaubt hätte, das er dazu in der Lage gewesen wäre.

Er besuchte die zweite Frau seines Vaters. Erhoffte sich so, mehr über ihn zu erfahren. Sie war wieder verheiratet. Und ohne das er es wollte, geschweige denn das es so geplant gewesen wäre, sponnen sich freundschaftliche Gefühle, die immer tiefer wurden. Vor allem zu dem neuen Lebensgefährten, einem erfolgreichen Autohändler. Auch wenn diese Gefühle, wie sich noch herausstellen sollte, eher einseitiger Natur waren. Um genau zu sein waren sie absolut einseitiger Natur. Hans fragt sich immer wieder ob er, auch so reagieren würde wenn umgekehrt das Kind einer anderen auf einmal vor der Tür stünde. Ob er es auch hereinlassen würde und mit ihm reden würde. Ganz im klaren wurde er sich darüber nicht.

Aber damals besuchte er selber sie immer öfter ohne darüber nach zu denken.

Zu Hause herrschte Tristesse und Wehmut über ein verlorenes Leben, eine verlorene Liebe. Warum genau es so geschah kann Hans sich immer noch nicht erklären. Zum einen fühlte er sich als der gleiche Verräter wie sein Vater. Zum anderen wollte er sein Leben leben. Ebenso wie sein Vater! Sein eigenes Leben. Immer mehr bekam er das Gefühl es würde ihn zerreißen. Immer wieder nahm er die Rolle ein, die ihm alle zudachten. Genau in dem Moment als er diese Zeilen schrieb, kam ihm der Gedanke das es seinem Vater, bevor er ging, möglicher weise, ähnlich erging. Unter anderen Vorzeichen natürlich. Großmut und verzeihen, lernte er erst in diesen Momenten.

Damals war er zudem der Sorgenmacher für seine Mutter. Das schwarze Schaf. Der Verlierer. Was würde passieren, wenn seine Mutter auch noch davon erfuhr? Es gab Momente bei den beiden, da fühlte er sich wie in einer richtigen Familie. Immer aber mit dem Gefühl des „das ist nicht richtig“ im Hinterkopf. Aber es waren nur kurze Momente. Und zunehmend bekam er zu spüren, das er nicht erwünscht war. Sie ließ es ihn mehr und mehr fühlen. Immer öfter ließ sie ihn abblitzen. Und Hans weiß heute das er sich eine Traumwelt aufbaute. Denn er hatte dort definitiv nichts zu suchen. Und über seinen Vater erfuhr er auch nicht viel. Sie wollte nicht über ihn sprechen, er kannte ihn überhaupt nicht. Er war es auch der ihn ab und zu reinließ. Doch letztendlich blitzte er immer öfter ab. Und auch immer unverblümter. Bis er vor verschlossenen Türen stand. Seine Besuche, Telefonkontakte, oder andere Versuche lagen immer weiter auseinander, bis sie irgendwann ausblieben. Ein paar mal fuhr er noch wehmütig mit dem Rad an dem Haus in einer besseren Wohngegend vorbei, in der Hoffnung das sich doch noch eine Tür öffnete. Dann war auch diese Episode vorbei und er musste endgültig anerkennen das dies nicht sein Zuhause war. Er erzählte seiner nichts Mutter davon. Wissend das es ihr, Herz gebrochen hätte. Vielleicht endgültig.

Doch natürlich erfuhr sie es irgendwann später.

Nachdem Jahre vergangen waren, als er mit seinen Schwestern sprach, erfuhr er, das auch sie bei den beiden waren. Und beide wurden weit weniger freundlich aufgenommen als er.

Daß die Vögel des Kummers und der Sorge

über unseren Häuptern fliegen,

können wir nicht verhindern.

Aber daß sie Nester in unseren Haaren bauen,

das können wir verhindern.

chin. Weisheit

Danke für die Aufmerksamkeit!

Alles Gute, Gesundheit, Frieden und Harmonie.

Luke Elljot

 

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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