Morgenrot 26 © by Luke Elljot

Kapitel 6./1

Marcus Christianus

Marcus Christianus war wieder da!

Meine Freude überwog zunächst meine Verwunderung. Der Tagtraum gerade war so sehr real! Doch worüber wollte oder sollte ich mich denn noch wundern? Jetzt jedenfalls musste ich mich bewegen, einfach bewegen. Ich war so voller Gefühle, ich musste mich bewegen. Was war das für ein Ort an dem ich gerade war. War das die Ewigkeit in der er wartete um zu mir zu sprechen? Ging man im Traum an einen solchen Ort? Ein Ort zwischen jetzt und der Unendlichkeit? Ich wusste es nicht und ich weiß es immer noch nicht!

Heute weiß ich nur eins.; Wer in der Unendlichkeit die Ewigkeit sucht und nicht das Ende, für den ist beides das gleiche. War ich ein Wanderer zwischen den Zeiten und Welten? War das, dass Licht von dem der Schustergeselle sprach? Bedeutete das alles, das ich das Schicksal lebendig begrabener teilen sollte um ihre Kraft zu befreien? Ich weiß es nicht. Und das war auch nicht das was mich damals bewegte.

Marcus Christianus war wieder da! Und im Moment zählte für mich nur das. Er würde mir helfen in dieses Dunkel Licht zu bringen.

Licht!?

Während ich damals so hin und her lief, stellte ich mir nur die Frage warum. Warum jetzt! So wie, auf dem Bergrücken! Oder sollte ich wieder etwas ganz bestimmtes tun?

Ich entschloss mich nach unten zu gehen. Ich musste mich bewegen, atmen. Anne war schon fertig und alles wieder ordentlich, als ich in den Salon kam. Auf dem Weg nach unten, als ich mich umsah, sah ich alles wie durch eine Lupe. Die Maserung auf der Marmortreppe und dem Geländer. Die Holzrahmen und die alte Farbe auf diesen. Selbst die Pinselstriche auf den Ölgemälden. Eine Fliege an der Wand und das Muster der Tapete. Oder die Blume in der Vase die auf dem kleinen Tisch der auf dem mittleren Treppenabsatz stand. Alles schien irgendwie hervorzustechen, besonders zu strahlen. Dann betrat ich den Salon. Ich war im Salon selten allein. Die allermeiste Zeit hielt sich Mutter in diesem auf. Doch wenn nicht, kam ich gerne her genau um alleine zu sein. Schlich im stillen, manchmal auch abends im dunkeln, wenn dann alles irgendwie anders aussah, hierher und atmete, sah, horchte. Dieser große hohe Raum, mit dem großen Kronleuchter und dem riesigen Kamin. Dieses gewaltige Aquariusbild. Hier konnte ich zur Ruhe kommen. Wenn ich etwas benennen sollte was dem Begriff Geborgenheit am nächsten kam, hätte ich damals diesen Raum genannt. Vor meinem Zimmer oder irgendeinem anderen Ort! Hier fühlte ich mich geborgen!

Erst heute viel mir auf, das entgegen der sonstigen Gewohnheit anderer, kein Portrait eines Ahnen hier hing. Nicht hier und nicht im ganzen Haus, Bis auf eine Ausnahme, die aber keinem der normalen Portraits glich. Bei den anderen Adeligen bei denen wir schon zu Besuch waren hingegen, hingen diese überall herum. Irgendwelche Bilder, zu allermeist Männer, mit gewaltigen Bärten in wichtiger stolzer Pose. Vor einem gewaltigen Hintergrund, zum Beispiel einer Schlacht, oder einem Schloß, in ihrer jeweiligen Galauniform oder sogar in Rüstungen. Frauen in schönen Kleidern, mit aufwendigen Frisuren. Als ich Mutter dahingehend ansprach warum das so war sagte sie das die meisten Bilder gestellt waren, die Gesichter und die Figur geschönt, die Hintergründe erfunden und auch die Uniformen oder Kleidung oft verbessert. „Alles Lüge!“ sagte sie.

Hier im Haus hing natürlich der Aquarius, ansonsten nur Stilleben, oder Landschaftsgemälde.

Nur ein Bild zeigte ein Gesicht. Es handelte sich um einen alten bärtigen Mann, der in Denker -Pose vor dem großen zweiflügeligen Fenster saß, welches im Salon auf der Seite zum Park zeigte. Hinter ihm durch das Fenster scheinend, der in seinem Farbenspiel wohl beeindruckendste Sonnenuntergang den ich bis zum heutigen Tag je sah. Mutter meinte es sei der Bruder eines ihrer Urgroßväter. Warum er gezeichnet wurde und wie alt genau es war wusste sie nicht. Doch sie fand es auf dem Dachboden, und so schön, das sie es aufhängen ließ. Es hing neben der Tür zu dem Flur der an der Küche vorbei zu Werkstatt führte.

Auch dieses Bild zog mich immer magisch an, denn aus irgendeinem völlig verworrenen Grund hoffte ich einen Hinweis auf diesem zu finden. Vielleicht weil es wohl möglich das einzige aus der Zeit war die mich interessierte. Ein Bild das hier in diesem Haus gefertigt wurde. Jedes mal wenn ich an ihm vorbei ging, sah ich mir jedes Detail genau an. Hoffte etwas übersehen zu haben. Aber ich fand natürlich nichts. Die Mauer die das Grundstück umgab war schon da. Doch das Eiserne Tor fehlte und die Bäume waren auch viel kleiner.

Anne werkelte in der Küche. Doch ich wollte mit niemandem sprechen und blieb in dem Salon.

Warum verstehen sie nicht, das wir nur leben um die Vollendung unserer Seelen willen.“

Ob alle15 jährige sich mit solchen Gedanken beschäftigten wusste ich nicht. Über so etwas sprach ich mit denen nicht.

Ich stand vor dem Bild des Aquarius und mir schoss dieser Gedanke durch den Kopf.

Als Mutter nach Hause kam und plötzlich in der Tür stand.

Hallo mein Kind.“ sagte sie. „Ein beeindruckendes Bild, eines beeindruckenden Künstlers. Einer der diesen Namen, Künstler, verdient. Ein Künstler der in seinem Geist dem magischen den Vorrang gab gegenüber dem realistischen.“ Als ich mich umdrehte ließ ich meine Augen durch den Salon streifen. Sah in meiner Fantasie für einen kurzen Moment Generationen von Alverdissens hier sitzen und stehen.

Guten Tag Mutter. Wohnen unsere Vorfahren schon immer hier in diesem Haus?“ fragte ich und erschrak im selben Moment vor meiner eigenen Frage. Denn auf diesen Gedanken war ich bis jetzt noch nie gekommen.

Ja! Die von Alverdissen´s wohnen schon immer hier, in diesem Haus. Es ist unser Stammsitz. Was ist los mein Junge?“

Mutter, ich habe nicht darüber gesprochen.“ So schien es, das jetzt der Moment gekommen war. „Ich habe über die Alverdissens viel gehört. Im Druidental. Vor allem über eine.“ so nannte ich das Tal immer. Mutter verstand genau.

Von dem Schustergesellen?“ Stumm und verlegen nickte ich.Den Blick aber immer aufrecht.

Dieser wirre, verstörte Mann hat also mit dir gesprochen. Nun gut.“ Mutter ging zu ihrem Sessel und klingelte bevor sie sich setzte nach Anne. „Komm und setz dich.“ sagte sie entspannter als ich es erwartete. Sie trug eines ihrer leichten Sommerkostüme und schien vom Einkaufen zu kommen. Mutter ließ es sich nicht nehmen, einige Einkäufe selber zu erledigen. Vor allem bei gutem Wetter ging sie gerne in die Stadt. Erleichtert über ihre Reaktion setzte ich mich und wartete. Nachdem Anne ihr den Tee und mir etwas süßen Sprudel brachte waren wir wieder alleine.

Und Johannes? Wie war den dein Geburtstag bis jetzt?“

Einfach super Mutter.“

Geschenke machten wir uns in all den Jahren keine. Ich wollte nichts, da ich alles schon geschenkt bekam was ich mir wünschte. Ein Zuhause und eine Familie.

Mutter wollte nichts da sie alles schon besaß. Daran hielten wir uns all die Jahre.

Bis auf ein paar Kleinigkeiten schenkten mir auch die anderen nichts. Aber das war ja auch nicht nötig.

Nun? Was wird denn erzählt?“

Na diese Geschichte mit der adeligen und dem Druiden.“ sagte ich. „Das war doch eine unserer Ahnen, oder?“

Das unserer kam mir wie von selbst über die Lippen.

Ja, das war eine der Ahnen.“ sagte sie und atmete laut ein und aus

Du warst heute wieder in dem Tal?“

Wieder nickte ich stumm. Dann erzählte Anton ihr doch nicht alles.

Ich kenne deine Geschichte Johannes. Der Dekan hat sie mir erzählt. Auch die von deiner, nennen wir es Begegnung dort.“

Bitte entschuldige. Ich wollte nicht respektlos sein.“

Johannes, es ist gut. Dein junges Blut muss viele Fragen stellen. Das steht dir zu!“ fast klang sie dabei fröhlich als das sagte. „Hast du denn dort alles gefunden was du suchtest?“

Ich verstehe nicht Mutter.“ „Na ihn!“ „Ihn?“ „Johannes, bitte.“ Natürlich, sie kannte IHN natürlich.

Nein. Ich habe dort heute nichts gefunden.“Das heute nichts überhörte sie geflissentlich.

-Luke Elljot-

 

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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