Morgenrot 31 © by Luke Elljot

Kapitel 8/0

Erinnerungen an Mai Ahnefeld

Da saßen wir in dem großen Raum unter dem riesigen Kronleuchter. Unter der ewigen Aufsicht von Aquarius. Es war einer jener zeitlosen Momente, in denen man den Staub der durch die Luft fliegt plötzlich still stehen sieht und jeder Atemzug zu einem die Realität verschlingenden Traum wird. In manchen Momenten sogar zu einem Alptraum. Aber nicht in diesem.

Im Sonnenlicht leuchteten die feinen Härchen auf Mai´s Unterarmen, die mich aufmerksam betrachtete. Eigentlich wollte ich sie ansprechen. Doch irgendwo auf dem Weg von meinem Gehirn zu meinem Mund, verloren sich die vor gefassten und auswendig gelernten Worte. Also hielt ich denselben.

Draußen klappten die Autotüren und wenig später konnten wir den klopfenden Dieselmotor von Walter´s altem Mercedes hören. Der Kies auf dem Weg knirschte hörbar, als sie wegfuhren. Dann herrschte wieder Stille. Auch wenn es wie ein Klischee klingt, aber für einige Momente hörten wir nur das laute Ticken der Standuhr.

Gerade wollte ich Mai fragen was sie davon hielt was wir hier hörten, da sagte Anton, der unbemerkt den Raum betrat.

Sie haben mit euch gesprochen?“

Mai und ich drehten uns zur Tür und sahen ihn in seiner Butlerkluft an. Jetzt nachdem Walter mir sagte wer er damals war, (denn für mich war das was Walter sagte die absolute Wahrheit. Ich wusste es!!) sah ich plötzlich Hermann, Phillip von Alverdissen vor mir. Was für mich sehr verwirrend war. Es schien, als ob jetzt zwei Personen vor mir standen. Und wer weiß wer sich dort noch alles befand (für den Geist gibt es kein Gestern oder Morgen, nur Jetzt.)

Mai, Johannes?“

Ja. Sie haben mit uns gesprochen!“ Mai sagte nichts, doch mir war klar das Anton alles wusste, weswegen ich keinerlei weitere Erklärungen gab.

Du weist also jetzt was los ist?“

Also ich denke so weit, ja!“

Hmm. Verstehe.“ Er kam zu uns herüber. Ohne sich jedoch zu setzen blieb er etwa zwei Meter vor dem Tisch stehen.

Das muss alles sehr verwirrend sein für dich?“

Ja schon, aber es geht.“

Ja, du bist wahrhaft ein besonderer junger Mann geworden. Nicht mehr all zu lange und du wirst wirklich ein Mann sein.“

Warum er das sagte wusste ich nicht.

Warum ich, brauche ich sicher nicht zu fragen oder Anton?“

Da geschah etwas sehr seltenes. Anton lächelte.

Ja, du bist ein besonderer Junger Mann. Was denkst du würde das Fräulein auf diese Frage antworten?“ „Warum nicht?“ sagte ich wie aus der Pistole geschossen

Sie sind in allem was sie sagen immer sehr mystisch.“ Das war keine Frage sondern eine Feststellung. Er meinte Walter und Mutter.

Aber es gibt etwas was dir Kraft und Vertrauen geben sollte. Denn das ist es was du vor allem brauchst! Was jeder Mensch vor allem braucht, Vertrauen!“

Und was ist es was mir Vertrauen geben soll, Anton?“

Zum einen etwas was dir im Moment nicht sehr sinnvoll erscheint, dir aber zu gegebener Zeit helfen wird.“ Da er eine Pause machte, sahen ich und Mai ihn erwartungsvoll an, das es weiterginge.

Du darfst niemals in die Sonne blicken! Denn wer in die Sonne sieht, will nichts anderes mehr. Und du sollst ja Lichter entzünden um andere zu geleiten.“ Ja, das war in der Tat wenig hilfreich im Moment. Da sickerte langsam durch, das er es als Metapher meinte. Auch wenn ich danach merkte, das es wenig hilfreich blieb.

Hast du das verstanden? Du sollst Lichter entzünden, nicht das Licht sein!“

Ach so!“ dachte ich. Das war hilfreich und beruhigte mich doch etwas. Ich verstand auch das nicht zu vollen Gänze, doch es beruhigte mich trotzdem.

Zum anderen das es Gesetze gibt die größer sind als alles andere. Gesetze nach denen sich Alles, auch die gesamte Schöpfung richten muss. Du wirst es verstehen wenn es so weit ist!“ fügte er hinzu als er meinen Blick sah.

Mai?!“ sagte ich leicht flehentlich.

Er hat recht Johannes. Meine Eltern sprechen mit mir schon seit vielen Jahren darüber. Und sie haben immer wieder zu mir gesagt, das man den Dingen ihren Lauf lassen soll, dann werden sie sich von selbst offenbaren!“

Jetzt kamen die Fragen auf mich zu. Erst geduckt zwischen dem Dickicht der anderen Gedanken in meinem Kopf, und in dem Dunst den sie verbreiteten, richteten sie sich langsam auf und wurden immer größer, immer größer. Stellte ich jedoch die eine, vergaß ich eine andere. Anfangs hatte ich damals immer das Gefühl, das ich aus jedem Gespräch mit mehr Fragen hinausging, als ich hineinging. Immer dann erinnerte ich mich an die folgenden Worte von Anton. Der sich als ein erstaunlich weiser Mann erwies.

Aber woher wisst ihr das alles?“

Ich möchte dir eine Frage stellen, Johannes.“ antwortete Anton. „Wenn ich dich jetzt fragen würde, ob du bereit wärst einen Traum voller Elend und Entsagung zu Träumen, einen Traum in dem du Schmerz und alles andere so fühlen würdest als sei er real. Und selbst wenn er Tausend Jahre dauert. Wenn ich dir diese Frage stellen würde, mit dem Versprechen verbunden das du am Ende, wenn du erwachst, alles bekommst was du dir in deinem Tiefsten Herzen ersehnst, bis in alle Ewigkeit. Was würdest du dann sagen?“

Alles?“ „Alles.“ Nachdem ich Anton lange ansah, sagte ich in das Schweigen.

Ja. Na weil es nur ein Traum ist! Es kann mir dann ja nichts passieren!“

Darum Johannes solltest du das Leben weniger wichtig nehmen und deinen Träumen mehr Gewicht schenken. Dort findest du die Antworten.

Im Leben findest du Wissen.

In deinen Träumen findest du Weisheit.

Im Schlafen siehst du Bilder und Gleichnisse die dir Hinweise geben. In den Tagträumen fällt die Weisheit in dich hinein. Diese darfst du nicht hinterfragen, nimm sie an!“ Er wartete einen Moment um zu sehen wie seine Worte bei mir ankamen.

Wenn du Zweifel hast, oder dich der Mut verlässt, und das wird geschehen! Dann erinnere dich immer an diese Worte.

Hab Vertrauen! Hab einfach Vertrauen! Denn du bist nicht allein!“

Mai legte mir die Hand auf den Unterarm und es durchlief mich ein Schaudern. Es war eine Berührung wie ich sie nie zuvor erlebte.

Es ist jetzt schon so viel Zeit vergangen Johannes. Wir warten ab und sehen was passiert.“

Genau mein Kind.“ Er nickte uns kurz zu und ging. Als Anton weg war nahm ich Mai an der Hand und ging mit ihr nach oben in den Turm. Ihre Hand zu halten war wunderschön. Aber es taten sich nicht die Himmelspforten auf und wir gingen nur die Treppe nach oben. Für den Moment hatte ich genug von Gesprächen. Ich wollte verhindern das noch jemand in den Salon kam und Rat für mich hatte. Denn anscheinend war ich umgeben von Menschen die sehr viel über mich aber ich wenig bis nichts über sie wusste.

Jene ersten Momente mit Mai oben in dem Turm gehören zu den Erinnerungen von mir, wie sie sicher jeder kennt. Erinnerungen an die man sich zwar gerne erinnert, denen aber über die Zeit das wesentliche abhanden gekommen ist. Das Gefühl. Heute bin ich ein Mann in fortgeschrittenem Alter. Und ich sage jedem; Die Bilder kann man vergessen. Aber vergesst niemals die Gefühle für sie. Denn unsere damit verbundenen Gefühle machen solche Erinnerungen erst zu etwas edlem. Ohne diese werden die wunderschönsten Edelsteine zu einfachen Kieselsteinen. Als Tropfen Herzblut das wir in uns tragen, werden diese Erinnerungen zu einem wunderschönen Kristall. Der wenn ich das Gefühl wiederfinde, sich jedes mal verflüssigt und mein Herz erwärmen kann. Ohne diese erinnere ich mich wie in einer Glaskugel an diesen Frühling in meinem Leben, als ich ein neugieriger Junge war der zum Mann reifte.

Solche Erinnerungen werden unsere Kleinode, die wir gerne immer wieder aus der tiefen Quelle unserer Vergangenheit und dem fließendem Wasser der vergangenen Jahre hervorholen.

Wenn ich sie erinnere, und sich diese kleinen Juwelen Wort für Wort durch meine schreibende fleischliche Hand aus der geistigen Welt auf dem Papier verwirklichen, wird Vergangenheit , oder Erinnerung zur Gegenwart.

Ohne dieses Gefühl sehe ich zurück und sehe nicht mich und Mai wie wir sind oder waren, mit allen Facetten und Eindrücken, sondern ich stehe vor der Glaskugel wie vor einem Schaufenster und sehe sich bewegende Figuren, wie ein Fremder durch eine unüberwindbare Distanz!

Wir verbringen dann viele Jahre damit den Fluss unserer Vergangenheit und Erinnerungen nach diesen Kostbarkeiten zu durchsieben und das Wasser nach diesen Edelsteinen wie ein Goldsucher abzusuchen.

Als wir oben waren setzten wir uns und sahen uns wieder verlegen an.

Es ist wunderschön hier.“ Sagte sie sich neugierig umsehend. „Und so still. Du bist oft hier nicht war? Und die Sterne beobachtest du auch? Toll!“

Ja das bin ich. Ich sitze dann hier oben und denke viel nach. Über mich, woher ich komme und wo ich jetzt bin. Über dich und über die Sterne.“ Der letzte Satz war mir raus gerutscht und ich erschrak. Doch als ich sie ansah lächelte Mai nur glücklich. Dann wurde sie ernst und sagte.

Deine Mutter hat dich als Baby wirklich ausgesetzt? Hat dich einfach bei fremden Leuten vor die Tür gestellt?“

>Damals gab es in den ländlichen Gegenden noch keine, oder wenige Babyklappen<

Ja. Vor die Tür von Walter und Thea.“ sagte ich knapp. Normaler weise war es mir sehr unangenehm darüber zu reden. Doch nicht bei Mai. Denn sie war mir schon jetzt vertrauter als irgend ein Mensch!

Das tut mir sehr leid.“ und ich glaubte ihr. „Es ist leicht sich über Selbstverständliches zu beschweren, wenn man alles hat.“

Ja.“ antwortete ich. „Wie Thomas aus dem Mathekurs der sich über seine Weihnachtsgeschenke beschwerte. Ich habe mit 12 überhaupt das erste mal welche bekommen!“

Das ist es was ich an dir mag. Du bist nicht so oberflächlich.“ Mai mochte mich? Mai mochte mich!“

Und?“ sagte ich noch mehr verlegen . „Was sagst du zu dem was Mutter und Walter gesagt haben?“

Johannes, ich beobachte dich jetzt schon seit du an unsere Schule gekommen bist. Damals als du vor unserem Schaufenster standst und mir beim abstauben zugesehen hast, habe ich dich auch gesehen. Und ich kann auch nur sagen das du der erstaunlichste Junge bist, den ich bis jetzt kennen gelernt habe. Du bist wirklich etwas besonderes!“

Mai Ahnefeld beobachtete mich und mochte mich? Wahnsinn!

Darf ich dich etwas fragen Mai?“ „Gerne.“

Das worüber Mutter sprach, diese Namen, diese Leute, das ist doch kein geheimer Zirkel oder so etwas ich meine mit so….. Sachen?“

Nein Johannes. Wir alle sind einfach gläubige Christen. Keine Sektierer oder Teufelsanbeter, wenn es das ist was du meinst.“ sagte sie lachend.

Nur hart und ehrlich arbeitende Menschen. Wir sehen lediglich manche Dinge etwas anders als die Katholische, oder evangelische Kirche. Verbinden neue Erkenntnisse, mit altem Wissen. Hinter allem steht nur eins. Liebe und Harmonie. Die Kirche ist unser Ort an dem wir uns versammeln und sammeln. Das haben mich meine Eltern gelehrt und das ist es auch was ich glaube. Und ich glaube an dich Johannes!“

Mein Ort ist der Wackelstein.“ Das wurde mir genau in diesem Moment bewusst als ich es sagte. „Die Wackelsteine waren sozusagen meine Kirche!

Wollen wir zusammen einmal dort hingehen? Wir treffen uns und fahren mit dem Rad. Oder vielleicht kann Anton uns dort hinbringen?“

Ja Mai, sehr gerne! Das würde ich wirklich sehr gerne machen.“

Dann können wir mal in ruhe reden und uns noch besser kennen lernen. Außerdem wäre es mal eine Abwechselung, oder?“

Jetzt stellte ich mir vor wie ich mit Mai durch die Wackelsteine wandelte und war in diesem Moment sehr glücklich.

Die Zeit würde es zeigen!

-Luke Elljot-

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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