Morgenrot 37 © by Luke Elljot

Morgenrot 37

Der Abt der Druiden

Kapitel 9/2

Ich hatte keinen Durst und keinen Hunger. Aber aus Höflichkeit nahm ich mir ein Stück von dem Brot und nagte daran herum und nippte immer wieder an dem köstlichen Pfefferminztee, aus frischer Pfefferminze aus dem Wald. Mai tat es mir gleich.

Sag Bruder Marcus, wie ist es dir ergangen auf deiner Wanderschaft. Du warst in den anderen Dörfern, nicht war?“ Ja Meister. In den Gemeinden rumort es. Unfrieden macht sich Breit, und Krankheiten,“

Der Abt und Marcus sprachen dann über verschiedene „Druidische Belange.“. Es schien das sie sich lange nicht sahen. Sie sprachen darüber das es in dieser oder jener Gemeinde gut, oder weniger gut ging und woran das jeweils liegen könne. Auf einem Hof waren der Bauer und sein Gehilfe erkrankt, aber die Ernte musste eingeholt werden. Sie sprachen dann darüber das in dem einen Teil des Waldes ein besonderes Heilkraut besonders häufig wuchs und das sie sich einen Vorrat anlegen mussten. Andererseits ein anderes sehr selten zu finden war, was wiederum ein Problem bedeutete. Gaben sich gegenseitig Tipps über alle möglichen anderen Kräuter und Pilze, wo man sie fand und wie sie am besten gelagert werden könnten. Sprachen über verschiedene Naturphänomene und was sie bedeuteten. Den Flug der Vögel, die Farben des Morgen- und Abendrotes. das Moos an den Bäumen, wo und wie hoch sich der Morgentau niederschlug und und und. Dann waren zwei Familien offenbar über eine Mitgift in Streit geraten. Eine Frau erwartete ein Baby und es war schwierig. Zwei Brüder stritten um ein Erbe. Auf einem anderen Hof wurden offenbar die Rinder auf unerklärliche weise krank und so weiter. Schnell bemerkte ich, das sich die Probleme dieser Zeit, oder in meinem Traum, offensichtlich nicht von denen unterschieden, die, die Menschen auch sonst hatten.

Während sie sich unterhielten sah ich mich um. Dieser Raum war so hell, erfüllt von frischester Luft. So denkbar einfach eingerichtet und sauber. Und es roch so gut. Was mich am allermeisten erstaunte, es fanden sich keinerlei Insignien, Symbole, keine Kreuze Marienstatuen, keine in Leder gebundene Bibel die aufgeschlagen mit goldener Schrift auf einem weißen Leinentuch lag. Keine siebenarmige Kerzenleuchter oder sonst irgend etwas. Nichts von alledem. Ein Einfaches Feldbett, Einfache Regale, die mit den nötigsten Dingen für das tägliche Leben gefüllt waren. und ein Schrank.

Neben dem Bett, stand vor einem offenen Fenster aus dem man in den Wald auf eine riesengroße Buche sehen konnte, neben der eine nicht wesentlich kleinere Fichte stand, eine mit einem Strohsack gepolsterte Kniebank. Vor dieser lag auf einem kleinen Tisch, eine Kette aus einfachen Holzperlen. Auch an dieser fehlte das Kreuz, das ich von den Priestern kannte. Kein Rosenkranz also.

Aus dem Gespräch erkannte ich das Druiden weit mehr waren als nur Priester. Sie waren auch Heiler, Heiler für Mensch und Tier. Sie brachten Kinder zur Welt. Aber auch als Schlichter bei Streitigkeiten, hielten Ehen zusammen, sprachen mit den Bauern über die besten Zeiten der Ernte oder der Aussaht. Wann die Tiere gedeckt werden sollten um gesunde Kälber, Ferkel und Lämmer zu bekommen. Brachten den Menschen Zuversicht waren für sie in allen Belangen da. Und waren der Kirche ein Dorn im Auge. Kümmerten sich um alles was die Menschen in ihrer Gemeinde betraf. Hielten sie zusammen und sorgten für Ausgeglichenheit und Frieden. Ein einfaches Leben, im Dienste der Gemeinden. Sie lebten von dem was sie von den Menschen denen sie so dienten bekamen.

Der Abt folgte meinem Blick und sagte.

Johannes. Komm und lass uns aus dem Fenster blicken.“ er stand auf und wir gingen zusammen zu demselben. Es war ein herrlicher Ausblick. Diese kleine Ansiedlung befand sich auf einer Art Hochebene und man konnte noch einen Teil des Tales sehen. Aber vor allem diese beiden beeindruckenden Bäume.

Sie standen dort jetzt, in der spätsommerlichen Nachmittagssonne, deren Lichtsäulen sie wie flüssiges Gold einhüllten. Durch den Wind, der auch die umstehenden Bäume hin und herbewegte, bewegten sich auch diese Lichtsäulen hin und her. Im Hintergrund das ewige an und abschwellende Rauschen des Waldes. Überall im Wald wanderten kleine Lichtsprenkel auf dem Boden hin und her. Dabei veränderten sie dauernd ihre Form und durch die Lichtreflektionen schien es so, als ob sich auch der Wald überall zu bewegen schien. Für einen Moment war alles in diesem Wald in Bewegung. Floss ineinander über, bewegte sich und besaß keine feste Form mehr. Ein bewegtes Meer aus Formen und Farben.

Es ist die Natur die uns unseren wahren Ursprung lehrt. Wir müssen nur genau hinsehen und zuhören mein Sohn.“

Mein Sohn! Ich war in diesem Moment so unendlich tief ergriffen, das ich vollkommen unfähig war etwas zu sagen. Erst sehr viel später wurde mir bewusst, das dieser liebenswerte alte Mann, der erste Mensch war der mich mein Sohn nannte, und der kein Katholischer Priester war. Mag es auch in einem Traum gewesen sein, mag es auch ein anderer Würdenträger gewesen sein als ein Priester. Doch in diesem Moment stieg Johannes auf in den Odem. Das Namensschild, das bis jetzt alles war das ich hatte, wurde wirklich zu meinem Namen. Es war meine Taufe. Die Chronik der Welt öffnete sich, und das Goldene Licht aus dem Meer der Natur vor mir umhüllte mich und schrieb ihn in meine Seele. Morgenrot war meine Bestimmung. Jetzt war ich wirklich und unabänderlich Johannes geworden. Und ich wusste, das ich davon was ich hier, in diesem Moment sah und erlebte, Zeugnis ablegen würde.

Der Abt legte seine Hand auf meine Schulter und sagte nur. „Das ist es!“ Dabei lächelte er mich mit solch einer Herzlichkeit an, wie ich es noch nie erlebte.

Oft, wenn ich hier sitze und meditiere, sehe ich diese beiden Bäume und denke darüber nach was sie sich sagen mochten. Als Zeugnis und Parabel für das Sein der Menschen.“

Er machte einen Moment Pause und ich spürte das jetzt Mai und Marcus hinter uns standen. Keiner sagte ein Wort, und es schien auch nicht der Zeitpunkt zu sein etwas zu sagen. Vielmehr schien der Zeitpunkt zu sein zuzuhören. Ich wollte auch nichts anderes.

Was also könnten sich diese beiden sagen?“ sprach der Druidenabt weiter, Bis heute kenne ich ihn nur so. Keinen Namen.

Die Fichte, die in ihrem schlichten, wundervollen, immergrünen Kleid dasteht wie sie ist. Zeit ihres Lebens, jahrein, jahraus. Oder die Buche, die ihres, in der meisten Zeit des Jahres trägt und das in allen prallen Farben des Sommers wechselt. Doch begleitet auch von einer Zeit in der sie nackt und ohne alles dasteht.

Die Fichte könnte sich vielleicht beklagen, das sie immer und und Allezeit das gleiche einfache Kleid tragen muss. Nie ein wunderschönes, von allen bewundertes, lockendes, pralles Kleid wie die Buche.

Was aber könnte die Buche dem entgegnen?

Könnte sie Verständnis haben für die Fichte? Ja sicher. Denn sie sieht all diese Pracht auf einer vollkommen anderen Ebene. Sie könnte der Fichte entgegnen, das diese ihr wundervolles, wenn auch schlichtes Kleid, immer tragen kann und das,ohne etwas dafür zu geben. Das sie es immer tragen kann und sie kleidet. Was für ein Geschenk!

Auch die Fichte hat ihre Aufgabe. Die sie aber in ihrer Schlichtheit erfüllt.

Es sind nicht die Äußerlichkeiten, der Schmuck und Tand, all dieses Geschmeide mit dem sich so viele brüsken die uns adeln. Es ist die Einfachheit. Denn immer wenn die Buche ein neues wundervolles Kleid bekommt, wird es ihr auch wieder genommen und sie steht vollkommen nackt da. Das ist die Natur. Das ist die Schöpfung Wer etwas nehmen will, muss vorher etwas geben. Wer immer nur nimmt, wird vergehen. 

Ist das nicht etwas über das es sich nachzudenken lohnt?“

  • -Luke Elljot-

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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