Die Vögel des Kummers und der Sorge #7. © by Luke Elljot

Dieses kleine Vorwort werde ich hier vor jeden Artikel stellen. Wer regelmäßig mit liest, sehe bitte darüber hinweg. Denn wenn jemand neu einsteigt, weiß er/sie so sofort worum es geht.

Eine neue Aufgabe ist an mich heran getragen worden. Ein früherer Bekannter und Berufskollege hat mir seine Tagebücher zugeschickt. Auch er ist mit seiner Praxis pleite gegangen Ist allerdings deutlich jünger als ich. Er hat in meinem Blog gelesen und fand sich in verschiedenen Passagen wieder. Darum hatte er eine Bitte an mich. Glücklicher weise findet er meinen Schreibstil toll. Gerne komme ich dieser Bitte nach.

Er hat mir seinen Aufschrieb (200 A4 Seiten) zugeschickt. Seine Tagebücher. Mit der Bitte sie zu überarbeiten und eine „runde Geschichte“ daraus zu machen. Ich fand die Idee toll. Also werde ich Seite für Seite, Satz für Satz überschreiben, ihm zuschicken, und wenn er sein OK gibt, in meinem Blog veröffentlichen.

Daß die Vögel des Kummers und der Sorge

über unseren Häuptern fliegen,

können wir nicht verhindern.

Aber daß sie Nester in unseren Haaren bauen,

das können wir verhindern.

chin. Weisheit

Um ihn zu schützen nenne ich ihn Hans Schuld. Sie ist alltäglich. Und trotzdem ist es für Hans Schuld ein Teil seiner Lebensgeschichte! Alles was jetzt folgt, ist nur in meiner Begleitung. Es ist Hans Schuld.

Alle Personen in dieser Geschichte sind so verändert, dass sie keiner echten, tatsächlich lebenden Person mehr ähneln können. Dies haben Hans und ich so geregelt. Es wäre purer Zufall wenn dem doch so wäre. Das was ich hier veröffentliche sind seine Worte. Welche Meinung man auch immer dazu hat, es ist damals so gewesen.

Woher kam diese Unruhe?

Als Kind, Ende der 80er, er war 9/10 Jahre alt, wurden seine Eltern zeitgleich arbeitslos, und es brach etwas hervor, was sie bis dahin vor ihnen geheim hielten.

Nicht vor den Kindern! Das war das Credo vieler Eltern in dieser Zeit.

Sein Vater übernahm ja den Schrottplatz. Nun, er war kein guter Geschäftsmann, und hatte zusätzlich ein Techtelmechtel mit seiner Sekretärin. Die ihn natürlich wie eine heiße Kartoffel fallen ließ, als sein Laden den Bach runter ging. Seine Mutter schmiss ihn daraufhin raus. Nicht wegen der Pleite, sondern wegen des Ehebruchs. Er verfiel dem Alkohol und landete schnell unter der Brücke. An eine Unterstützung der Familie von ihm? Nicht zu denken!

Alleine und ohne Geld brachte seine Mutter ihn und seine Geschwister , ja nennen wir es mal, durch. Zeitgleich machte sie manchmal drei Jobs und manchmal auch bis spät in die Nacht, oder auch am Wochenende. Aber niemals etwas „anrüchiges“. Er war das was man ein Schlüsselkind nannte. Hans wollte nicht das ich seine Armut näher beschreibe. Ich verstehe das und beschränke mich auf das Wesentliche.

Obwohl sie immer eine Wohnung, also ein Dach über dem Kopf hatten, immer etwas anzuziehen und so, hatten sie aber auch nicht mehr. Wenn die anderen Kinder nach den Sommerferien braun gebrannt von ihren tollen Ferien in Italien, Spanien oder Griechenland schwärmten, war er am Baggersee zuhause geblieben. Wenn nach den Weihnachtsferien alle Kinder mit ihren neusten tollen Sachen und dem Skiurlaub angaben, schämte er sich für die paar Kleinigkeiten die er hatte und log selber was er alles tolles hatte. Trugen die anderen Kinder tolle Sachen aus der Boutique, trug er billiges Zeug aus dem Supermarkt und vor allem so lange bis es auseinander fiel. Jacken wurden immer zwei Nummern größer gekauft….. Sein Fahrrad war gebrauchtes Mädchenrad. Und als es ihm geklaut wurde, musste er fast ein Jahr zu Fuß gehen. Vorher gab es kein anderes. Es war ein Bonanzarad, was ihm sein Opa schenkte. Sein größter Schatz. Deswegen ging er auch weiterhin zu Fuß zu Schule. Er wollte unbedingt verhindern, das es ihm gestohlen wurde.

Letztendlich zerbrach seine Mutter an alledem. Als er, als jüngster mit 20 aus dem Haus war, zerbrach sie. So als ob jemand den Stecker zog. Sie unterstütze ihn und seine Schwestern. Sie brachte sie bis dahin auf den Weg. Half ihnen bei jedem Schritt, machte ihnen nie Vorwürfe. Auch wenn, vor allem seine, Anrufe immer seltener kamen. Ebenso wie ihre Besuche immer seltener wurden. Bis auf die Schwester die in Hannover blieb. Sie erfreute sich an den Enkeln. Ich will das hier nicht weiter vertiefen.

Dann starb sie, und ihm wurde bewusst wie dankbar er ihr war, ja sein musste! Und das er es ihr nie genug gesagt hatte. Dann stand er vor dem Sarg seiner Mutter und alles was er sagen, oder denken konnte war……. Danke.

Und er schwor sich, das, er seinen Kindern und seiner Frau so etwas nie antun würde. Er würde ein besserer Vater und Ehemann sein. NIEMALS würde er seine Familie so verraten wie es sein Vater tat.

Heute als er in einem entsprechendem alter ist, weiß er natürlich das Liebe verfliegen kann. Das man jemand anderes kennen lernen kann. Aber das man dennoch den Verpflichtungen vor allem seinen Kindern gegenüber nachgehen kann, oder besser muss.

Sein Vater gab auf. Versoff sein Leben, verreckte regelrecht im Dreck bevor er volljährig war.

Deswegen war er immer gehetzt. Seine Kinder würden einen solchen Vater niemals haben. Auch wenn er heute pleite ist und für ihn selber wenig bleibt. Auch heute, da sie noch von dieser Hilfe abhängig sind, ist er für sie da. Sorgt für sie. Zumindest so weit er es kann.

Seine Mutter setzte damals auf ihre Verwandtschaft. Doch die standen nur mit erhobenem Zeigefinger vor ihr und machten ihr Vorwürfe. Vor allem ihr eigene Mutter.

Wenn du deinen Mann richtig glücklich gemacht hättest, wäre er nicht zu einer anderen gegangen.

Was im übrigen auch die einhellige Meinung aller anderen war.

Luke: Was für ein Scheiß.

Letztendlich waren sie alleine. Damals gab es auch noch nicht diese Versorgung wie heute. Dieses Verständnis. Scheidung war noch relativ ungewöhnlich.

Heute ist es etwas vollkommen normales. Im Gegenteil. Von dem Standpunkt des klassischen Familienbildes, ist diese Form der Familie eher rückläufig, fast auf dem Weg der Ausrottung. Was Hans nicht als ein Gewinn ansieht. Eher im Gegenteil als riesengroßen Verlust.

Aber was soll es. Bei ihm war es so, das er seine Bestätigung in körperlichen Auseinandersetzungen suchte. Neben dem Fußball ging er noch in den Boxklub. Das Geld verdiente er sich durch allerlei Nebenjobs dazu. Seine Mutter hatte ja keins.

Wer ihm dumm kam, bekam eben auf die Fresse. Das wars.

Was ihn rettete war letztendlich der Masseur im Fußballverein. Denn um den Weg dorthin zu gehen, brauchte er entweder einen Hauptschulabschluss mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung, oder einen Realschulabschluss, ohne Berufsausbildung. Er entschloss sich für letzteres. Hatte ein Ziel, wollte es besser machen.

Doch der Verrat seines Vaters ließ ihn nicht mehr los. Er wollte nicht mehr verletzt werden und fragte sich immer wieder was er falsch gemacht hatte.

Seine Verwandtschaft, vor allem die Mutter seiner Mutter, hackte auch immer wieder auf ihm herum. Beschuldigte ihn das er daran Schuld war das es seine Mutter so schlecht ging, weil er ihr immer solche Sorgen machte. Es dauerte sehr, sehr lange, bis er diese Ängste ablegen konnte.Nicht so lange dauerte es, bis er sich auf eine Beziehung einließ. Sein Ehrgeiz etwas aufzubauen und erst dann eine Familie zu gründen hielt ihn aber einige Zeit davon ab etwas längerfristiges einzugehen.

Ich denke bis er endlich die Schule ernst nahm, war er tatsächlich das Sorgenkind seiner Mutter.

Doch dann, noch während der Massageausbildung lernte er ein Mädchen kennen, das ihn einfach nur anhimmelte und gerne hatte, das veränderte alles. Weswegen er aber auch gleich wieder fast die Ausbildung schmiss.

Endlich hörte ihm jemand zu. Endlich konnte er über alles reden.

 

Danke für die Aufmerksamkeit!

Alles Gute, Gesundheit, Frieden und Harmonie.

Luke Elljot

Advertisements

Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Familiäre persönliche Bindungen, Innere Haltung, Lebensmut, Vertrauen abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Die Vögel des Kummers und der Sorge #7. © by Luke Elljot

  1. haluise schreibt:

    DA
    sieht man, wie die familie, das umfeld nah und ferner an den KINDERN herumzerrt, herumbiegt, (und das in fast jeder familie: also von ’schöner kindheit‘ kann zu allermeist keine rede sein.), es braucht die systemkontrolle = die eltern keinesfalls, die schule für roboter-menschen ist erst recht abzulehnen.

    JEDOCH
    gibts das schon: ELTERN mit viel, viel LIEBE und SCHULE für FREIE ENTFALTUNG.
    WIR BRAUCHEN MEHR DAVON.
    BIN LUISE

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s