Die Vögel des Kummers und der Sorge # 9 © by Luke Elljot

Dezember 2016

Dieses kleine Vorwort werde ich hier vor jeden Artikel stellen. Wer regelmäßig mitliest, sehe bitte darüber hinweg. Denn wenn jemand neu einsteigt, weiß er/sie so sofort worum es geht.

Eine neue Aufgabe ist an mich heran getragen worden. Ein früherer Bekannter und Berufskollege hat mir seine Tagebücher zugeschickt. Auch er ist mit seiner Praxis pleite gegangen. Er hat mir seinen Aufschrieb (200 A4 Seiten) zugeschickt. Seine Tagebücher. Mit der Bitte sie zu überarbeiten und eine „runde Geschichte“ daraus zu machen. Ich fand die Idee toll. Also werde ich Seite für Seite, Satz für Satz überschreiben, ihm zuschicken, und wenn er sein OK gibt, in meinem Blog veröffentlichen.

Um ihn zu schützen nenne ich ihn Hans Schuld. Seine Geschichte ist alltäglich. Und trotzdem ist es für Hans Schuld ein Teil seiner Lebensgeschichte! Alles was jetzt folgt, ist nur in meiner Begleitung. Es ist Hans Schuld. Ich versuche es flüssiger zu schreiben, aber es sind die Tagebücher von Hans.

Alle Personen in dieser Geschichte sind so verändert, dass sie keiner echten, tatsächlich lebenden Person mehr ähneln können. Dies haben Hans und ich so geregelt. Es wäre purer Zufall wenn dem doch so wäre. Das was ich hier veröffentliche sind seine Worte. Welche Meinung man auch immer dazu hat, es ist damals so gewesen.

9

Damals dachte er das Leben wäre nicht gut zu ihm. Doch heute, mit Abstand und etwas mehr Erfahrung muss er zugeben, das. Dass so nicht stimmte. Es war keineswegs so das er keine Chancen bekam, oder hatte. Er sah nur sehr häufig immer gerade in eine andere Richtung.

Allein in dieser Phase in der er alles meinte mit den Fäusten regeln zu müssen, ging einiges den Bach runter. So verprügelte er beispielsweise den Sohn eines Meisters der ihn als Lehrling hätte einstellen wollen, was sich danach natürlich selbstredent erledigte. Dann bekam er eine Lehrstelle bei einem alten Bautischler. Der war noch aus der Generation die einem Lehrling auch mal eine ballerte wenn sie nicht gehorchten. Mann kann sich vorstellen das er es dort auch nicht aushielt, bzw. keine Lust mehr hatte. Nicht das ihm ähnliches geschehen wäre. Vielmehr wurde so etwas erzählt. Aber das hielt ihn nicht davon ab seinem Meister entsprechende Szenen und patzige Antworten zu geben. Auch hier kam er nicht weiter. Was ihm gefiel war ein Aushilfsjob in einem Restaurant das an einer Tennisanlage lag. Nachdem er aber den halben Vorrat an Vodka Kirsch alleine Vernichtete, hatte sich auch das erledigt. Immerhin hätte er auch dort eine Lehrstelle bekommen können. Und dann wieder eine Bautischleerei.

Doch den ganzen Tag Thermopenfenster, oder wie die damals hießen, einzubauen, war auch nicht seins. Er fühlte sich zu höherem berufen. Dann noch eine Lehrstelle als Kfz Mechaniker, bei der er dauernd verschlief und verschiedene Arbeiten nur halb oder falsch erledigte. Manchmal auch noch mit entsprechendem Restalkohol vom Vorabend. Immerhin erledigte er das alles in einem Zeitraum von etwas mehr als einem halben Jahr. Es war also keineswegs so, das er zu dieser Zeit keine Chancen bekam.

Und das in einer Zeit in der nur schwer eine Lehrstellen zu bekommen war. Die einzige Konstante in dieser Zeit war der Fußballverein und das Boxen. Vor allem der Fußball. Und sein immer stärker werdendes Interesse für den Masseur im Verein. Beziehungsweise für das was dieser Tat.

Gut. Und zwischendurch immer wieder Schlägereien.

Und da macht Hans noch einmal einen Sprung zurück.

Luke :

Hier habe ich entgegen meinem mir selbst gegebenen Versprechen doch einmal vor geblättert. Immerhin ist das hier ja kein Roman, der sich an schriftstellische Regeln, oder deren Handwerkskunst hält. Hans springt immer mal wieder hin und her. Er selber sagte, das ihm eben vieles beim schreiben wieder eingefallen ist, und er es sofort aufgeschrieben hat. Bei einigen Dingen wiederholt er sich mehrfach. Gut, so soll es dann eben sein. Ich werde es nicht ändern. Es hat sicher seinen Grund.

Ich soll alle die hier mitlesen unbekannterweise von ihm grüßen. Ich habe ihm gesagt, das doch Interesse an diesen Tagebüchern besteht.

So stand er immer wieder da, wie der berühmte Elefant im Porzellanladen und alle anderen waren schuld. Damals verachtete er alle. Keiner sollte merken wie verletzt er letztendlich war. Immer wieder wurde ihm gesagt, das wenn er nicht so Faul und asozial wäre, er ein Großer werden könnte. Und da Hans damals alles, nur nicht das machen wollte was andere ihm sagten, sah er sich genau auf dem richtigen Weg.

Durch seine schon damals beginnenden Schlägereien, bei denen er natürlich nie anfing, hatte er auch an Schule schnell seinen Ruf weg. Immer wieder saß er beim Rektor und war Phasenweise einem Rauswurf näher als der Versetzung. Seine Noten ließen nach und er war eine echte Freude für seine Mutter, die, das erkantte er später, selber genug Probleme hatte.

Hans hasste die Schulzeit.

Immer wieder stellte sein Klassenlehrer ihn vor die Klasse und zeigte auf ihn, um dann zu sagen wie sehr er es bedauere das er ausgerechnet in seine Klasse gekommen wäre. Wo diese vorher doch so schön ruhig war. Und das es, seit er da war, immer nur Theater mit ihm gäbe. Anscheinend wurde Psychologie und Pädagogik damals noch nicht unterrichtet, in der Lehrerausbildung. Hans jedenfalls wurde von allen anderen Kindern begafft und für den Rest des Tages geschnitten. Was für ihn dann immer auch sicher besser war. Denn sehr wahrscheinlich hätte er er sonst irgendjemanden ein paar gescheuert.

Aber es war ja nun nicht nur so das er da stand wie ein Ölgötze. Als der Lehrer mit ihm fertig war, musste er ja wieder auf seinen Platz und er saß ganz hinten. Den ganzen Weg bis dorthin starrten ihn alle an. Dann saß er an seinem Tisch, natürlich alleine weil keiner neben ihm sitzen wollte und schmorte in seiner Wut vor sich hin. Auch in den Pausen wurde er dann geschnitten. Sonderte sich ab. Oft ging er dann zu den Sonderschülern. Wenigstens denen fühlte er sich überlegen.

Genug gejammert, wie Hans an dieser Stelle schreibt.

Glücklicher Weise hatte er wenigstens einen kurzen Schulweg. Also war es schnell zuhause. Und wartete irgendwie jeden Tag darauf das er nach Hause kam. Sein Vater.

Was natürlich nicht geschah. Sein Fenster lag so, das er die ganze Straße überblicken konnte. Also saß er da und wartete. Doch nichts. Auch wenn er rausging zum spielen und wieder zurückkam, dachte er jedes mal wenn er in die Wohnung kam das sein Vater da wäre. Auf dem Heimweg stellte er sich immer vor wie er in das Wohnzimmer, oder in die Küche käme und Vater und Mutter säßen am Tisch, drehten sich um, lächelten ihn an und sagten.

Es ist alle wieder gut Junge!“

Was auch nie geschah.

Er saß also immer da, drückte sich an der Scheibe die Nase platt und nichts geschah.

Es sollte wieder so sein wie vorher!! Da war für ihn doch alles in Ordnung!

Ständig fühlte er sich minderwertig. Sie hatten nur wenig Geld, seine Mutter war nie da, da sie andauernd arbeiten musste um das nötige Geld zusammen zu bekommen, das sie zum Leben brauchten. Seine Schwestern waren….. Mädchen eben. Er war allein.

Nie konnten sie sich etwas leisten. Keinen Urlaub oder so. Billige Sachen und billiges Spielzeug.

Luke :

An dieser Stelle sei daran erinnert, das er zu dieser Zeit an der wir jetzt wieder sind, neun war. Da sind die Empfingungen anders als, als sechzehnjähriger. Damals wurde noch ganz anders gespielt und gab es anderes Spielzeug. Dieses hin und her ist etwas verwirrend. Zugegebener maßen. Aber wenn ich selber es merke, werde ich mich immer maal wieder melden. Ansonsten bitte ich um Nachsicht.

Erst viel später wurde Hans klar, das er nicht alleine mir dieser Situation klarkommen musste. Auch seine Schwestern und vor allem seine Mutter mussten dies.

Daß die Vögel des Kummers und der Sorge

über unseren Häuptern fliegen,

können wir nicht verhindern.

Aber daß sie Nester in unseren Haaren bauen,

das können wir verhindern.

chin. Weisheit

Danke für die Aufmerksamkeit!

Alles Gute, Gesundheit, Frieden und Harmonie.

Luke Elljot

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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3 Antworten zu Die Vögel des Kummers und der Sorge # 9 © by Luke Elljot

  1. May DelC schreibt:

    Ein tolles Projekt, das du da angehst! Ich wünsche deinem Bekannten alles Gute. Es tut weh, die Geschichte zu lesen, weil sie mich an nahestehende Personen erinnert. Aber ich bin umso gespannter, weitere Posts zu lesen.

    Gefällt 1 Person

    • Hoffentlich bist du wegen der Posts nicht all zu enttäuscht. Ich habe da nicht so viele. Weiß nicht warum, is aber so. Meine Kindheit war der von Hans nicht unähnlich. Für mich ist es beim lesen auch immer wieder sehr bewegend. Ihm selber geht es wieder so weit gut. Was er heute macht, kommt am Ende. Aber Dank Dir. Ich hoffe ich bringe es Interessant rüber. Alles liebe.

      Gefällt 1 Person

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