Morgenrot 41 © by Luke Elljot

Kapitel 10/2

Seit meinem Krampfanfall, habe ich fast nur vorbereitete Texte veröffentlicht.Dieser Text,war eine echt schwere Geburt. .Viel Spaß damit…… hoffentlich.

Jedwede Tat die hier geschieht,

geschieht nach dem Naturgesetz.

Ich bin der Täter dieser Tat,

ist selbstgefälliges Geschwätz!“

Es war jetzt Winter, die Tage kurz. Die Jahreszeit in der fast alle Farben wie ausgelöscht schienen, bestimmt durch alle möglichen Graduierungen von Grau-, und abgeschwächten Brauntönen. Mancher mag sich wundern das die Weihnachtszeit in dieser Erzählung nicht besonders in Erscheinung tritt. In dem Kinderheim bestand diese für mich vor allem aus Gottesdiensten mit viel vor dem Altar knien, und Krippen basteln für die besser gestellten Kinder. Und das bis uns fast die Finger bluteten. Diese wurden dann an die Familien bei diversen Adventsmärkten verkauft, und brachten dem Heim wieder richtig Geld, von dem wir nichts bekamen. Es dauerte nicht lange und ich konnte das Jesuskind mit den heiligen drei Königen und alledem nicht mehr sehen, und mir hing dieses ganze weihnachtliche Getue zum Hals heraus. Mutter war dem auch nicht verbunden und das war es. So gab es ein schönes Essen zusammen mit Anne und Anton, mit einer kleinen Bescherung. Es waren immer sehr schöne ruhige Abende mit schöner Musik und einem warmen knackenden Kaminfeuer.

Ansonsten standen überall wie schwarze Gerippe, die von Blättern leergefegten Laubbäume in denen Raben und Krähen krächzend hin und her flogen. Wochenlang waren manchmal Haus, Hof und die Erde immer nur nass und nie schien wirklich die Sonne und richtig hell wurde es auch nicht wirklich. Oder zumindest bildete ich mir dies ein. Winter so richtig mit Schnee und so, waren sehr selten damals. Es wurde tagelang so spät hell und so früh dunkel, das ich das Gefühl bekam, das es überhaupt nicht Tag war. Ebenso wie ich nur noch selten Mond und Sterne sah. Meine Stunden an meinem Sternenglas wie ich es romantisch nannte waren nur noch selten. Sternenglas sagte Mai immer. Das ich diesen Begriff übernahm, brachte mich ihr näher, und ich musste nichts dafür tun.

Ein alter Kornspeicher nicht weit weg von der Schule, war eine Hochburg dieser Krähen. Von morgens bis zum Schulschluss, verfolgte uns ihr aufgeregtes Geschrei wenn sie in Schwärmen diesen Speicher umkreisten und sich um was auch immer stritten wie es schien. In dieser Jahreszeit viel es mir leicht an Tod und Verdammnis zu denken. Um so schwerer lag es auf meiner Seele, das wir so gar nichts zustande brachten. Über diese ganze Zeit musste ich immer wieder an Adono Dederich denken. Wie er dort in seiner dunklen feuchten Höhle lag. Still und blass. Die Realität war bei weitem nicht so angenehm, wie meine Vorstellung. Doch das sollte ich noch erfahren.

Und was wiederum lag dann näher, als mir seine letzten Momente vorzustellen. Wie er alleine in seiner Verzweiflung das Messer auf seine Brust setzte. Auch dieses Bild rannte immer wieder durch meinen Geist und durch mein Blut. Ich musste ihn einfach finden. Ich musste Adono finden! Mai und ich standen oft beieinander und beratschlagten uns. Immer wieder, wenn ich über diese Zeit nachdenke erkenne ich, das wenn wir uns nicht gegenseitig gehabt hätten, wenn ich Mai nicht gehabt hätte, ich zumindest sicher aufgegeben hätte. Denn es passierte wirklich nichts, was uns weiterbrachte.

In der Schule, aber auch in der Stadtbücherei und einem Buchantiquariat lasen und suchten wir nach Hinweisen, aber auch hier, ohne Erfolg. Dieses Antiquariat wurde von einem weiteren Freund Walters betrieben. Und dort durften wir nur unter Aufsicht und mit Handschuhen und sehr, sehr vorsichtig in die Bücher schauen.

Im Nachhinein bedauere ich, das ich so auf meine Geschichte fixiert war. Denn wir lasen allerlei interessante Anekdoten und andere kleine Geschichten aus und um Alverdissen und den umliegenden Landkreisen. Vor allem über diese marodierende Räuberbande die hier ihr Unwesen trieb und bei der im Kampf gegen diese, Adonos Vater Hermann, Phillip von Alverdissen, seine Ritterwürde erwarb. Immer wieder viel diese Bande von Mördern über die Umliegenden Städte her. Mordete, raubte, vergewaltigte erpresste das Land, um sich anschließend immer wieder in dem riesengroßen Schaumburger Wald zu verstecken. Eine finstere Zeit. Eine Zeit in der Mutters Urgroßmutter,Katharosa Theodora von Alverdissen, sehr sehr viel alleine gewesen sein muss. Was manches erklärte.

Nun, da es früh dunkel wurde, blieb auch nicht viel Zeit um im Wald zu suchen, und der Bekannte von Walter mit dem Detektor hatte auch nicht immer Zeit. Mai las zusätzlich fasziniert in dem Tagebuch. Aber bis auf viele persönliche Anmerkungen fand auch sie im Grunde genommen nichts, was wir nicht schon wussten. Im Gegenteil. Sie war immer wieder erstaunt wie beherrscht sie schrieb. Was wiederum mich erstaunte und nach kurzem Nachdenken dazu veranlasste, mir darüber Gedanken zu machen was wohl Mai so alles in ihr Tagebuch schrieb. „Ich habe kein Tagebuch!“ sagte sie schnippisch und schien meine Gedanken zu lesen. Ich konnte ihr das nicht glauben.

Aber Mai vermutete etwas anderes. Es schien so, sagte sie, das Katharosa befürchtete es könne gelesen werden was sie schrieb. Einige Passagen erschienen ihr eher so gehalten das sie ihr als geheime Erinnerung diente, denn als herausgeschriebene Seelenpein. Wozu dieses Tagebuch ihr ja diente. Aber nur dort, wo es sozusagen auch erlaubt war.

Wir kamen also wie schon gesagt nicht wirklich weiter. Dies ist der wenig spannende Teil meiner Geschichte. Spannend in dieser Zeit war lediglich meine Fantasie die immer wieder mit mir durchging. Vor allem wenn ich an irgend einem alten Gemäuer vorbeiging, oder im Wald spazieren. Dann sah ich Räuber und Ritter und Burgfräulein´s.

Doch was soll ich sagen. Die zarte Pflanze die mich mit Mai verband, wollte auch nicht so recht wachsen und erblühen. Was sicher auch daran lag, das ihr Vater immer mindestens ein waches Auge auf seine Tochter hatte. Er ließ ihr kaum Zeit, das wir uns treffen konnten. Weswegen ich ihr das Tagebuch auch mitgab, und die Waldbesuche oft alleine absolvierte. So konnte sie es ungestört lesen. Diese Stunden in denen wir zu zweit, der Junge und der ältere Mann, wortkarg mit dem Detektor in geeignetem Gelände nach einer unbekannten Höhle suchten, meist bis es fast dunkel war, wurden mir unvergessen. Doch musste Mai mir vorher versprechen, das Tagebuch keinem anderen zu zeigen. Niemandem. Was sie natürlich auch nicht tat.

Viele der dunkle Stunden verbrachte ich oben in meinem Turm mit lesen. Dort las ich in den Büchern, die ich von Mutter bekam. Auch die mit den langweiligsten Geschichten über die damaligen Adelshäuser bzw. auch deren Stammbäume. Manche von Schreibern und Zeitzeugen verfasst. In einer Art und weise geschrieben, wie heute überhaupt nicht mehr gesprochen wird. Nebenbei lernte ich so die altdeutsche Schrift. Fast alles nur Namen und Auflistungen. Auch über das Druidentum und was mich sehr entsetzte, über die Inquisition. Listen von Toten, wie in einer Inventurliste. Grauenhaft! Aber es war trotz allem auch sehr ermüdend.

Doch nichts. Über die Alverdissens war bis auf den Ritterschlag und den damit verbundenen Überschreibungen von Ländereien und anderen neuen Besitztümer und den Heldentaten von Herrmann Phillip nur sehr wenig zu finden. Es hieß er hätte in der entscheidenden Schlacht mit seinen deutlich unterlegenen Truppen zusammen mit einer Bürgerwehr diese zu einem glorreichen Sieg gegen die Räuberbande geführt. Und den Anführer der Räuber höchstselbst erschlagen. Über Adono Dederich, immerhin sein Erstgeborener, so gut wie nichts. Sein Name tauchte nur ein, zwei mal auf. Das fand ich schon sehr merkwürdig. Fast so als ob er vergessen worden wäre.

Ich sprach mit Mutter über meine nutzlosen Forschungen in den Bibliotheken und in der Schule und diese sehr unbefriedigende Situation.

Sie sah mich ernst an und sagte dann zunächst etwas sehr erstaunliches wie ich fand. Denn mein Problem war ein ganz anderes, als das was sie antwortete.

Die Schulen von heute sind meines Erachtens nach vollkommen Lebensfern. In ihnen wird der Verstand so lange überbildet, bis das Herz verkommen, verdurstet und vergangen ist. Wenn das dann endlich gelungen ist, bekommen die Kinder ihre Abschlusszeugnisse und gehen ohne Inspiration hinaus in die Welt.“

Damals eine paradoxe Situation für mich. Denn zum einen hielt sie mich an mich in der Schule zu bemühen und zum anderen nun das! Aber vor allem beantwortete es zunächst meine Frage nicht.

Jedoch, ich wartete ab, wohin mich dieses Gespräch noch führen würde. Denn ich lernte über die Zeit Mutter als eine weise und sehr belesene Frau kennen, die meine Fragen immer sehr ernst nahm. Sie aber eben auf die ihr eigene Art und Weise beantwortete. Und die entsprach nicht immer einem normalen Gespräch.

Ja mein Junge, schau mich nicht so erstaunt an. So ist das mit den Menschen. Was ein Mensch dir sagen kann ist einmal zu viel und einmal zu wenig.Einmal kommt es zu früh und einmal zu spät. Meist zu einer Zeit, in der deine Seele schläft. Deswegen mach das was du willst und das was du tust, niemals von anderen Menschen abhängig. Egal wie sie zu dir sprechen, in Wort oder in Schrift. So wirst du dieses Rätsel nicht lösen.“

Von ihr bekam ich, wie schon erwähnt, auch Bücher aus ihrer hauseigenen Bibliothek, die sie immer sehr sorgsam auswählte. Vorher forschte sie immer, wie meine Wissbegier beschaffen war. Doch eines tat sie niemals. Sie überprüfte nie, ob ich diese Bücher auch wirklich las . Und eines ist klar, ich las sie alle!

Einmal sprach ich mit ihr darüber, wie sehr ich mir doch mehr Wissen wünschte um zu ergründen wo ich suchen musste. Und dabei klang ich anscheinend sehr verzweifelt.

Da erzählte sie mir eine Geschichte über einen alten griechischen Philosophen. Diogenes. Es ist eine bekannte Geschichte, die ich hier dennoch weitergeben will.

Es begab sich,“ erzählte sie. „das Diogenes mit seinen Schülern am Strand spazieren ging. Als einer von ihnen ihm eine Frage stellte.

Meister ich möchte alles wissen. Wie kann ich dieses Wissen erlangen?“

Komm.“ Antwortete er und ging hinaus tiefer in das Wasser. Diogenes, der ein kräftiger Mann war, packte dann den Schüler und drückte ihn unter Wasser. So lange, bis dieser fast erstickte.

An was dachtest du gerade dort unter Wasser?“

Luft! Ich konnte nur an Luft denken!“ antwortete dieser.

Wenn du dir Wissen so sehr wünschst, wie gerade die Luft, wirst du alles Wissen erlangen das du haben möchtest!“

Sie schwieg eine Weile und sah mich lächelnd an und wartete ob ich verstand was sie mir sagte.

Johannes, warum willst du all das wissen?“

Ja, warum? Das war eine wirklich gute Frage über die ich ehrlicher weise bis dahin noch nie nachgedacht habe. Mutter lies mir alle Zeit mir darüber meine Gedanken zu machen und zu sortieren.

Es tut mir gut. Wenn ich mich damit beschäftige, habe ich einfach ein gutes Gefühl. Ich bin dann Teil von etwas das in mir ist und mich schon so lange ruft.“

Ich konnte es damals nicht anders formulieren und kam mir ein bisschen dumm vor. Doch Mutter sah mich nur nickend an und antwortete.

Was dein Geist will, wird in dir haften bleiben. Denn es wird dir Freude bereiten. Du beschäftigst dich dann gerne damit. Wer aber Wissen um des Wissen´s willen in dich hineinbringt, ist wie der Dompteur, der den Tiger gegen seinen natürlichen Instinkt, durch den Feuerreifen springen lässt. So wird seine Natürlichkeit verstümmelt. Ebenso wie der Vogel, der rein zu Belustigung und Befriedigung seines Besitzers im Käfig gehalten wird und ebenso verkümmert. Anstatt dort zu leben, wo er hin gehört. So wird aus einer Gottesblume, ein Sträußchen Petersilie.

Was ist das für ein Leben, in dem ein Mensch in seiner Jugend hinter Schulfenstern versauert, um dann einen anständigen Beruf zu erlernen. Danach sich verheiratet und den Rest seines Lebens nach der Stechuhr lebend, die Schulweisheiten über seine Kinder verteilt. Bis er schließlich krank wird und stirbt. Das kann nicht der Sinn sein, den die Schöpfung in uns sah, als sie uns auf diese Welt entließ. Folge diesem Gefühl Johannes. Folge ihm und was immer du wissen willst, wenn ich dir helfen kann, werde ich es tun. Denn wenn du diesem Gefühl folgst, folgst du deiner Bestimmung. Diese Höhle aber musst du alleine suchen. Da kann ich dir nicht helfen. Ich denke Walters Idee, ist das beste was wir im Moment machen können. Mach dich auf und finde die Höhle“

So gingen wir auseinander. Doch die Frage Mutters nach dem Warum, brannte regelrecht, weiter in meinem Geist.

So oft und lange schon wanderten die Bilder von Marcus und alledem durch mein Blut, das sie so sehr Teil meines Seins waren, das sich diese Frage so nie stellte. Es war eben einfach so! Etwas erschüttert stellte ich fest das sich dieses warum erweiterte. Viele Erklärungen hatte ich bekommen, oder für mich gefunden. Was wie und woher. Ich nahm es unbeschwert mit dem Gemüt eines Kindes hin. Brannte diese Frage zunächst, so schwelte sie danach nur noch weiter. Unterschwellig breitete sie sich aus. Es schwelte die Frage weiter; Warum! Sie brachte mich ins Wanken, machte mich unsicher. Warum?

Danke für die Aufmerksamkeit!

Alles Gute, Gesundheit, Frieden und Harmonie.

Luke Elljot

Danke für die Aufmerksamkeit!

Alles Gute, Gesundheit, Frieden und Harmonie.

Luke Elljot

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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