5. Gabriel- Die Begegnung © by Luke Elljot

Als ich ihn so direkt ansprach sah er mich an. Sein langes blondes und verfilztes Haar viel in sein schmutziges Gesicht. In der Dämmerung glaubte ich, durch all den Dreck ein schimmern zu erkennen. Wie ein weißes mattes Glimmen und Wabern aus seinem Inneren. Das konnte nur meine Einbildung sein! Kein Mensch glüht von innen!

Überarbeitet,“ dachte ich. „Ich bin sicher überarbeitet“

Zu keiner Zeit jedoch hatte ich das Gefühl, das irgendwelche wirkliche Gefahr, oder auch nur eine Bedrohung von ihm ausginge!

Das einzige was nicht dreckig an ihm zu zu sein schien waren seine wunderschönen Augen. Trotz der Dämmerung, erkannte ich diese erstaunlicherweise genau. Auch sie schienen regelrecht zu leuchten. Vollkommen offene klare blaue Augen. Von einer Tiefe die wie ich sie noch nie zuvor sah. Ein anderer Ort, eine andere Gelegenheit, ich hätte mich vermutlich in ihnen verloren. Was sehr erstaunlich war…. den ich war schließlich keine Frau!

In ihrem strahlenden Blau lag eine unendlich unergründliche Trauer und eine eben solche Weisheit.Und was am erstaunlichsten war, Güte! Die erwartete ich dort am allerwenigsten. Er sah bis tief in meine Seele. Nichts schien ihm verborgen, und doch sah er durch mich hindurch. Von der Intensität des Momentes überrascht trat ich einen Schritt zurück. Es war keine Angst oder Sorge. Es war diese Vertrautheit wie ich sie noch nie zuvor empfand. Vor allem war es diese unendliche Güte in seinem Blick die mich so verblüffte. Dieser Blick der so vollkommen offen war, ohne jede Heimtücke Nie hätte ich etwas derartiges bei einem solchen, ähm Penner…?…. was auch immer, vermutet oder erwartet. Es war außerordentlich verwirrend.

Als er mir so direkt in die Augen sah, wurde aber noch etwas in mir berührt. Etwas, was noch zuvor berührt wurde. Von dem ich bis dahin nicht einmal wusste das es da war und vor allem was es sich handelte.

Es war fast so als ob mir eine Hand gereicht wurde und eine Stimme in mir sagte: Sorge dich nicht. Es ist alles da und es wartet nur darauf dir zu Diensten zu sein. Hab Vertrauen. Hab einfach Vertrauen. Sorge dich nicht.“

Ääähh! Kann ich irgendwie Helfen?“ Wiederholte ich dennoch verlegen und unsicher meine Frage.

Helfen?“ Hauchte seine Stimme mir entgegen. Sie war weich und warm.

Ich weiß es nicht. Kannst du mir helfen? Ich weiß es wirklich nicht. Ist mir noch zu helfen?“

Alles in mir schien in Bewegung zu sein und zu brummen und summen. Wie eine große Glocke die dunkel und leise klang und alles in Schwingung versetzte. Nein ich konnte ihn hier nicht so sitzen lassen.Aber was sollte ich jetzt tun? Immer noch rührte er sich nicht. Die Zeit schien still zu stehen und vielleicht tat sie das auch. Nach einer halben Ewigkeit wie mir schien beschloss ich doch noch etwas zu sagen.

Nun kommen sie schon. Schließlich kommt es nicht alle Tage vor das ein normaler Passant einem…“ ich kam ins stocken. „Äääähhhm.“ Ich und normal!

Das war ungeschickt. So sollte man eine Aufmunterung nicht beginnen.

….Penner helfen möchte.“ beendete er meinen Satz. Ich spürte wie in mir die Hitze hochstieg und ich rot wurde.

Nun, so war das doch nicht gemeint.“ versuchte ich abzuwiegeln.

Wieder sah er mich an, offen und ohne Groll.

Das mag sein, und ich glaube dir sogar. Leider ist es aber genau so wie du es sagst.“ Erwiderte er niedergeschlagen. Er fing leise an zu lachen. Aber an diesem Lachen war nichts lustiges. Langsam stand er umständlich auf und ich konnte sehen das er etwa meine Größe hatte. Er ah nach oben und sagte.

Schau mich an! Schau was aus mir geworden ist. Was ist nur aus mir geworden. Was ich früher auch immer war. Das was jetzt ist, ist nicht recht. Und ich habe es getan, ich bin die Ursache!“ Damit senkte er wieder den Blick und sah auf den Boden. „Wahrlich ich sage dir. Glaube, Güte und Liebe. Doch die Liebe ist die größte unter allen. Ich habe es fast verloren.“

Ich wusste nicht recht was ich tun oder sagen sollte und beschloss zu schweigen und abzuwarten!

Doch er setzte sich wieder die Knie umschlungen, den Rücken zur Wand.

Was war dass? Da stand ich hier in dieser dunklen Gasse und der hörte sich an wie einer der alten Propheten? In diesem Moment sah er überhaupt nicht mehr hilfsbedürftig aus. Im Gegenteil! Fast wollte ich mich schämen, wegen meiner Arroganz. Nur weil er nicht dem allgemein gültigen Standard entsprach, musste er ja nicht hilfsbedürftig sein?

Eine andere Stimme in mir sagte das ich mich mal beruhigen soll. Denn die meisten die so aussahen, waren hilfsbedürftig.

Ich sah ihn mir noch einmal etwas genauer an. Besser gesagt sein Gesicht. Versuchte zu schätzen wie alt er wohl sein mochte. Doch unter all dem Dreck war das nicht so leicht eher unmöglich. Seine Gesichtszüge waren einfach nicht gut genug zu erkennen.

Ich konnte nicht sagen wie alt er war. Aber es lag eine Aura um ihn die ihn Zeitlos erscheinen ließ. Irgendwie weise und edel! Gerade als ich so in Gedanken versunken da stand, richtete er sich plötzlich wieder auf und rief sitzen in den Schmutz und Gestank der Gasse.

Mein Gott, Vater im Himmel! Ich habe versagt. Schau mich an, schau mich an was aus mir geworden ist. Ich habe versagt. Ich habe versagt!“

Damit legte er wieder die Stirn auf die angezogenen Knie und schwieg.

Dass alles war so unwirklich!

-Luke Elljot-

Advertisements

Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Glaube, Innere Haltung, Inspiration abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s