Morgenrot 28 © by Luke Elljot

 

Morgenrot 28

Kapitel 6 /3

Welche anderen?“

Mutter sah mich nur mit einem gequältem Lächeln an, da verstand ich.

Ach, die anderen Narben! Ohhh, ja klar.“

Kopfschüttelnd sprach Mutter weiter.

Johannes du musst das verstehen. Das war in doppelter Hinsicht eine tiefgreifende Veränderung in ihrem Leben. Was vorher egal war in ihrer noch jungen Ehe, bekam jetzt grundelementare Bedeutung. Ein männlicher Erbe! All das was ihr Mann erschaffen hatte, musste weitergegeben werden. Das ist heute kaum verständlich, aber damals waren es noch andere Zeiten.

Ein Mann, in der Schlacht gestählt, verdiente den allerhöchsten Respekt. Respekt vor allem gegenüber einem solchen Mann, der durch seine Tapferkeit in der rechten Sache, aus dem Bürgertum in den Adelstand erhoben wurde! Solch ein Mann hatte keinen Fehl!

Es war für eine Frau eine von Gott gegebene Pflicht einem solchen Mann dankbar zu sein und Ihm ein Heim zu geben. Ihm Kinder zu schenken, vorzugsweise Jungen die den Namen weitertrugen. Das Erbe erhielten. Wenn dieser Erbe ausblieb, war dies immer die Schuld der Frau! Ja! Schau mich nicht so an. Damals war das eben so. Manchmal mit sehr bitteren Folgen! Was heute schlicht unmöglich wäre, war damals Normalität.

So fand sie nichts außer immer mehr Unzufriedenheit und Unglück. Ihre ganze Tragik war, das sie nichts falsch machte und dennoch alles falsch war. Großmutter heiratete sehr jung. Auch unvorstellbar in der heutigen Zeit. Als sie ihren Mann heiratete war sie 16. Ursprünglich waren es einfache Leute. Da waren solch junge Verbindungen nicht selten.

Die älteren Frauen begannen schlecht über sie zu reden. Sie wurde gemieden. Überall wurde „getuschelt.“ Sie wäre keine richtige Ehefrau – Frau. Später würde ich in ihrem Tagebuch lesen, das es genau so war.

Ich las in diesem Tagebuch sehr langsam. Denn dies zu lesen nahm mich immer sehr in Anspruch. Es war so das ich jedes mal in ihre Welt eintauchte. Ich spürte es, fühlte ihr Verzweiflung. Oft las ich wochenlang keine Zeile. Doch nach und nach las ich das es sich genau so verhielt wie Mutter sagte. Das ich es überhaupt zu ende las, lag nur an einem: Immer wieder sagte eine Stimme in mir „lies es“. Ansonsten hätte ich es gelassen.

Aber ich begann zu verstehen! Heute hätte sie auch meine Klassenkameradin sein können als sie heiratete. Nach und nach verstand ich, wie hart das Leben damals gewesen sein musste. Mich schauderte. Doch Mutter sprach jetzt weiter.

Johannes! Wir alle sind, ebenso wie Jesus, seine Kinder. Deswegen befindet sich in uns genau diese Vollkommenheit! Es ist unser von Gott gegebenes Erbe! Wir sind ebenso ganz,vollkommen ,mächtig, liebevoll, harmonisch, wie die Quelle unseres Seins. In uns ist Dankbarkeit und Glück. Alles ist in uns. Wir müssen es nur finden! Sie war eben einfach zu jung um das zu verstehen. Schon der alte Abt der Druiden nahm sie unter seine Obhut. Redete mit ihr. Doch ihre Not war so groß und sie war noch so jung. Und früher wussten die Jungen nicht so viel wie heute.

Die Wahrheit ist, das unser Sein der gleichen Quelle entspringt wie die große Schöpfung. Bevor wir diese Welt betreten, sind wir Teil des Großen und Ganzen und wenn wir sie wieder verlassen werden wir wieder Teil dieses sein. So lange, bis wir diese Welt nicht mehr betreten müssen.“

Mutter? Wann müssen wir denn diese Welt irgendwann nicht mehr betreten wie du es sagst?“

In vielen Gesprächen war ich mit diesen Gedanken Mutters vertraut. Doch diese Frage blieb.

Alles ist eine Variation der großen einen Wahrheit und durchläuft verschiedene Stadien. Und irgendwann ist alles gesagt und getan. Irgendwann war ein Stein, ein Stein. Ein Baum ein Baum und ein Morgenrot ein Morgenrot.“ dabei Lächelte sie mich an. „ Und so weiter und so fort. Und doch. Ein Teil von uns wird immer da sein. Irgendwo in Raum und Zeit.“

Das verstand ich. Wenn es nichts mehr zu sagen gab und nichts mehr zu tun.

Bis heute ist es mir ein Rätsel wie ich das in so jungen Jahren verstehen konnte, aber ich verstand es. Oder besser gesagt ich hatte nur noch eine Frage!

Woher weist du das alles Mutter?“

Woher weist du, das du Morgenrot bist?“ Das verstand ich noch besser! Sehr sogar.

Mutter und ich sprachen schon vor einiger Zeit darüber warum mich alle Morgenrot nannten. Nun, ich habe es ihr erklärt und sie hat es verstanden. Allerdings war ich jetzt ein von Alverdissen. Doch Morgenrot sollte ich behalten. Manchmal, wenn wir alleine waren und sie ernst mit mir sprach nannte sie mich sogar Morgenrot.

In meine Urkunden ließ sie auch Johannes, Morgenrot – von Alverdissen eintragen.

Wir sind immer und werden immer sein, das ist unsere Bestimmung. Denn wir sind ein Teil dieses Großen und Ganzen, müssen unsere Aspekte hinzufügen. Also muss auch ein Teil von uns Groß und Ganz sein, muss also vollkommen sein. Was soll man da noch in der Welt suchen, wenn doch alles in uns ist? Auch Großmutter kannte diese Gedanken, sprach oft mit dem Druiden-Abt von dem sie lernte, und suchte in ihrer Verzweiflung Rat bei ihm. Denn zu einem dieser Pfaffen wollte sie zunächst nicht gehen mit solch einem Anliegen. Außerdem war die Kirche natürlich ganz auf der Seite ihres Mannes.

Er versuchte ihr zu helfen, doch Großmutter verstand ihn nicht. Verstehst du das Johannes?“

Ja, zu meiner eigenen immer größer werdenden Überraschung verstand ich. Nicht in voller Gänze. War ich doch erst 15, aber ich verstand das Grundlegende. Und ich war vor allem sehr überrascht . Denn das Mutter nach allem so offen reden würde, hätte ich nicht erwartet.

Er versuchte ihr zu helfen. braute ihr Heiltränke, die sie ihrem Mann heimlich einflösste . Doch alles half nichts. Wie sollte es auch. Damals war die Medizin noch nicht so weit. Dann geschah das unfassbare. Sie verliebte sich. Eine junge hübsche Frau, gefangen in den Konventionen des Mittelalterlichen Adels, und den Katholischen Dogmen mit einem zeugungsunfähigem Mann, einem von Ehrgeiz zerfressenen Mann, verliebte sich neu. Natürlich bekam sie von allen die Schuld an der Kinderlosigkeit zugewiesen. In ihrer großen Not traf sie einen verständnisvollen anderen, ebenso jungen Mann wie sie es war. Ebenfalls ein Druide Und man erzählt sich das Marcus Christianus ein durchaus attraktiver Mann gewesen sein soll. Außerdem lebten die Druiden nicht nach dem Zölibat wie die katholischen Priester. Und so verliebten sie sich ineinander.

Als ich sie diesen Namen sagen hörte, zog sich in mir alles zusammen.

Ich fühlte das Mutter gerade noch mehr erzählen wollte. Etwas das ihr sehr auf dem Herzen lag, da klingelte das Telefon.

Während Mutter die Geschichte Katharosa Theodora´s erzählte, sah ich schon ein Burgfräulein in nebeligen Herbsttagen heimlich zu dem Druiden im Wald gehen. Sah wie sich die zarten ersten Banden einer vollkommen unmöglichen Liebe bildeten. Ich wollte noch mehr dieser Geschichte hören! Wollte noch mehr von Marcus Christianus wissen. Auch wenn ich nicht wusste was mich in dieser Geschichte noch alles erwartete. Ich würde dieses Tagebuch unbedingt zu Ende lesen! Aber wieso hatte Mutter die gleichen Gedanken wie der Druiden-Abt?

Sie ging in ihr Büro und als sie nach einer Weile nicht zurückkam, beschloss ich in den Garten zu gehen. Ich musste raus. Diese Bilder die in mir entstanden, bewegten mich innerlich so sehr, das ich mich auch körperlich bewegen wollte. Ebenso wie nach meinem Tagtraum mit Marcus Christianus. Ich ging nach hinten durch die Werkstatt hinaus und musste dazu an dem Bild des Alten vor dem Sonnenuntergang vorbei. Und als ich aus Gewohnheit, im vorbeigehen, einen kurzen Blick darauf warf, blieb mir fast das Herz stehen. Denn plötzlich konnte man im Hintergrund die kleine Gestalt eines weißen Druiden sehen der den Arm zum Gruß erhob.

Immer wieder betrachtete ich dieses Bild, aber nie war mir dieser dort aufgefallen. Ich blieb stehen und ging die zwei Schritte zu dem Bild zurück, Doch dort war nichts, was nicht auch schon vorher dort gewesen wäre. Meine überschäumende Fantasie spielte mir wohl wirklich einen Streich. Da war absolut nichts. Niemand zu sehen. Trotz eingehender Untersuchung, änderte sich nichts an den Tatsachen.

Ich schüttelte den Kopf und ging in den Garten, wo ich einige Zeit Gedankenschwer verbrachte. Begann zu verstehen was sich aus dieser Konstellation schließen ließ. Erst in diesem Moment verstand ich wirklich was diese Verbindung bedeutete. Erst jetzt verstand ich die ganzen Hinweise. War es wirklich möglich? War das was Herr Woitzek erzählte nicht nur die verwirrten Gedanken eines gequälten alten Mannes, wie ich es in meinem Kindlichen Gemüt zunächst annahm. Oder waren es die Gedanken eines Mannes der aus dem Grauen tief-währender Dissonanzen seine Gedanken schöpfte. Der vor der grellen Nacktheit seiner schrecklichen Erinnerungen wohl einen Teil seines Verstandes verlor. Aber war es dennoch war?

Die Alverdissen ein etwa dreihundert Jahre altes Adelsgeschlecht das aus einer unehelichen Verbindung zu einem Druiden entstand? Das war es womit ich mich beschäftigte, als Anne mich rief.

Walter und Mutter warteten im Salon auf mich.

Hallo Johannes.“ sagte er. Es sollte wie zufällig und ganz zwanglos wirken, doch ich bekam einen ganz anderen Eindruck. Es war keinesfalls zwanglos und zufällig. Was es war, wusste ich nicht, sollte es aber in Kürze erfahren.

Johannes mein Sohn. Setz dich und lass uns reden sagte Mutter. „Wir beide möchten mit dir über Marcus Christianus reden.“

-Luke Elljot-

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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