11. Gabriel – Die Reise 1 © by Luke Elljot

11. Gabriel – Die Reise 1

Das ist ja gerade noch einmal gut gegangen.“ Gabriel sagte nichts, lächelte nur und schüttelte leicht den Kopf.

Sag nix. Komm ich zeig dir die Wohnung. Aber bitte wunder dich nicht. Meine Freundin ist gerade ausgezogen und hat zusammen mit ihrem neuen Freund einen ganzen Teil meiner Möbel mitgenommen. Aber ein Gästebett habe ich für dich. Sogar ein eigenes Zimmer, so ein kleines Gästezimmer. Es wird dir sicher gefallen. Immerhin ist es warm und trocken.“

Etwas verlegen stand ich da und machte eine einladende Geste. Dann setzten wir uns in Bewegung und gingen durch die Wohnung. Gabriel war höflich begeistert, worüber ich mich wirklich freute. Aber was sollte er auch sonst sagen. Alles war besser als auf der Straße zu leben. Ich fand auch das es eine schöne Wohnung war. Erst hier drinnen sah ich, wie dreckig seine Füße waren. Alles Barfuß, hinterließ seine Spuren.

Zum Schluss gingen wir in das Gästezimmer. Ich holte ihm ein paar frische Sachen. Legte ihm ein paar Handtücher hin, zeigte ihm das Bad und ließ ihn in Ruhe Duschen, was er auch ausgiebig tat.

Wie immer ging ich mit einem Glas Rotwein erst einmal auf die Terrasse um, wie es ebenfalls meine Angewohnheit geworden war, meine Gedanken fliegen zu lassen und zu ordnen. Es war ein lauer schöner Abend.

Was für ein Tag.“ sagte ich laut genoss die Abendluft und ließ meine Gedanken endlich fliegen. Schließlich hörte ich wie Gabriel aus dem Badezimmer kam und im Gästezimmer irgend etwas kramte. Ich ließ ihn in Ruhe und wartete.

Als ich dann nichts mehr hörte und eine ewig langen Zeit nichts weiter geschah, beschloss ich nach ihm zu sehen und ging in das Gästezimmer. Die Tür war nur angelehnt und ich fand ihn tief und fest schlafend auf dem Gästebett.

Jetzt wo er sauber war, sah er sogar richtig gut aus. Ich betrachtete ihn eine Weile. War gespannt was er noch so alles zu erzählen hatte. Beim schlafen sehen die Menschen alle so friedlich aus. Was auch immer in ihrem Leben geschehen sein mag. Im Schlaf ist davon nichts zu sehen. Ich ging wieder auf die Terrasse und trank noch meinen Schlummertrunk aus. Dann nachdem ich ebenfalls geduscht war, ging ich ins Bett um fast augenblicklich einzuschlafen. Diese erste Nacht mit Gabriel war vollkommen ruhig. Es war wundervoll.

Was ich in dieser ersten Nacht träumte kann ich nicht mehr sagen. Nur das ich, als ich erwachte, vollkommen entspannt und ausgeruht war. Es dauerte einige Momente bis ich alles was am Vortag geschah sortiert und den Traum, vom Erlebten trennen konnte. Für mein völlig normales und langweiliges Leben war einiges passiert. Ich lag da und lauschte einen Moment. Die Morgensonne schienen schon in mein Zimmer und in meiner Wohnung herrscht vollkommene Stille. Auch von Gabriel war nichts zu hören. Die Vögel sangen draußen schon wieder und ein Blick auf die Uhr zeigte dass es kurz vor acht Uhr war. Nachdem ich mich ausgiebig ausstreckte und reckte, stand ich langsam auf und ging ins Badezimmer um mir die Zähne zu putzen. Von Gabriel war immer noch nichts zu sehen oder zu hören. Zurück auf dem Flur bemerkte ich das seine Zimmertür ein kleines bisschen offen stand. Ich sah nach und stellte fest das er nicht in seinem Bett lag. Also machte ich mich auf die Suche nach ihm und fand ihn auf der Terrasse sitzend wie er den Himmel betrachtete. Er hatte noch den Schlafanzug an den ich ihm gestern Abend hingelegt hatte und schien in sich zu ruhen. Langsam drehte er sich zu mir um und sah mich an.

Was für eine Verwandlung!

War er gestern unter all dem Dreck noch kaum zu erkennen, strahlte er jetzt geradezu. Seine langen blonden Haare, die im übrigen leicht wellig waren, fielen locker auf seine Schultern und in der Morgensonne schienen sie wie ein Heiligenschein, den man auf diesen alten Bildern von Engeln sehen konnte, zu leuchten. Es war wirklich erstaunlich was ein bisschen Seife und eine Haarbürste aus einem Menschen machen kann. Die Hände gefaltet schloss er die Augen und atmete einmal laut hörbar ein und aus. Dann sagte er gut gelaunt.

Guten Morgen!“

Morgen.“ Antwortete ich.

Und mein Freund, gut geschlafen?“

Ja, das kann man wohl sagen.“Antwortete ich wahrheitsgemäß. „Wie ein Baby. Und du, wie geht es dir?“

Gabriel sah mich mit einem sehr friedlichen und glücklichen Ausdruck an. „So gut wie seit langer Zeit nicht mehr. Das war sehr, sehr erquickend.“

Erquickend? Wer redet denn so? Aber egal.

Schön. Das hört man doch gerne. Ehrlich, das freut mich. Und, wie wäre es mit einem schönen Frühstück?“ fragte ich ihn. „Allerdings müssten wir noch schnell ein paar Sachen einkaufen, denn ehrlicherweise war ich auf Besuch nicht eingerichtet. Also würde ich sagen wir ziehen uns mal schnell um, und dann los.“

Umziehen, warum?“

Warum? Also du hast einen Schlafanzug an und ich nur eine Boxershort. Das sähe etwas eigenartig aus denke ich wenn wir so auf die Straße gehen würden oder?“

Wenn du es sagst. Dann nehme ich an ich soll die Sachen anziehen die du mir hingelegt hast, wofür ich mich im übrigen auch noch bedanken möchte. Ebenso wie für den Schlafanzug.“ Antwortete er und sah dabei an sich herunter und die Ärmel von seinem Schlafanzug an. Dann grinste er mich auffordernd an, ging an mir vorbei und verschwand in dem Gästezimmer. Für einen Moment sah ich ihm lächelnd nach und ging dann Schulterzuckend rein um mich ebenfalls umzuziehen.

Was ist das bloß mit diesem Kerl, dachte ich noch. Mann könnte glauben er kommt aus einer anderen Zeit, oder so etwas. Aber wie sollte das gehen? Kopfschüttelnd über diese absurden Gedanken, verwarf ich diese, als ich plötzlich gedämpfte Stimmen hörte. Sie kamen eindeutig aus meiner Wohnung. Um genau zu sein kamen sie aus Gabriels Zimmer. Ich ging zur Tür, öffnete diese einen kleinen Spalt und lauschte. Es waren zwei Stimmen. Die eine schien die von Gabriel zu sein, die andere kannte ich nicht.

Leise blieb ich wie versteinert stehen, so merkwürdig, ja fast absurd war das was ich dort zu hören bekam. So absurd wie diese gesamte Situation. Das wurde mir nicht bewusst. Ich stand auf dem Flur in meiner Wohnung, und hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich jemanden belauschte, den ich von der Straße geholt hatte.

Herr“ sagte die unbekannte Stimme. „Ihr könnt hier nicht bleiben. Es ist zu gefährlich. Er wird euch noch finden. Wir müssen in Bewegung bleiben. Ihr wisst das doch!“

Ach Samuel. Er ist doch so nett und es ist so schön hier. Und ich glaube auch nicht das mich noch irgendjemand sucht, hier schon gar nicht. Das letzte mal ist doch schon so lange her. Und um ehrlich zu sein wüsste ich auch nicht warum mich jemand suchen sollte.“

Herr bitte, nennt mich doch nicht immer Samuel. Da fühle ich mich so alt. Und ihr wisst doch noch wer ihr seid, oder?“

Ich weiß was ich bin. Ein vollkommen normaler Kerl der auf der Straße lebt und endlich mal wieder in einem richtigen Bett geschlafen hat. In einem Bett Sam! Also gut Sam. Dann eben Sam. Aber lass uns doch einfach mal ein bisschen Ruhe. Du kriegst auch Honig.“

Honig? Ich krieg Honig? Ehrlich?“

Jetzt konnte ich deutlich noch ein Geräusch neben den Stimmen hören. Es war das gleiche wie ich es schon in der Gasse hörte. Als ob man schnell zwei Büschel Stroh aneinander schlägt.

Herr, wir müssen vorsichtig sein Ich hau ab.“

Dann war für den Moment Ruhe und ich hörte kurz ein Geräusch das sich wie ein Zischen anhörte. Schnell zog ich mich in mein Schlafzimmer zurück. Vollkommen verwirrt was ich eben hörte. Versuchte eine Erklärung dafür zu finden. (gefährlich? Er wird uns finden? Herr?) Und wer ist Samuel und was war das für ein Geräusch? Vor allem wie ist der hier rein gekommen. Um Gottes Willen, wer war das, den ich mir da ins Haus holte?

Dann klopfte es leise an meiner Tür.

Ja!“ sagte ich und Gabriel kam herein. Er hatte die Jeans an die ich ihm gab, und das Sweatshirt, und…. keine Schuhe.

Steht dir gut.“ sagte ich. Er nickte verlegen und sah zu Boden.

Es ist lange her (es ist lange her?) das jemand so gut zu mir war wie du. Danke mein Freund. Er sah hoch und ich konnte sehen wie Sorgen in seinen Blick kamen.

Alles in Ordnung?“ fragte er. „Geht es dir gut?“

Ja. Ja natürlich. Das ist vermutlich nur der Hunger. Mann hab ich Hunger!“ sagte ich mir demonstrativ den Bauch reibend. Für den Moment beschlossen ich nichts zu sagen. Denn wie er dort dort vor mir stand, war wieder alles so friedlich. Schien mir dieses Gespräch das ich hörte so irreal zu sein dass ich schon fast glaubte es geträumt zu haben.

Ich sah Gabriel an das er mir nicht so recht glauben konnte, oder wollte. Aber auch er sagte nichts dazu.

Gut, dann ist ja gut. Dann wollen wir mal was zu Essen holen, oder?“

Das machen wir. Dann lass uns dir aber noch ein paar Schuhe anziehen.“ Wieder sah er verlegen nach unten und auf seine nackten Füße.

Ich war froh dieses Hölzerne Gespräch beenden zu können.

Schuhe? Ja, Schuhe. Hab ich auch lange nicht mehr gehabt. Das wird sicher lustig.“

Ich konnte mich kaum beherrschen ihn nach diesem Samuel zu fragen, biss mir mit alle Müh und Not auf die Zunge. Was mich wirklich all meine Beherrschung kostete.

Ist wirklich alles in Ordnung?“

Ja, es ist wirklich alles in Ordnung…. Bestimmt!“ fügte ich leicht gepresst hinzu da er mich immer noch so zweifelnd ansah.

Wo war ich da hineingeraten? Aber Gabriel machte überhaupt nicht den Eindruck….

Er wird uns finden, wir müssen in Bewegung bleiben, ES IST ZU GEFÄHRLICH.

Wo war ich da nur hineingeraten?

Danke für die Aufmerksamkeit!

Alles Gute, Gesundheit, Frieden und Harmonie.

Luke Elljot

Advertisements

Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Glaube, Roman, Wissen und Phantasie abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s