Morgenrot 33 © by Luke Elljot

Kapitel 8/2

mit Mai im Extertal

Dann standen wir in der kleinen Höhle in der sich auch die Kochstelle befand. Kaum zu glauben das Menschen so einmal lebten. Still und ehrfürchtig ging Mai in dem kleinen Raum hin und her. Sah sich alles an und sagte.

Es ist beklemmend, das hier einmal Menschen gelebt haben. Menschen aus Fleisch und Blut, die hier gestanden, gekocht und miteinander gesprochen haben. Und nichts davon ist geblieben.“ Ein Schauer erfasste sie.

Genau wo wir jetzt stehen, haben auch sie gestanden! Geatmet, gehört, gesehen.“

Ja, das ist es.“

Ohne das Marcus Christianus auftauchte gingen wir wieder nach draußen.

Lass uns ein sonniges Plätzchen suchen und eine Pause machen. Ich habe Hunger und Durst.“ sagte sie. Ein kurzer Fußmarsch und wir saßen auf der Wiese an einem Südhang in der wärmenden Sonne. Eine Lichtung an einem Hang der seitlich neben den Extersteinen lag. Man konnte von hier aus auch einen Teil des Tales sehen. Zu drei Seiten standen Bäume und die freie Seite zeigte zu den Extersteinen. Erwartungsvoll sah ich Mai an.

Frühstück!“

Dann begann sie ihren Rucksack auszuräumen. Verblüffend was sie so alles hervorzauberte. Abgesehen von einer Thermoskanne mit warmen Kakao und ein paar Graubrot Stullen hatte ich nicht viel dabei. Jetzt saßen wir auf einer kleinen Decke, Tassen und Teller mit Besteck, Marmelade, Weißbrot zwei harte Eier und Salz.

Guten Appetit.“ sagte sie und wir begannen. Ich brauche sicher nicht zu sagen wie wundervoll das alles war.

Was zieht dich eigentlich immer wieder hierher? Ich meine du bist ja schon seit vielen Jahren immer wieder hier. Es ist schön hier, aber für dich doch ganz besonders schön. Warum?“

Ja, warum war das so.

Es lag damals an Walter. Er erzählte mir so viel über Druiden und so. Oft dachte ich an nichts anderes. Wollte in dieser Zeit leben. Frei und in der Natur. Es hat mich einfach interessiert und wahnsinnig fasziniert. Dann erfuhr ich von ihm von diesem Ort. Einem Ort wo sie wirklich lebten! Und ich musste hierher. Genau kann ich es nicht sagen! Ich musste einfach hierher! Ja und dann war ich hier!“

Und dann ist es passiert!“

Was passiert?“

Johannes, deine Geschichte hat sich herumgesprochen. Der Junge der einen Druiden gesehen hat! Nicht überall, aber in gewissen Kreisen schon!“

Was?“ Ich war sprachlos! Ich sprach mit einigen Kindern im Waisenhaus darüber, aber. Auch Waisenkinder haben Freunde. So ist das nun einmal. Das letztendlich der Dekan es war der meine Geschichte verbreitete, wusste ich nicht.

Und was denkst du darüber?“

Hast du ihn wirklich gesehen?“ Ich nickte stumm. Was sollte ich auch sagen.

Und er hat mit dir gesprochen?

Nicken.

Wo war das? Wo hat er mit dir gesprochen?“

Na hier.“ sagte ich und machte eine weit ausholende Bewegung zu den Wackelsteinen. „Oben, bei dem großen Stein.“

Staunend sah sie zu der Felsformation hinüber, „Echt, hier? „Was hat er denn so gesagt?“

Was er gesagt hat? Also irgendwie ist es schwer. Er hat mich nach meinem Namen gefragt.“ „Nach deinem Namen?“ „Ja. Und ihn in ein Buch eingetragen.“

Ein Buch? Was für ein Buch?!“

Na so ein Buch eben. Aus Leder und so. Hat es die Chronik der Welt genannt.“

Die Chronik der Welt? Was für eine Chronik der Welt?“

Ich weiß es auch nicht Mai. Und ich…“

Warte Johannes. Is jetzt auch egal. Ich glaube dir. Auch auch wenn es etwas ungewöhnlich ist. Aber in letzter Zeit habe ich so viel ungewöhnliches gehört. Ich glaube dir!“

Wir saßen uns im Schneidersitz im strahlenden Sonnenschein auf der Decke gegenüber. Die Geräusche des Waldes umhüllten uns. Für mich gab es in diesem Moment nichts und niemanden. Nur uns zwei. Ihre großen braunen Augen sahen mich zuversichtlich an. Sie lächelte. Und sagte noch einmal

Jedes Wort Johannes das ich über dich gehört habe und das du bestätigt hast, glaube ich! Und ich bin froh das du mein Freund bist!“

Danke Mai.“

Ich habe noch etwas.“ sagte sie fröhlich. Dann holte sie zwei kleine Kissen aus ihrem Rucksack und gab mir eins.

Ich würde sagen wir legen uns ein bisschen in die Sonne und ruhen uns aus, oder?“

Gerne.“ Gesagt getan. Also legten wir uns nebeneinander auf die Decke, legten die Kissen unter unseren Kopf, streckten uns aus und genossen die Sonne. Mitten auf der grünen Wiese. Nichts zwischen uns und der Unendlichkeit des Universums als nur blauer Himmel.

Die wärmende Sonne und die Anstrengungen des Tages taten dann ihr übriges. Schnell dösten wir nur noch so vor uns hin. Ein weiteres Juwel meines Lebens.

Johannes?“

Ich richtete mich auf. Es war Marcus Christianus. Er stand am Rand der Lichtung.

Johannes, sei gegrüßt. Du bist in kurzer Zeit weit gegangen mein Freund.“

Es war das erste mal, das er diese Formulierung benutzte. Mein Freund.

Das Träumen ist ein Kunst, die gelernt werden will. Denn das eine ist so real wie das andere. Nur weil die meisten Träume im Schlaf stattfinden, sind sie nicht weniger wichtig wie das was du im Wachen siehst. Genau so wie jetzt gerade!

Träume sind die Brücke zu einem Leben, das viel wertvoller sein kann, als das weltliche Leben. Ungenutzt verkrüppelt diese Fähigkeit des Erkennens. Du bist noch jung. Deswegen auch noch viel offener. Der Traum ist der Steg, zwischen den Welten! Du musst lernen diesen Steg zu benutzen und ihn gehen. So wie jetzt gerade.“

Marcus Christianus! Darf ich Marcus sagen?“

Gerne.“

Warum bist du hier!“ Dieses mal bekam ich fast einen Herzschlag! Es gab keinen Zweifel, ich sprach mit ihm! Und er antwortete!“

Ich drehte mich zu Mai um, die noch friedlich schlief, stand auf und ging zu dem Druiden.

Warum bist du hier?“ sagte ich. Und auch dieses mal war es wirklich ich der sprach. Es war überhaupt das erste mal das ich sprach. Ich meine ich! Dachte ich bis jetzt immer das ich durch einen andren sprach, in einer anderen Zeit. Stand ich hier und jetzt auf der Wiese und redete mit ihm. Verzeiht wenn ich dies mehrfach deutlich mache. Aber das war wirklich ungewöhnlich.

Weil du hier bist!“ antwortete er.

Aber ich verstehe das nicht. Was habe ich denn, warum ich? Weist du was das alles bedeutet?“

Es bedeutet das du für eine Weile das Schicksal derer teilen sollst, die schon lange begraben sind! Denn etwas bindet sie, das sie selber nicht lösen können!“

Dann sind sie Geister?“

Nein! So etwas gibt es nicht. Aber sie sind nicht frei. Und so lange dieses Band besteht, werden sie sich auch nie befreien können. Sie werden immer und immer wieder in den Sarg steigen müssen Selbst wenn sie in ihrem Können und Vermögen in dieser Welt alles erledigt haben.“

So etwas sagten auch Walter und Mutter.

Aber wie kann ich das tun? Wie und was soll ich lernen? Und was heißt überhaupt immer wieder in den Sarg steigen? Mann! Was bedeutet das alles!“

Du wirst es verstehen. Wahren Unterricht gibt nur das Leben, oder besser der Traum!

Träumen lernen ist der Wahrheit erste Stufe! Dort lernst du alles was du benötigst. So wie jetzt auch.“

Ich träume also.“ „Ja natürlich Johannes. Ich selber bin allerdings wirklich eher in dieser Traumwelt zuhause, als in irgend einer anderen.“

Anderen was?“ „Welt.“

Das Leben spricht mit er-leb-nissen. Menschen reden mit Worten, Träume mit leb-endigen Bildern. Nur weil der Traum aus den Geschehnissen des Tages genommen ist, ist er nicht sinnlos, wie viele glauben! Du musst nur genau hinsehen.

Das ist das was auch die großen Weisen, oder Wissenden und auch Heiligen zu allen Zeiten sagten. Sie waren, wie alle Menschen, mit ihrem wahrhaftigsten innersten Kern mit der unerschöpflichen Weisheit verbunden.“

Sie waren normale Menschen? Ich meine alle? Auch die Heiligen?“

Ja, natürlich! Was sie lediglich unterschied waren nicht nur einfach ihre Worte, oder ihre Taten. Vor allem waren es ihre lebendigen Träume! Durch ihre Träume konnten sie mit der unerschöpflichen Weisheit in Verbindung treten. Ein Weg der allen zur Verfügung steht. Der schöpferische Wille ist ein Erbteil im Menschen. Ein göttlicher Erbteil. Eine unlösbare Bindung. Eine Urkraft die den Menschen eingegeben wurde vom Anbeginn der Zeit, vom Anbeginn aller Zeiten. Eingehaucht vom göttlichen Odem. Alle wahre Kunst entspringt diesem Reich.

Diese Verbindung ist das Erbrecht des Menschen. Es ist sein Recht! Im Schlaf lösen wir uns von unserem Körper und beginnen zu wandern. Doch kommen wir immer wieder zurück. Müssen immer wieder zurückkommen. Das ist es was allen gelehrt wird. Das dieses Wandern dem Schlafe vorbehalten ist und wir über das was wir sehen und erleben keinerlei Gewalt haben. Und das ist falsch.

Was wird wandern, wenn der Körper fest verhaftet ist mit der Welt. Sich nicht lösen kann. Welche Wege will und kann er dann gehen, außer über Stock und Stein und alle möglichen anderen Hindernisse. Was wird dann geschehen?

Was wenn es für seine Füße keine Hindernisse mehr gibt?

Dann bewegt er sich im Raum der Ursachen. Einem für die Äußerungen des Willen, also der äußerlichen Welt, leeren Raum. Es ist der Raum, in dem die äußerlichen Auswirkungen entstehen. Dort wo sich alles erfüllt. Wenn in der äußerlichen Welt etwas geschehen soll, muss man etwas dafür tun. Im Raum der Ursachen, muss nichts getan werden. Nichts jedenfalls, was dem entspräche, wie es in der äußerlichen Welt geschehen müsste. Es ist ein Mysterium. Johannes! Erst das nicht tun, wirkt hier.

Durch ständiges Tun,wird die Kraft des Geistes gelähmt. Was bedeutet das sich trotz äußerlicher Veränderungen, nichts wirklich ändert.

Es ist so, als ob jemand der immer nur mit der echten Hand schreibt, es aber auch mit der linken können will, trotzdem immer weiterhin nur die Rechte benutzt. Dann wird er es nie lernen. Er kann schreiben, nur nicht mit der Linken.

Diese Menschen wandern über die Welt und jammern über Schicksal und Karma. Sie geraten zunehmend in Not und Elend. Was kein Vorrecht der in Armut lebenden ist. Sie klagen über die Ungerechtigkeit des Schicksals. Sehen überall Verschwörungen. Sagen, „Ich würde ja… wenn man mich ließe!“ Viele von ihnen suchen Trost und Halt in denen aus Asien kommenden herüber gewehten Lehren. Diese sagen, keinem könne Schaden entstehen, für den er nicht in einem früheren Leben den Keim legte. Andere legen ihr Schicksal in den unerforschten Ratschluss Gottes, neuerdings auch in der Wissenschaft. Trost indes findet keiner von ihnen. Denn sie suchen außerhalb von sich. Ihnen muss ihr inneres Licht gegeben werden dem sie folgen können.“

Das war auch in etwa das was Anton sagte.

Es ist ein innerer, geistiger Weg, aber es ist eines jedem der eigene Weg. Und du kannst ihnen dabei helfen Johannes. All das worüber ich gerade sprach, all diese Lehren liegen außerhalb. Aber es steht schon geschrieben; Gott ist euch näher als Hände und Füße! Eine übergeordnete Kraft, die uns den Weg abnimmt? Nun gut.

Die, die auf deine Hilfe warten, haben ihren Trost gefunden. Doch die Lösung liegt außerhalb ihres Vermögens. Die Kette die sie bindet, können sie nicht lösen, aber du kannst es.“

Aber wie soll ich das machen. Ich bin doch kein Heiliger, Marcus!“

Bist du dir da ganz sicher? Wer weiß was wirklich in dir steckt. Denk an dein Erbrecht! Diese unlösbare Verbindung des Menschen zur Schöpfung. Es ist dein Recht alles zu sein was nötig ist und was du sein möchtest. Ebenso wie es das Recht aller Heiligen und Weisen war. Lass dir Zeit mein Freund. Du wirst es verstehen.“

Er sah mich an und wartete. Langsam, ganz langsam sanken seine Worte in mich hinein. Alles?

Johannes? Mai sah mich fragend an. „Johannes?

-Luke Elljot-

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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