4.Gabriel- Die Begegnung © by Luke Elljot

Es war also ein warmer Frühlingstag und die Vögel sangen ihr wundervolles altes früh abendliches Lied. Es wehte ein lauwarmer Wind und spielte mit den Blättern in den Bäumen. Der Papiermüll flog durch die Straßen. Fast wäre es eine Idylle. Wenn man dazu von den in einer Innenstadt üblichen Abgasen etc. einmal absah. Aber als Stadtmensch muss man sich ja schon mit den geringeren Naturfreuden zufrieden geben.

Ich blieb stehen, und wurde natürlich ein paar mal angerempelt. Stellte ich doch ein unnötiges Hindernis dar, was beseitigt werden musste und wurde deswegen auch angemosert. „Haste nix zu tun man? Mach dich weg!. Trotzdem sah ich mir alles in Ruhe an. Holte tief Luft und atmete ein paar mal durch.

Komisch.“ dachte ich.

Diese Idylle ist mir noch nie aufgefallen! Sonst haste ich wie alle anderen durch die Straßen und bin froh wenn ich wieder zu Hause zu bin.“

Eigentlich zum ersten Mal wurden mir diese Einzelheiten bewusst. Das junge Grün der Blätter, die ersten Blumenknospen auf den Wiesen. Die Junge Frau die sich geschickt durch die Massen schlängelte, der geschäftige Geschäftsmann, die alte Frau die etwas verloren aussah. Ich beobachtete nicht nur, sondern stellte mir jedes mal die Frage, was für eine Geschichte diese Menschen zu erzählen hätten.

Ein kurzer Blick auf den großen Antreiber, meine Uhr, zeigte, ich war spät dran und es dämmerte auch schon langsam. Überall ging die Straßenbeleuchtungen an. Wieder einmal machte ich Überstunden, die sie mir höchstwahrscheinlich auch wieder nicht bezahlen würden. Warum ich allerdings immer so sehr nach Haus hastete wusste ich nicht. Wieso eigentlich spät dran?

Denn es erwartete mich ja keiner. Meine Freundin war schon vor einiger Zeit aus der kleinen Wohnung im dritten Stock ausgezogen. Und somit auch die gepflegte Sauberkeit dort. Wegräumen ist eben nicht meine Stärke.

Gut! Mein Fernseher wartete auf mich. Ins Internet ging ich nur selten. Eine kalte virtuelle Welt. Das interessierte mich nicht. Wenn, nur beruflich.

Langsam schlenderte ich jetzt wieder weiter, als ich an einer im Zwielicht liegenden leeren Gasse vorbei kam die mich magisch anzog. Ich blickte hinein, sah dort im Dämmerlicht eine abgerissen Gestalt an der Wand hocken. Warum weiß ich nicht, aber ich blieb dort stehen. Einem inneren Antrieb folgend, dem ich einfach nicht widerstehen konnte. Nur um die Gestalt dort näher zu betrachten. Schließlich sieht man so etwas in der Großstadt häufiger. Überall trifft man Menschen, denen the big way nicht gelungen ist. Die aus den unterschiedlichsten Gründen gescheitert sind. Meist haben sie sogar sehr gute Gründe. All zu oft sind sie selbst natürlich nie daran schuld. Aber wer will das letztendlich schon beurteilen. Ich kann es nicht. Gerne helfe ich diesen Menschen, aber nie habe ich geahnt wem ich dort in dieser schmutzigen, stinkenden Sackgasse gegenüber stand. Es roch nach Urin und Abfall. Überall lag Dreck und Unrat. Dies war kein Ort an dem man sich freiwillig und schon gar nicht gerne aufhalten wollte. In dem Moment als ich diese Gasse betrat, war die hektische Welt da draußen weg. Ich war mit dieser Gestalt allein. Selbst die Geräusche drangen nur noch gedämpft zu mir.

Die einzige Lampe in nächster Näher war kaputt und flackerte nur ab und zu kurz auf. Was dieses ganze Szenario noch unwirklicher machte.

Durch die hohen Häuserwände herrschte hier ein noch tieferes Dämmerlicht als draußen auf der Straße. Behaglich war mir hier nicht und daher betrat ich diesen Ort auch nur langsam, mich immer wieder umschauend. Denn ich wollte keine böse Überraschung erleben. Fensterlose hohe Wände und huschendes kleines Getier (Ratten) gaben diesem Szenarium, sozusagen, den letzten Schliff. Unwillkürlich wurde ich an einen dieser Endzeitfilme erinnert. Einen dieser Filme in denen alles finster und grau und irgendwie bedrohlich wirkte. Mir war bis dahin noch nie in den Sinn gekommen dass es heutzutage häufig schon genauso wie in diesen Filmen aussah in unseren Großstädten. Und nicht nur das, auch die Menschen benahmen sich schon in vielen Bereichen genau so! Immer mehr Gewalt und immer weniger Mitgefühl. Gleichgültigkeit überall.

Langsam begannen meine Augen sich an diese Lichtverhältnisse zu gewöhnen und ich konnte die Gestalt die dort hockte besser erkennen. Nicht zum letzten mal an diesem Tag stellte ich mir die Frage.

Was zum Teufel mache ich hier?“

Der hat damit nichts zu tun.“

Was?“

Hast du was gesagt?“ sagte ich und starrte die Gestalt vor mir an, doch diese zeigte keinerlei Reaktion. Aber ich hörte doch eindeutig eine Stimme. Unsicher sah ich mich wieder um, um zu sehen ob hier nicht doch noch jemand anderes war.

Hallo? Ist da jemand?“ Keine Antwort.

Wieder stellte ich mir die Frage warum ich nicht einfach weiterging, Was zum Henker wollte ich hier? Aber aus irgendeinem Grund konnte ich nicht weitergehen. Ich musste wissen wer das war der dort saß. Es war ein innerer Zwang der mich veranlasste diese Gestalt vor mir genauer zu betrachten. Herauszufinden ob es ein Mann war, oder eine Frau. Wie alt dieser Mensch war und welche Geschichte er zu erzählen konnte. Was ihn in diese Gasse trieb Ich wollte nicht weitergehen. So weit es bei diesen Lichtverhältnissen möglich war, musterte ich die Gestalt nun wieder.

In der Düsternis konnte ich nur ein bleiches Gesicht erkennen in dem die Augen wie zwei Kohlestücke ruhten. So weit ich es erkannte war der der Körper dieser Gestalt ausgemergelt. Es war offensichtlich ein Mann! Seine Kleidung, ebenso wie das Umfeld, verschmutzt. Sie erinnerte mich an die der Jediritter aus Starwars. Welche Farbe diese einmal hatte, war nicht mehr zu sagen. Er saß, wie gesagt, auf dem Fußboden, die Beine angezogen und die Arme umschlungen diese an den Knien. Sein Rücken lehnte an der Wand von der der Putz bröckelte, Nachdem er kurz aufschaute, legte er jetzt die Stirn wieder auf seine Knie. Erst jetzt viel mir auf, dass er keine Schuhe trug. Seine Füße waren schmutzig und zerschunden. Ihm musste doch kalt sein?

Kann ich Ihnen irgendwie helfen?“

Luke Elljot

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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6 Antworten zu 4.Gabriel- Die Begegnung © by Luke Elljot

  1. die_zuzaly schreibt:

    servus Dir …
    ich habe leider die vorherigen 3.Beiträge zu dieser Geschichte nicht gelesen – werde es nachholen
    … es stimmte mich nachdenklich … denn es lief regelrecht ein Film in meinem Kopf ab …
    wir begreifen oft unsere spontanen Entschlüsse nicht sofort… es zu tun … oder es zu lassen …
    er ist schwer zu begreifen – inwiefern dieses Schicksal dieses Mannes im erbärmlichen Verloddern endete …

    wünsche dir ein angenehmes – sonniges Wochenende
    liebe grüße aus Polen — die _zuzaly
    namaste
    Seerosen vonClaude Monet

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  2. Alice Wunder schreibt:

    Ja, sehr lebendig die Atmosphäre aufgebaut. Den Abscheu gegen das Stadtleben kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Aber da bin ich wohl ziemlich alleine mit.

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    • Nein Abscheu ist nicht richtig. Es ist auch nicht die Stadt an sich die so beklemmend macht. Meist sind es die Menschen die dort leben und die Städte dazu machen. Aber wir kommen nun einmal nicht aus Städten. Wir kommen aus Wäldern, Sümpfen, Bergen, Steppen aus der Natur und das sollte man nicht vergessen. Ich mag Städte auch, aber ich lebe lieber auf dem Land. Hab beides ausprobiert. 🙂 Danke für Deine freundliche Kritik.

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      • Alice Wunder schreibt:

        Ist ja keine Kritik. Nur meine Endrücke. Ich denke, die Menschen sind überall gleich. Auf dem Land, mit Abstand zueinander, können sie ihre Häßlichkeiten besser verstecken. Voreinander und vor sich selbst. Die Stadt ist da ehrlicher. Und wo wir nun alle herkommen, das hat mir noch keiner so sicher erklären können. Die Bibel bleibt schwammig. Und die Wissenschaft ist nun auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Ich selber empfinde das Sein in richtig großen Städten, so 5 Millionen aufwärts, sehr harmonisch und beruhigend.

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      • Deswegen habe ich ja auch freundliche Kritik gesagt. Ich finde Kritik immer gut! Solange sie sachlich ist. Ob positiv oder negativ.
        Einen schönen abend!

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