10. Gabriel – Der Heimweg 2 © by Luke Elljot

Und noch einmal. Danke. Es wird sicher gut tun einmal nicht im Freien zu sitzen und zu leben.“

Das denke ich auch.“ antwortete ich verständnisvoll.

Die Bahn hielt an der nächsten Haltestelle und was dann einstieg ließ befürchten das es jetzt mit der Ruhe vorbei war. Eine Gruppe angetrunkener jugendliche kam herein und fing auch sofort an zu pöbeln. Sie hatten irgend etwas Hochprozentiges in Literflaschen dabei ließen die Flasche rumgehen und nahmen immer wieder ein paar Schluck daraus. Ein Mädchen mit lila roten Haaren kicherte die ganze Zeit über hysterisch. Mit ihren Militaristischen Klamotten, Springerstiefel, zerrissene Jeans, Lederjacken Pearsings und Ketten sahen sie schon beängstigend aus. Und wieder wurde ich an einen dieser Endzeitfilme erinnert. Wobei hier die Frage war ob die so aussahen wie die in den Filmen oder umgekehrt. Na ja, egal.

Jetzt jedenfalls waren sie da und alle in der Bahn befindlichen Leute zogen den Kopf ein und versuchten so unauffällig zu sein wie möglich. Bloß nicht auffallen und denen zum Opfer fallen.

Ihr lautes grobes und respektloses Auftreten taten das übrige. Alle waren sofort mehr als eingeschüchtert.

Ihr erstes Opfer war eine ältere Frau die unter grölen und Lachen bei der nächsten Gelegenheit fluchtartig ausstieg. In der Straßenbahn verfielen die anderen in eine noch größere Schockstarre. Jeder hoffte das er selbst in Ruhe gelassen würde. Es waren sechs, und sie pöbelten jeden an, an dem sie vorbeikamen. Einem älteren Herren schlugen sie den Hut vom Kopf, eine junge Frau überschütteten sie mit Bier und wollten einen Miss-Wertshirt Kontest aufziehen. Als, vermutlich ihr Freund, dazwischen gehen wollte, prügelten sie auf ihn ein. Das Mädchen schrie hysterisch sie sollten ihn in Ruhe lassen rief um Hilfe und wendete sich flehend an die sich in der in der nähe befindlichen Personen ihr zu helfen. Keiner rührte einen Finger. Ich überlegte noch was ich tun könnte da stand Gabriel schon auf und ging zu den Jugendlichen. Er sagte kein Wort, stand nur da. Es dauerte einen Moment, dann wurden sie auf ihn aufmerksam. Einer von ihnen, er schien der Anführer der Gruppe zu sein und hatte seine Haare flammend rot gefärbt, drehte sich zu Gabriel um und lallte. „Ey alter, hastn Problem oder was? Was glotzn so blöde?“ Ich war mir sicher das es gleich zu einer Tätlichkeit kommen würde, nahm schon mal Spannung auf und überlegte wieder was ich tun könnte, denn ich war kein Held und verstand mich nicht auf Schlägereien. Höchstens darauf ihnen aus dem Weg zu gehen. Als Gabriel, anstatt zurück zu weichen auf den Punker zu ging und dicht vor ihm stehen blieb, passierte dennoch immer noch nichts. Dabei sagte er kein Wort, sah den Punk nur an.

Dieser schien jetzt doch etwas unsicher zu werden. Er drehte sich zu seinen Kumpels um, die feixend hinter ihm standen. „Wasn das fürn Komiker. Ich glaube der Hippi brauch mal ein paar auf die Fresse, oder was?“ „Genau alter, n paar auf die Fresse ey, geil ey“ brüllten die anderen. Dann plötzlich wurden sie ruhig und sahen Gabriel an, der wie ein Racheengel vor dem Anführer stand und mit der rechten Hand auf ihn zeigte und sagte.

Ist das alles? Ist das alles was du kannst? Schau dich doch einmal an. Deine Mutter kommt vor Sorgen um dich fast um. Deine kleine Schwester hat panische Angst davor wenn du wieder zu Hause Bier trinkst. Du hast deine Lehrstelle verloren, deine Freundin hat dich verlassen, Schulden über Schulden. Drogen? Gewalt? Und sonst nichts? Ist das alles? Gut, dein Vater ist abgehauen, hat euch einfach sitzen gelassen, Aber ist das ein Grund andere Menschen so zu terrorisieren?“ Denk nach! DENK NACH! Ist das wirklich alles was du aus deinem Leben machen willst?“

Für einen Moment war es mucksmäuschen still und ich war wieder sicher Zeuge brutaler Gewalt zu werden. Komischer Weise hatte ich für einen Moment mehr Angst um den Punker als um Gabriel. Der angesprochene stand mit offenem Mund da, und rang ganz offensichtlich mehr um seine Fassung als alles andere. Während sich die anderen fragend ansagen, stammelte er.

Woher….. ich habe…. was soll…. Verdammt noch mal…. wer bist du eigentlich?“

Gabriel!“Antwortete dieser als ob das alles erklären würde.

In diesem Moment hielt die Straßenbahn an der nächsten Haltestelle und die Türen gingen auf.

Ach scheiß doch drauf!“ sagte der Punk. „Mir ist das zu blöd hier, kommt Jungs lasst uns abhauen.“

Damit drehte er sich auf der Stelle um und verließ schnell die Straßenbahn. Die anderen standen noch einen Moment, sich immer noch schulterzuckend ansehend da und gingen dann auch. Schnell verschwanden sie in einer Seitenstraße und waren weg. Die Türen schlossen sich wieder und die Straßenbahn fuhr weiter. Der junge Mann kam wieder auf die Beine, Bis auf eine blutende Nase schien es ihm gut zu gehen. Das Mädchen bedankte sich überschwänglich bei Gabriel. Vermied es aber ihn mehr zu berühren, als unbedingt nötig. Alle anderen sprachen durcheinander und es vielen immer wieder Bemerkungen über die verkommene Jugend von heute. Als Gabriel schließlich wieder bei mir saß war er vollkommen ruhig. Er atmete noch nicht einmal schneller.

Kanntest du den Typen?“

Ich, den kennen. Nicht direkt.Nein, warum?“ Antwortete er.

Wie nicht direkt?“

Weis nicht. Hab ihn noch nie gesehen…… Warum?“

Nur so, nicht so wichtig. Hey wir sind auch gleich da.“

Und tatsächlich waren es nur noch zwei Haltestellen bis wir aussteigen konnten. Und Ich muss ehrlich sagen war froh das ich bald wieder zu Hause zu sein würde. Das alles war doch mehr Aufregung als ich erwartet hätte. Aber ich konnte nicht anders. Ich musste ihn einfach Fragen.

Woher wusstest du das alles über diesen Kerl?“

Keine Ahnung, hab ich wohl irgendwo aufgeschnappt. Man hört viel auf der Straße.“ Antwortete er.

Das fand ich sehr unwahrscheinlich aber ich beließ es für den Moment dabei. Ich wollte nach Hause, meine Ruhe, Sicherheit. Dann würden wir weitersehen und uns noch unterhalten. Zwei Stationen weiter, die wir schweigend abwarteten, stiegen wir ebenfalls aus und machten uns in der Dunkelheit auf den restlichen Heimweg, den wir ebenfalls schweigend hinter uns brachten. Das heißt ich machte mich auf den Heimweg. Gabriel lief nur schweigend neben mir her. Ich versuchte in dem Schweigen all meine Gedanken zu sortieren und zu verstehen was eigentlich alles passiert war. Was ich alles hörte. Ich versuchte mir darüber klar zu werden wie es weitergehen sollte. Ich meine er konnte ja schlecht bei mir wohnen. Oder?

Ich spürte das da mehr war an diesem Kerl. Mehr als ich verstehen , erkennen konnte. Was es war wusste ich nicht. Aber eines war sicher. Hinter dieser schmutzigen Gestalt verbarg sich weit mehr als ich vermutete. Wie recht ich damit hatte, sollte ich bald erfahren. Doch für den Moment war ich auf eine sehr besondere Art und Weise froh, dass er da war. Wenn ich genauer darüber nachdachte freute ich mich darauf ihn näher kennen zu lernen, und beschloss in diesem Moment mich am Montag krank zu melden, um für ihn Zeit zu haben. Zum Glück war heute Freitag Ich hatte also noch zwei Tage.

Das wird sicher spannend.“ Sagte ich laut zu mir selbst.

Was wird spannend?“

Die Zukunft! Wir werden sicher ein interessantes Wochenende haben wir beide.“

Lächelnd sah er mich an. „Wenn du es sagst.“

Wir gingen noch über ein paar Hinterhöfe, die alle sehr schön angelegt und bepflanzt waren. War mal so eine Aktion. Verschönert die Innenstadt“. Ich liebte dieses Stadtviertel. Deswegen suchten wir uns damals hier auch eine Wohnung. Wir.

Leider war ich jetzt alleine. Heute aber wenigstens nicht.

Meine Wohnung lag also ebenfalls in einem neu renovierten Altbau im dritten Stock. Sie hatte zweieinhalb Zimmer, mit einer großen Wohnküche ein großes helles Bad und einer schönen Dachterrasse, von der man eine schöne Aussicht auf die Hinterhöfe dieses Stadtviertels hatte. Es war ein windgeschützter, sonniger Platz auf dem man abends auch mal ein Glas Wein trinken konnte. Zum Glück verdiente ich genug und konnte mir diese Wohnung auch weiterhin leisten. Auch wenn im Moment nicht mehr all zu viele Möbel drinnen standen. Lisa, meine Ex-Freundin nahm einige mit ihrem neuen Lover mit, als ich nicht zuhause war. Aber egal. Ich fühlte mich dort sehr wohl. Jetzt war es meine Wohnung.

Ich schloss die Haustür auf und wir gingen über das alte Treppenhaus mit der knarrenden Holztreppe, nach oben. Was wie immer erst Frau Scholen aus Parterre auf den Plan rief. Sie sagte nichts, nickte mir nur zu, sah Gabriel kopfschüttelnd an, überwachte jeden unserer Schritte.

Guten Abend Frau Gertenbrink!“ Sagte ich brav zu der nächsten Nachbarin aus dem ersten Stock, die auch schon ihre Position bezog. Immer mit verschränkten Armen, die sie wie einen Schutzschild vor sich hertrug. Die Lockenwickler im Haar, stand sie in ihrem bunten Hausfrauenkittel da. Ich zog Gabriel, der sich der alten Tratschtante schon zuwenden wollte weiter. Den ein Gespräch mit ihr blieb selten unter einer halben Stunde und war immer erfüllt mit dem allerneuesten Klatsch. Voller boshafter Andeutungen und ihren neuesten Erkrankungen. Den eigenen und denen anderer. Wobei es gar nicht schrecklich und blutig genug sein konnte. Und so weiter und so fort.

Bis morgen“ rief ich noch freundlich zu. Sehr wohl sah ich auch ihren missbilligenden Blick auf Gabriel. Sie blieb noch so lange nach oben starrend im Treppenhaus stehen, bis wir in meiner Wohnung verschwunden waren. Ihr gegenüber wohnte Herr Ovterhof. Den man nur selten sah. Dann meist beim Einkaufen. Ein Sechserpack und eine Flasche Korn und Dosensuppe.

Die Wohnung neben Frau Scholen stand dauernd leer. Warum nur?

Mit einem tiefen Atemzug schloss ich auf und verriegelte meine Haustür anschließend wieder Dann lehnte ich mich dagegen. Die Wohnung war schön, aber die Nachbarn?

Danke für die Aufmerksamkeit!

Alles Gute, Gesundheit, Frieden und Harmonie.

Luke Elljot

Advertisements

Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Glaube, Innere Haltung, Roman, Wissen und Phantasie abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s