06. Gabriel – Die Begegnung © by Luke Elljot

Seine gedämpfte Stimme klang jetzt traurig zu mir

Mir Helfen!“ sagte er. „Ich weiß nicht ob mir noch zu helfen ist, oder ob du mich überhaupt verstehen würdest. Ich würde mir an deiner Stelle wahrscheinlich keinen Glauben schenken oder mich verstehen.“

Vielleicht solltest du mich auf die Probe stellen. Dann kann ich selber entscheiden was ich glaube und was nicht. Und jetzt los! Raus damit. Frei von der Leber weg! Glaube mir, es hilft einem sehr sich alles mal von der Seele zu quatschen.Das tut es wirklich.“

Als ich das sagte glaubte ich für einen Moment ein Lächeln in seinem Gesicht zusehen. Etwa so, wie die Erzieherin das kleine Kind anlächelt.

Ach ja. Der freie Wille! Auch das habe ich fast vergessen Also Wirklich? Ich soll mir alles von der Seele reden?“

Dabei betonte er das Wort Seele so eigenartig. Fast so, als ob es für Ihn eine ganz andere Bedeutung hatte.

Klar!“ Sagte ich voller Zuversicht. „Von Anfang an…. lass es raus!“

Ich bezweifele das du so viel Zeit hast.“ Antwortete er.

Dann nehme ich sie mir eben.“ konterte ich sofort und sah mich demonstrativ nach einer Sitzgelegenheit um

Und ohne an die Konsequenzen für meine Anzughose zu denken, fand ich schließlich eine kleine Mülltonne, zog sie geräuschvoll zu mir und setzte mich auf ihren Deckel. So, vollkommen positiv motiviert, sah ich ihn erwartungsvoll an. Er lächelte wieder und nickt zu mir herüber.

Du verstehst nicht. Ein Menschenleben würde nicht reichen, wenn ich von ganz Anfang an beginnen würde.Und so viel Zeit hast du nicht. Ich weiß nicht mehr wer ich bin, aber das es mich schon sehr lange gibt, das weiß ich!“

Jaaaa klar. Schon gut. Ein Menschenleben, klar. Ich verstehe.“

Vollkommen Plemmplemm. Dachte ich. Na wenigstens scheint er nicht gefährlich zu sein. Wenn auch ziemlich meschugge. Aber er schien das zu glauben was er sagte.

OK. Das macht nichts. Wenn Du möchtest kannst du es ja etwas abkürzen. Nur die wichtigen Passagen erzählen, den Rest rauslassen!“

Denn ehrlicher weise wollte ich zu Hause sein, Bevor es ganz dunkel war.

Also, denn mal los.“

Jetzt lachte er laut auf. Es war ein schönes Lachen das ich sehr gerne hörte.

Du bist ein erstaunliches Menschenkind. Sagte er in verschiedenen Variationen immer wieder. „Wirklich erstaunlich.“ Dann wurde er wieder ernst und sah mich einen sehr langen Moment eindringlich an. Und wieder hatte ich das Gefühl das er mir tief in mein innerstes sah. Und wieder fühlte ich ein Unbehagen.

Noch viele Jahre später habe immer wieder über diese ersten Momente nachgedacht. Und habe mich immer wieder gefragt warum ich solche Angst hatte mir könne jemand in meine Seele blicken. Ich fand keine befriedigende Antwort. Und als ich mich darüber mit anderen unterhielt und sie fragte wie es denn sei wenn jemand in deren Seele blicken würde war die einhellige Antwort dass es allen sehr unangenehm wäre und keiner so richtig wusste warum. Ich weiß es bis zum heutigen Tag nicht und kann daher nur Vermutungen anstellen. Es mag unter anderem damit zusammenhängen dass wir vor der möglichen Erkenntnis Angst haben unser Leben nicht so zu nutzen wie es möglich wäre. Unsere Zeit zu verschwenden, unserer Bestimmung die in unserer Seele liegt nicht zu folgen, oder das wir schlimmstenfalls gar keine Seele haben.

Doch kehren wir zu der Geschichte zurück.

Denn er stellte er mir eine bedeutende Frage.

Hast du schon einmal darüber nachgedacht warum wir alle hieher sind… Nach dem Sinn des Lebens… Warum die Menschen an Gott glauben… Er Ihnen so wichtig ist und sie trotzdem alles tun um sich so weit von ihm zu entfernen wie möglich?“

Ich zögerte einen Moment. Denn mit einer solchen Frage hätte ich hier in der Gosse nicht gerechnet. Ich war etwas perplex und musste diese Frage erst einmal verdauen.

Um ehrlich zu sein, Ja und Nein.“ sagte ich dann. „Der Sinn des Lebens, Gott. Das sind an diesem Platz in dieser Gasse schon erstaunliche Fragen. Er ist einfach in unserem Leben. Hat er doch das alles hier erschaffen, sagt die Kirche.“ Antwortete ich mit einer weit ausholenden Geste. Eigentlich auch mehr um überhaupt irgend etwas zu sagen.

Ein Teil unseres Lebens? Wie war. Einfache Worte, die eine tiefe Wahrheit beinhalten. Er ist sogar näher als Hände und Füße. Seit Menschengedenken kennen die Menschen diese Wahrheit. Und genau so lange suchen sie überall, nur in den seltensten Fällen dort. In sich! Es wurden Kriege deswegen geführt. Glaubenskriege wie sie genannt wurden. Die großen Weltreligionen verteidigen ihren Glauben eitel.

Die Menschen Hassen und töten, im Namen Gottes! Die Menschheit tut alles um von jedem anderen Lebewesen gehasst zu werden. Doch diese hassen nicht. Hass gehört den Menschen allein. Egal welche Kultur, egal welche Zeit. Mord und Totschlag begleiten die Menschen wie ein Schatten. Aber das ist nicht der Wille Gottes, den die Menschen unter welchem Namen auch immer anrufen. Und in seinem Willen handeln. So ketten sich die Menschen nur immer mehr an das Rad vom Leben und den Tod.“

Entweder war der Mann größenwahnsinnig oder genial, oder beides. Mit offenem Mund stand ich da und starrte ihn an.

Hhm. Deine Meinung über die Menschheit scheint nicht die allerbeste zu sein, so viel ist klar.“

Keineswegs. Glaube mir, ich liebe alle Menschen. Aber ich fürchte ich bin an ihnen gescheitert. Die Menschheit hat sich einfach zu weit entfernt.“

Entfernt? Wovon?“

Vom Ursprung. Der Quelle der Schöpfung. Doch ist deren Liebe unbedingt und deswegen wird es immer einen Weg zurück geben. Nur gehen muss ihn jeder für sich selbst. Aber die wenigsten sind dazu bereit! Nach all der Zeit habe ich angefangen dies als endgültig zu akzeptieren. Denn egal was der Menschheit geboten wird, welche Erkenntnisse die Menschen gewinnen, sie nutzen sie um Schrecken und Tod zu verbreiten. Das ist das Zeugnis dass die Menschheit immer wieder ablegt. Alles wird mit, Vernichtung und Blut getränkt.“

Was tränken wir mit Blut? Was für eine Bestimmung“

Es gab in all den Jahrtausenden immer wieder Wissende. Die den Menschen die Wege offenbarten wie sie Frieden und Erfüllung finden könnten.

Aber es war nie genug!“ überging er meine Frage.

Also so wie der drauf war, war es kein Wunder das er jetzt in der Gosse saß. Doch ehrlicher weise musste ich ihm auch ein Stück weit Recht geben.

– Luke Elljot –

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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