Morgenrot 39 © by Luke Elljot

Diesen Artikel hatte ich vorbereitet. Der nächste wird ein paar Tage Zeit brauchen.

Kapitel 9/4

Einstweilen stand ich da und versuchte den Moment zu verstehen. Es schien mir, das die Traumwelt, das Leben der Erde verschluckte. Ich stand in diesem Moment, nur mit einem Hemd bekleidet, an der Schwelle der Realität, zu dieser Traumwelt. Alles schien sich von mir zu entfernen. Auch wenn ich nur den Arm hätte ausstrecken müssen um Mai zu berühren, war sie doch auf einmal so unendlich weit von mir entfernt. Viel später als ich darüber nachdachte, glaubte ich in in diesem Moment den Sargdeckel ins Schloß fallen zu hören. War denn Schlaf nicht auch nur Bewusstlosigkeit, der kleine Bruder Tod! Doch dies war nur für einen unendlich kleinen Moment so, dann war alles wieder normal. Ha, normal.
Von außen betrachtet denken manche vielleicht das ein fünfzehnjähriger mit so einer Geschichte vollkommen überfordert sein müsse. Dem könnte man entgegen halten; Welcher Junge in diesem Alter träumte, oder träumt nicht von Abenteuern. Etwas besonderes zu erleben. Nun, wenn das nichts besonderes war?
Und die wundervolle Eigenschaft der Jugend ist es doch, das Unnötige weglassen zu können und nur die Essenz zu filtern. Auch wenn sich die Jugend manchmal, im Gegensatz zum Alter, dann wiederum eben auf diese Essenz stürzt, wie der Hundewelpen auf den Lappen und zerrt und zerrt. Denn es fehlt noch die viele Erfahrung die alles bedenken muss. Wie der Goldsucher am Fluss. Die Jugend freut sich über jeden Fund. Das Alter ist verärgert über die verschwendete Zeit solange es nichts findet. Die Lebenskunst ist es, anscheinend sich beizeiten zwischen beiden Phasen in geeigneter Weise hin und her zu bewegen. Oder mag es sein.
Damals fügte sich auf einmal alles zusammen. Die erste Begegnung bei den Extersteinen. Dann, als ich Marcus auf den Hügeln sah, oder auf dem Bild bei der Küche. Meine Wachträume oben in dem Turm. Die Fantasien auf der alten Römerstraße. Ausgerechnet jener Druide, der so eng mit dem Schicksal der von Alverdissens verflochten war begegnete mir.
Ein Lehrer an der Schule, Herr Oevermann,, erzählte uns, das man in einem Traum nie weiß das man träumt. Wenn das stimmte, was war dann das hier? Lange sah ich den Abt der Druiden an der still in sich versunken da stand, die Augen wie zum Gebet verschlossen.
Sah Mai an, Mai, die verträumt aus dem Fenster sah. Und Marcus Christianus, der mich offen und verständnisvoll anschaute. Sah mich in der Hütte um, die in ihrer Schlichtheit und Sauberkeit so wunderschön war. Ich wusste genau wo ich mich befand. Ich hatte keine Angst, empfand kein Unbehagen.
Was mich selbst im nach hinein immer doch auch immer wieder verwunderte. Denn zugegebener maßen; für einen fünfzehnjährigen war das was ich hier erlebte in der Tat weit weg von jeder Normalität. Doch rückwirkend betrachte kann ich sagen; „Was war an meinem Leben bis dahin schon normal?“ Und mit allem Wissen das ich bis jetzt über die Jahre angesammelt habe; was ist schon normal? Betrachtete ich also das bisher erlebte, von meinem damaligen Standpunkt aus, so fügte es sich nur nahtlos ein. Fügte sich zusammen, was zusammen gehörte. So wie es im Sommer unmöglich erscheint, das auf der blühenden Wiese einmal Schnee liegen könnte. Doch wer den großen Zusammenhang sehen kann, weiß es.

All die Jahre während meiner Kindheit stellte ich mir immer wieder die Frage, warum mir das alles geschah. Alleine schon wie ich die Bühne dieser Welt betrat. Ein Findelkind in einer Tasche. Wie Moses in seinem Weidenkorb. Nur das ich nicht in der Weser, oder im Mittellandkanal schwamm.
Diese Visionen, oder Wachträume, oder Erscheinungen. Mag man es nennen wie man will. Marcus, und ich betone es noch einmal, ausgerechnet jener Druide, der so eng mit dem Schicksal der von Alverdissens verflochten war, fand mich, denn es gab etwas zu tun. Und anscheinend sollte ich es sein, das war jetzt klar. Es hing mit den von Alverdissens zusammen. Ich war mir jetzt auch sicher, das Mutter mich bei sich aufnahm war kein Zufall. So sehr sie mich auch mochte, und auch dass wusste ich. Aber ich spürte auch, das ein Schatten auf den von Alverdissens lag. Von Anfang an verband mich trotz dem ein tiefes Gefühl der Zugehörigkeit mit dieser Familie. Und von Anfang an gab mir der Name Adono Dederich einen finsteren Beigeschmack. Ich verband mit diesem Namen immer etwas negatives. Vermutete von Anfang an, das er etwas mit diesem Ungemach der von Alverdissens zu tun hatte. So als ob er dort nicht hingehörte. Was sich bestätigen sollte. Ich wusste bis jetzt nicht warum. Aber auch das schien sich jetzt zu klären. Die Fäden liefen zusammen, die Wege kreuzten sich. Ja, so war es. Dies hier war meine Kreuzung! Die Wege kreuzten sich!
Hier, oder wo, an diesem Ort, oder wann ich auch immer gerade war, würden sich einige Dinge klären.
„Aber warum ich?“ „Ja, warum du? Aber warum auch nicht du? Du bist es eben einfach. Es ist dein Weg. “
Heute ist mir klar, das manche Wege Parallel laufen. Wie bei einem Nervengeflecht im Körper. Aber es gibt von den einzelnen Nervenästen zu den anderen, feine Verbindungen. Und je nachdem wo der Nerv beeinflusst wird, strahlt er woanders hin. So wie bei einem Geflecht verschiedener Flüsse. Immer wenn der Fluss des Wassers an einer anderen Stelle blockiert wird, gibt es an anderen Stellen Überschwemmungen, oder Dürren. Diese Beispiele hinken, denn die Lebenswege laufen auf vollkommen anderen ‚Ebenen. Sie durchkreuzen dieses äußere Leben und sind herausgenommen aus den Geschehnissen des Tages. Und bei weitem nicht alle sind für uns wahrnehmbar. Manches ist ein Wort, manches eine Geste. Manches ist der Flug eines Vogels, oder einer Wolke die den Weg vollkommen verändern kann. Sieht man hin, verändert er sich, sieht man nicht hin, auch. Wir wissen es nicht. Wir wissen nicht welches der Weg ist. Der eine! Wir wissen auch nicht ob es diesen einen Weg überhaupt gibt?
Aber eines ist mir heute gewiss. In meinen Träumen kann ich zu diesen Wegen Zugang bekommen. Das war es was mir da mals immer wieder erklärt wurde und was ich nur sehr eingeschränkt verstand. Was aber sinnlos ist, wenn man diesen Träumen dann keine Beachtung schenkt.
Lag ich doch jetzt gerade mit Mai in der Sonne auf unserer Decke und träumte. Mein Geist, auf einem vollkommen anderen Weg, war jetzt hier. Wenn man so will, war ich, sind alle die träumen, in diesen Momenten zwei mal da.
Was aber würde diese Erfahrung bedeuten, wenn mein Körper erwachte? Und würde ich jemals wieder hierherkommen können? Oder anders herum, konnte man sich in dieser Welt verlieren? Auch darauf würde ich in Kürze eine Antwort bekommen.
„Was ist mit Adono?“ fragte ich unvermittelt
„Was mit Adono ist? Wahrlich mein Junge, eine gute Frage? Er ist die Frucht, die der Liebe zwischen Marcus und Theodora entsprungen ist. Adono nahm zunächst den ihm zugedachten Platz ein. All das was in deinen Geschichtsbüchern steht. Als leiblicher Sohn von Herrmann Phillip und Theodora von Alverdissen. Keiner erfuhr zu diesem Zeitpunkt von Marcus. Doch in einem unglücklichem Moment, erfuhr Adono von seiner wirklichen Herkunft. Belauschte ein Gespräch im Kaminzimmer.“
Sofort musste ich an das Zimmer in Mutters Haus denken. Und ich stellte mir vor, wie oft ich wohl schon an genau jener Stelle selber stand, an der auch Adono Dederich seinerzeit stand als er die Wahrheit erfuhr. Und es erfasste mich ein kalter Schauer.
Als der Abt nicht weitersprach sondern nur tief durchatmete war es schließlich Mai die fragte „Was geschah?“. Ich war zu atemlos.
„Ääh ja. Nun. Kinder es gibt viele Formen von Narben. Und jede Narbe ist anders. Aber bei weitem nicht alle Narben kann man sehen. Viel schlimmer als die, die man sehen kann, sind die im Herzen, oder in der Seele, die man natürlich nicht sehen kann. Und eine solche trug Adono in diesem Moment davon. Er war so tief verletzt von diesem Verrat, das diese Verletzung etwas von seiner Seele absprengte. So kam es, das er fortan, sozusagen zwei mal existierte. Nur diese verletzte Seele lebte im verborgenen. Ein Teil von ihm war, wenn man so will verrückt, und existierte in dieser Verrücktheit weiter. Herausgelöst, neben der eigentlichen Existenz. Einen neuen, einen anderen Weg beschreitend.
All das nahm Adono so mit, dass er eines Tages hierher kam, in diesen Wald, und sich in einer kleinen Höhle selber tötete. Adono konnte mit dieser Lüge nicht mehr leben. Sein ganzes Geschlecht, seine Heirat, seine Kinder…. alles! Seine ganze Existenz, eine Lüge die ihn in den Wahnsinn trieb. Die Schuld der von Alverdissens. Und da Marcus einen Teil davon mitträgt, suchte er lange Hilfe und dann fand er endlich dich und brachte dich hierher.“
„Aber warum ich?“ fragte ich noch einmal mit Nachdruck.
„Weil du die nötige Kraft finden wirst. Du wirst es wissen, wenn es so weit ist!“

Jetzt wagte ich es nicht Marcus anzusehen.
„Adono sagte in seinem Wahn niemandem wohin er ging. Und verschloss diese Höhlenkammer wieder von innen. Da er immer noch nicht gefunden wurde, liegt er dort immer noch. Den Dolch im Herzen in vollkommener Finsternis. Doch der abgespaltene Teil seiner Seele, der verrückte, existierte weiter. Und Wandel sie müssen wieder zusammengeführt werden, müssen wieder eins werden.“
Ein bisschen verlor ich den Überblick was heute, gestern und morgen hier bedeuteten.
Und er sagte nicht – lebte weiter. Er sagte – existierte weiter. Das war also mit ihm geschehen. Er war nicht einfach verschwunden, er war gegangen.

„Du musst ihn hier finden Johannes. Dort läuft alles zusammen. Du musst ihn hier finden und befreien. Bevor er sich umbringen wird!“
Gerade redete er noch in der Vergangenheit, jetzt in der Zukunft. Was war das alles doch für ein Durcheinander.
„Aber wo ist diese Höhle?“
„Das wissen wir nicht. Du musst zurück in deine Welt. Die Höhle dort finden, den Dolch aus ihm herausziehen, hierherkommen und seine Tat in der Höhle verhindern. Dann sind alle beteiligten frei. Wenn du den Dolch hast, komm hierher bevor du irgend etwas anderes tust. Dann erkläre ich es dir. Marcus wird dich begleiteten, die helfen. Wirst du das tun?
Aber wie soll ich diese Höhle denn finden?“
„Du wirst es schaffen. Wer sonst, wenn nicht du? Wirst du es tun?
Ich sah Mai an die nur kurz nickte.
„Ja Hochwürden.“
„Sag Herr Abt, das reicht.“ antwortete er lächelnd.

Danke für die Aufmerksamkeit!

Alles Gute, Gesundheit, Frieden und Harmonie.

Luke Elljot

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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