Morgenrot 38 © by Luke Elljot

Der Abt der Druiden

Kapitel 9/3

Damals hörte ich ihm mit begrenztem Verständnis zu. Bäume mit einem solchen Gespräch zu verbinden, ja mit einem eigenen Wesen war mir in diesen jungen Jahren noch fremd. Aber es erweiterte mein Verständnis. Danach vergingen nur noch wenige Tage an denen ich nicht in anderen Pflanzen oder Tieren ähnliches sah. Stellte mir immer wieder die Frage: Was würde dieser Vogel, oder jene Blume jetzt sagen, wenn sie es könnte. Es war nicht immer inspirierend, manchmal sogar verstörend.

Schlimm, sehr schlimm war es nur einmal, als ich eine große Mähmaschine durch ein Kornfeld pflügen sah. Denn jedes Lebewesen, jede Pflanze, die uns nährt, gibt ihren Körper um uns am Leben zu erhalten. Seit dem bin ich sehr dankbar geworden.

Sinnierend sah der Abt zu den beiden Bäumen hinüber.

Wir alle sind ein Teil des Ganzen. Vielleicht sogar noch viel tiefer, als wir denken. Nicht nur das uns der gleiche schöpferische Geist verbindet. Es mag also sogar sein, das wir einmal etwas anderes waren. Ein Kristall. Ein Stein, in einem Wasser, das Wasser. Eine Maus, ein Adler und jetzt ein Mensch wer weiß? Von Beschaffenheit zu Beschaffenheit. Wie Mutter Erde. Die, nachdem sie aus der Unendlichkeit der Schöpfung kam, sich aus einem ursprünglich ungezügelten Wesen, voller großer zerstörerischen Kräfte, immer mehr verfeinerte. Schon damals waren wir Teil dieser Mutter. Nur in einer anderen Form. So wandern wir schon unendlich lange Zeit, hier durch und über diese. Jedes Wort, jede Tat, jeder Gedanke der hinzugefügt wird, erfüllt den Odem, den diese atmet und sorgt für die Erfüllung. Wir sind Teil dieses Weges. Aber vielleicht sind wir viel mehr als nur ein Teil dieses Weges, vielleicht sind wir dieser Weg. Doch manche, die das nicht erkennen, oder es nicht erkennen wollen, verirren sich gelegentlich. Was nicht weiter schlimm ist. Doch diesen verirrten muss dann geholfen werden. Und genau deswegen bist du hier.

Meister. Was bedeutet dieses Wandern? Es geht doch dabei nicht um hin und herlaufen, oder?“

Nein mein Junge, darum geht es nicht, Bei diesem Wandern, geht es um die Erfüllung unserer Seelen. Dieses Ziel gilt gilt es zu finden. So lange der Wanderer dieses Ziel im Auge behält und es beständig bedenkt und fühlt, wird ihm irgendwann eine seltsame, bis dahin nie gekannte Gelassenheit zuteil. Und dann wird sich sein Schicksal verändern. Denn dann wird er ein wahrer Wanderer. Und sein immer wieder auferstehen wird irgendwann enden. Der Schlaf, bedeutet dann ebenso nur eine kleine Rast, so wie der Tod. Dann wird der Tod zu einem endgültigen vollständig wahrgenommenen Teil des Lebens. Diese Wanderer fangen ihre Wanderung nicht an, um sie nie zu beenden. Sie werden immer wieder auferstehen, mögen sie auch noch so oft niedergestreckt werden. Von Zustand zu Zustand. Von Sein zu Sein. Immer feiner und vollkommener werdend. Zuletzt wird er ein König sein. Ein unwandelbares Licht für alle anderen Wanderer.

Darum soll der Mensch nie erlahmen. Denn eine unerledigte Aufgabe verwest und vergiftet den Willen. So wie eine unbegrabene Leiche, auf dem Boden im Wohnraum liegen gelassen, die Luft und das ganze Haus verpesten.

Ein Besucher aus dem Abendland sagte dazu einmal.“

So wie der Baum der zum Pfeiler im Tempel geworden ist, ist er nicht mehr dem Baum gleich, der im Wald steht. Doch bleibt er in seinem wahrsten Kern, immer ein Baum.

Ebenso ist es mit den wahren Wanderern. Alles was war und was ist, ist in ihnen. Was zählt ist der wahre Kern der Dinge. Der wahre Wanderer vergisst nie wer er ist, Für ihn, wenn er handelt als sei er unsterblich, geht es nicht um ein Ding das er sieht. Um dieses Ding geht es nur den geistig blinden.“

Für einige Momente schien es so, als ob er zwar mit mir, sprach, doch etwas anderes in mir ansprach.

Er sah meinen Blick und sagte. „Du wirst es irgendwann auch mit deinem Verstand verstehen. Dein Herz hat es schon jetzt verstanden.

Meister aber ich bin mir trotzdem nicht sicher ob ich all das verstehe? Und was hat all das mit mir zu tun?“ Die letzte Frage stellt ich wieder besseren Wissen. Denn die Ahnung was es bedeuten konnte, war in mir schon vorhanden. Auch wenn ich noch nicht wagte es laut zu sagen. Ich wusste ich war solch ein Wanderer. Ich sollte den anderen das Licht bringen, welches denen den Weg leuchten sollte. Unglaublich nicht war?

Du wirst es verstehen. Johannes. Aber es gibt hier etwas zu tun. Und du musst zusammen mit deiner Freundin Mai dabei helfen.“

Mai und ich sahen uns an. Die ganze Zeit über sagte sie kein Wort und auch jetzt schwieg sie bis auf drei Worte. Sie sah mich an, nickte und sagte zu mir

Ja, wir beide!“

Du wusstest davon?“ „Nicht direkt.“ sagte sie schulterzuckend.

Was können zwei Teenager denn tun, was ihr hier nicht könntet!“ sagte ich.

Zwei was?“ sagten die beiden Druiden gleichzeitig.

Zwei Kinder.“ sagt Mai.

Du hast dich mit der Geschichte der Alverdissens ja schon auseinandergesetzt nicht war?“ ich nickte stumm. „Es gibt einen der Nachfahren der Linie die von Marcus Christianus und der Urgroßmutter deiner Ziehmutter gezeugt wurde.“

Adono Dederich von Alverdissen?“ dabei sah ich Marcus überrascht an, der verlegen zu Boden blickte.

Genau jener.“ sagte der Abt. „Er ist hier, und das sollte er nicht. Er ist hier und bringt sehr viel Leid hierher.“

Aber das geht doch überhaupt nicht!“ sagte ich. „Dann müsste er doch in den Geschichtsbüchern stehen und dort steht nichts davon.Dort steht etwas ganz anderes.“ Aber in dem gleichen Moment in dem ich das sagte, wurde mir auch bewusst, das hier nicht um die Geschichtsbücher ging. Als der Abt antwortete.

Die allermeisten Ereignisse deines äußeren Lebens sind, ohne eine Spur in deinen Erinnerungen zurückzulassen, an dir vorübergegangen. Wie eine tote Landschaft, zu der keine Wege führen liegen diese Erinnerungen überall um dich herum. Was soll das denn bedeuten das es nicht in einem Buch steht? Wenn dem so wäre, wäre es dann wahrer, nur weil es irgendwer aufgeschrieben hat?“

Heute, wenn ich zurückdenke, liegen ganze Jahre meines Lebens, zusammengeschrumpft auf wenige Minuten vor mir. Auch wenn es geschehen und ich mich nicht erinnere. Ist es dann weniger geschehen? Oder ist etwas nicht geschehen von dem ich nicht weiß?

Viele Jahre später erst, als die Glut in mir langsam erlosch und die Glieder und mein Blut begannen kalt zu werden, verstand ich die Worte des Druiden. Damals, fast noch ein Kind, kostete mich alles nur ein Schulterzucken. Ich tat es damit ab, und dann war es eben so.

Danke für die Aufmerksamkeit!

Alles Gute, Gesundheit, Frieden und Harmonie.

Luke Elljot

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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