Die Vögel des Kummers und der Sorge # 11 © by Luke Elljot

Dezember 2016

Dieses kleine Vorwort werde ich hier vor jeden Artikel dieser Serie stellen. Wer regelmäßig mitliest, sehe bitte darüber hinweg. Wenn jemand neu einsteigt, weiß jeder so sofort worum es geht.

Ein früherer Bekannter und Berufskollege hat mir seine Tagebücher (ca. 200 A4 Seiten) mit der Bitte sie zu überarbeiten zugeschickt. Auch er ist mit seinem Betrieb pleite gegangen. und ich soll eine runde Geschichte daraus zu machen. Ich fand die Idee toll. Also werde ich Seite für Seite, Satz für Satz überschreiben, ihm zuschicken, und bei gefallen in meinem Blog veröffentlichen. Um ihn zu schützen nenne ich ihn Hans Schuld. Seine Geschichte ist alltäglich. Und trotzdem ist es für ihn ein Teil seiner Geschichte! Alles was jetzt hier folgt, ist Hans Schuld. Es sind die Tagebücher von Hans.

Alle Personen und Orte in dieser Geschichte sind so verändert, dass sie keiner echten, tatsächlich lebenden Person oder den Orten mehr ähneln können. Welche Meinung man auch immer dazu hat, es ist damals so gewesen.

11

Luke :

Ich habe Hans darauf hingewiesen, das seine Aufschriebe mitunter sehr durcheinander sind. Er wechselt in der Zeit aus der frühen Kindheit in die späte Pubertät schnell mal hin und her. Vermischt manches. Ich kann in vielen Teilen nicht unterscheiden was wohin gehört. Manche Szenen die er beschreibt fließen ineinander über. Deswegen ist ähnliches, in verschiedenen Zusammenhängen geschrieben. Wenn ich das komplett auseinander dividieren sollte, müsste ich ganze Teile streichen, selber neu schreiben ändern. Da stellt sich dann die Frage; ist es dann noch Hans Schuld?

Wir sind übereingekommen. Das ich das nicht werde. Ich schreibe es wie es ist. Versuche es so zu verpacken, das es nicht zu sehr auffällt. Hoffe das ich selber nicht den Überblick verliere. Dennoch viel Spaß beim Lesen.

Was ihn, wenn er sich an diese Zeit erinnert, immer wieder erstaunt ist, das er sich als Erwachsener auf gewisse weise gerne an diese Zeit erinnert. Ja, sie sich sogar manchmal zurückwünscht. Auf eine gewisse, und besondere weise, war die Zeit bis in die Pubertät, eine besondere für ihn. Er nennt sie seine Austernzeit. Und auch wenn er alles in sich einschloss, nichts raus, aber auch nichts reinließ, war er voller Selbstvertrauen. War sich seiner sicher. Er hatte seine eigene kleine Welt. Hatte seine eigenen Gedanken, seine eigene Musik. Hatte sich. Und darauf konnte er sich grenzenlos verlassen!

Gleichaltrige hatten alle möglichen Probleme. Er war wer er war. Auch wenn er nirgendwo wirklich dazu gehörte. Sein bester Freund verstand ihn, und das reichte ihm.

Keiner sollte ihm mehr weh tun. Keiner konnte ihn verraten, oder verletzen. Wie auch, es kam ja keiner an ihn heran.

Und immer wenn jemand ihm zu nahe kam, er traurig oder alleine war, zog er sich in diese Welt zurück und war bei sich. Hatte sich. Und immer dann war er in Ruhe. Oft denkt er, das dies seine schönste Zeit war.Es war einfach egal was passierte. Er hatte dann keine Sorgen, denn er hatte diese Insel. Und was auch immer passierte, er zog sich dorthin zurück bis alles wieder in Ordnung war. Bis alles wieder in seine Welt passte. Dadurch machte er es seinem Umfeld nicht gerade leichter. Nicht das er irgend jemandem etwas tat. Nein. Er war für sich in sich, ließ niemanden an sich heran, machte was er für richtig hielt und für gut.

Natürlich bog er die Realitäten für sich zurecht. Redete sich manches auch schön. Ob das richtig war? Nun er war so weit mit sich zufrieden das es ihm gut ging. Gut, so weit wie dies unter diesen Umständen eben möglich war. Denn Hans war ja nicht dumm. Natürlich bemerkte und wusste er was mit seinem Vater los war. Das es seiner Mutter nicht gut ging. Das sie kein Geld hatten. Genaugenommen eigentlich arm waren. Er wurde ja langsam auch älter. Durfte bald sogar Mofa fahren. Gehörte an seiner Schule jetzt langsam zu den älteren Schülern. Belächelte die kleineren.

Heute fragt er sich oft, was es denn bringt, oder ihm gebracht hat;

realistisch zu sein“

Sich den Problemen zu stellen“

Alles zu verstehen“

Verantwortung zu übernehmen“

Erwachsen werden“

Auf andere einzugehen“

Sich nach anderen zu richten“

Sich anzupassen, oder einzufügen“

Vor allem die letzten drei bedeuten doch – es anderen recht zu machen, DEREN Erwartungen zu entsprechen.“

Er war damals der Auffassung, das keiner sich für ihn interessiert, also interessierte ihn auch keiner.

Hans betont immer wieder das er zu dieser Zeit noch keinen wirklichen Ärger machte, keinem etwas getan hat. Bis auf die Tatsache eben, das er nicht mit gemacht hat.

Die Schlägereien kamen später.

Er war im weitesten Sinne das, was man einen Eigenbrötler nennen würde. Fühlte sich manchmal sogar wie ein Rebell. In seiner Klasse war er der einzige der Bruce Lee Filme guckte.

Er machte es sich passend, tat so als ob ihn das alles nichts anging. Im Zweifelsfall ignorierte er alles und alle. Er war der Gute und der Rest der Welt war egal!

Er gehörte nirgendwo so richtig dazu. Die anderen Kinder konnten so recht nichts mit ihm anfangen. Und dann kam er zwischenzeitlich sogar, wie man so sagt, mit den falschen Leuten zusammen. Aber er wurde bewahrt wie er es selber nennt.

Mit 13/14 hatte er ein sehr einschneidendes Erlebnis. Ein Bekannter von ihm, eine sehr zwielichtige Gestalt, wollte einen Einbruch begehen und brauchte Hilfe. Hans schreibt dazu das es einer dieser Typen war von denen man genau weiß das sie einen in die Scheiße reiten. Die aber trotzdem diese charismatische Anziehungskraft haben und einen dazu veranlassen können das man Dinge tut, die man eigentlich nicht machen will. Er war der erste, der ihn nach dem Boxtraining das er da schon machte, lobte und ihm großes Talent bescheinigte.

Na gut. Hans sollte also Schmiere stehen. Da er doch eigentlich irgendwo dazugehören wollte, und es irgendwie seiner grundsätzlichen Einstellung sich auszugrenzen entsprach, ließ er sich überreden. Mitten in der Nacht wollten sie sich treffen. Doch Hans verschlief. Der Einbruch ging schief, alle wurden geschnappt, und eingebuchtet. Hans war geläutert.

Seine Mutter las es ihm aus der Tageszeitung vor. Mt einer Bemerkung über die verkommene Jugend. Es war Samstagmorgen, und Hans blieb sein Brötchen im Halse stecken.

Vor allem aber war es für ihn der erste Moment in dem er bemerkte, wie schön es doch eigentlich zuhause war. Die nächsten Wochen zuckte er jedes mal wenn die Polizei vorbeifuhr zusammen, weswegen er auch kaum rausging.

Das war auch der Anfang vom Ende seiner Austernzeit. Sie hielt noch eine Weile an, doch sie bröckelte.

Ausgerechnet bei dieser Erinnerung kommt Hans auf einen besonderen Gedanken. Er schreibt das er vermutet, das seine ersten schönen Kinderjahre ihn letztendlich behütet haben. Die Anfangsjahre als sein Vater noch mit ihnen zusammen war. Der schöne Kindheitsteil.

Dort, wo alle Menschen wie er sagt, ihr ersten Wurzeln gießen, wo das Fundament gelegt wird für den Menschen, zu dem wir uns dann entwickeln.

So schreibt er auch, das es nicht gut ist seine Kinder vor allem schlechten zu bewahren. Er ist der Überzeugung das es besser ist, das Kinder schnell lernen das, das Leben nicht immer gerecht ist. Das es manchmal ungerecht ist und seine Unwägbarkeiten hat. Ungerechtigkeiten die nicht im Einflussbereich des Einzelnen liegen und denen man sich gegebenenfalls anpassen muss. Doch immer kann man daran arbeiten!!!

Es klingt hart, aber zu lernen das, das Leben manchmal nein sagt, auch ohne das es gefällt, ist sehr wichtig zu verstehen.

Er schreibt. Wenn ich zum Beispiel auf ein zehnstöckiges Hochhaus gehe und herunterspringe, werde ich – ob es mir gefällt, oder nicht – ob ich etwas von Gravitation verstehe oder nicht- ob ich es gerecht finde oder nicht – unten auf dem Asphalt aufschlagen.

Wichtig ist nur, das die verantwortlichen Eltern die entsprechenden Werte vermitteln. Aufrecht bleiben und den Kindern immer eine Stütze bleiben Nicht alles abnehmen, aber da sein sollten! So ist es zumindest die Auffassung von Hans Schuld.

Daß die Vögel des Kummers und der Sorge

über unseren Häuptern fliegen,

können wir nicht verhindern.

Aber daß sie Nester in unseren Haaren bauen,

das können wir verhindern.

chin. Weisheit

Danke für die Aufmerksamkeit!

Alles Gute, Gesundheit, Frieden und Harmonie.

Luke Elljot

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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4 Antworten zu Die Vögel des Kummers und der Sorge # 11 © by Luke Elljot

  1. 1000interessenblog schreibt:

    Interessante Idee 🙂 – Danke für diese Zeilen- Lg

    Gefällt 1 Person

  2. die_zuzaly schreibt:

    … ich werde diese Lebens-Geschichte von Hans verfolgen .. schön das du dich ihrer angenommen hast —- es tauchen einige Parallelen auf … die mir bekannt vorkommen 😉
    lg grüße zum Abend von zuzaly

    Gefällt 1 Person

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