Morgenrot 23 © by Luke Elljot

Kapitel 5. / 5

Herr Woitzek der Schustergeselle.

Um nicht doch noch zu stolpern ging ich die restlichen Stufen betont langsam. Unten am Fuß der Treppe angekommen, konnte ich die Stimmen von Mutter und meinen Freunden aus dem Salon hören. Ich blieb einen Moment stehen. Nicht um zu lauschen, sondern weil das alles so verwirrend für mich war. Dann setzte ich mich auf die unterste Stufe und hörte weiter die Stimmen aus dem Salon, ohne ihre Worte wahrzunehmen. Ich war das Kind das sich am Klang der Stimmen erfreut, weil sie da waren. Eines bemerkte ich aber schnell. Sie kannten sich schon. Denn ihr Gespräch hatte eine große Tiefe und Vertrautheit. Einen Satz von Walter vergesse ich nicht mehr.

Wir leben nur um der Vollendung unserer Seelen willen, und wir müssen dieses Ziel unverrückbar in uns verankern. Dann wird uns eine nie gekannte Gelassenheit zuteil. Einer Gelassenheit die uns durch alle Stürme und Schwierigkeiten trägt. Unserem Ziel entgegen. So wirst auch du dein Ziel erreichen.“

Mutter antwortete.

Ja Walter. Wie immer findest du die angemessenen Worte.“ Sie kannten sich!

Zugegebenermaßen war ich damals noch sehr jung. Aber mein Leben lang sah ich Walter und Thea nur bei ihnen Zuhause, an ihrem Tagungsort. Ich kannte es nicht anders. Das war meine Welt. Ihre Welt kannte ich nicht.

Besuche im Heim waren nur von Verwandten erlaubt, nicht von Freunden oder Bekannten. Die wenigsten von uns besaßen aber irgendwelche Verwandte. Daher fanden jedwede Besuche dieser Art eher selten statt. Deswegen musste ich immer erst den ganzen langen Weg bei Wind und Wetter, vom Heim zu ihnen laufen. Auf dem Hinweg meist bergan. Immer in dem Bewusstsein es gegen den Willen der Katholischen Brüder in dem Heim zu machen. Oft kam ich mir vor wie ein Verbrecher. Denn um unnötigen Diskussionen und spöttischen Bemerkungen aus dem Weg zu gehen, log ich meist wohin ich wollte. Ich musste ja auch immer damit rechnen das sie es mir verboten. Walter und Thea waren so etwas wie meine Insel. War ich bei ihnen, wollte niemand etwas von mir. Immer empfingen sie mich freundlich und mit warmen Worten der Zuneigung die ich damals so bitter nötig hatte.

Und nun waren sie hier. In meinem neuen Zuhause. Nun waren sie hier bei mir zu Besuch. Wie ich da so starr vor Aufregung saß, hatte ich das sichere Gefühl, das ein erster Teil meiner Wanderung beendet war. Das jetzt ein neuer Abschnitt meiner Lebenswanderung begann. Die Zeiten des einsamen Waisenjungen waren vorbei, Ein Waisenjunge blieb ich immer. Aber ich war nicht mehr allein und einsam. Würde es nie wieder sein. In einem Moment hatte das Leben, die alte Welt, das alte Leben verschluckt. Auf damals für mich unbegreifliche Weise, veränderte sich mein Leben. Meine Sicht auf viele Dinge veränderte sich.

Viele der Gedanken die ich hier niederschreibe viele der Erkenntnisse kamen erst später. Doch im Kern, war es das was ich fühlte, was ich wahrnahm.

Tief in meinen Gedanken versunken, bemerkte ich nicht das Anne aus der Küche kam und sich hinter mich stellte. Sanft legte sie ihre Hand auf meine Schulter und sagte. „Du kannst ruhig hineingehen Johannes. Sie warten nur auf dich“

Ich nickte und ging in den Salon.

Mutter, Thea und Walter saßen am Tisch und drehten sich zu mir als ich eintrat. Verlegen blieb ich einen Moment in der Tür stehen. Es war Walter der die Starre löste aufstand und die Arme weit ausbreitete.

Johannes! Junge! Was für ein großes Glück für dich!“ Da viel auch von mir die Starre und ich lief zu ihm und in seine Arme. Dann umarmte ich Thea, die ebenfalls aufstand.

Ich habe es dir doch gesagt Johannes.“ sagte sie. „Alles wird sich finden und es wird gut für dich. Und dank Fräulein von Alverdissen, ist es jetzt auch genau so gekommen. Ach mein Junge. Ich freue mich so sehr für dich. Und schau nur wie gut du aussiehst! Deine Haare, und diese schönen Sachen die du anhast!“

Ein kurzer Blick zu Mutter und ich sah das sie lächelte sah sogar so etwas wie ein feuchtes schimmern in den Augen.

Ach Frau Winkler. Es ist mir doch ein reines Vergnügen. Johannes ist ein so lieber Junge und er hat so oft und gut von ihnen geredet. So und jetzt setzen wir uns doch alle mal hin, und sprechen über alles. Warum sie Thea jetzt siezte verstand ich nicht, war mir aber auch egal.

So saßen wir noch einige Zeit zusammen und redeten. Ich über all die wundervollen Dinge die ich hier hatte und erlebte und wie dankbar ich war. Walter und Thea vor allem darüber wie sie mich fanden und was für ein kleiner Schatz ich immer war. Sie hatten auch einige Fotos dabei, die mich als Säugling zeigten. Mutter darüber was für eine Bereicherung ich in diesem Haus wäre. Es war ein Gespräch voller Freundlichkeiten und einfach nur nett.

Kaffee und Kuchen und mein Kakao schmeckten gut. Und nachdem ich versprach das ich die beiden schnell besuchen würde verabschiedeten sie sich wieder.

Walter nahm meine rechte Hand in seine beiden. Sah mir in die Augen, und sagte noch.

Nun mein Junge. Jetzt kannst du aus deinem Leben all das machen, wovon du immer geträumt hast.“ Dann waren sie wieder fort.

Mutter tätschelte kurz meine Wange und sagte.

Ja Johannes. Ich kann wirklich verstehen, das diese beiden Menschen dir so wichtig sind. Sie sind wirklich wundervoll. Ihr Einfluss auf dich ist deutlich zu erkennen.

So mein Junge. Ich habe jetzt einigen Papierkram zu erledigen. Du kannst machen was du möchtest. Schau dich hier, oder draußen ordentlich um. Erkunde dein Heim. Wenn etwas ist frag Anton oder Anne. Wir sehen uns dann zum Abendessen.“

Danke Mutter. Ich werde mich draußen umsehen.“ „Viel Spaß!“ sagte sie und verschwand in ihrem Büro.

Ich stand noch einen Moment unschlüssig herum. Erst wollte ich fragen woher sie sich kannten. Doch ich ließ es. Es war nicht so wichtig für mich. Anne kam um aufzuräumen was ich zum Anlass nahm um nach draußen zu gehen. Den Dachboden würde ich später erforschen.

Draußen im Garten traf ich Anton der in seinem blauen Kittel die Rosen schnitt und den ich fragte wie weit es zu den Wackelsteinen wäre.

Zu Fuß oder mit dem Rad zu weit.“ sagte er. „Aber wenn du dorthin möchtest dann sag dem Fräulein Bescheid, sie hat sicher nichts dagegen wenn ich dich dort hinbringe.“

Ich bedankte mich und wusste ich würde sie bei nächster Gelegenheit danach fragen.

Es war ein schöner Spätsommernachmittag und ich lief etwas unschlüssig auf dem weitläufigen sehr gepflegten parkähnlichen Gelände hin und her. Für den Moment gab es nichts neues zu entdecken. Ich setzte mich auf eine Gusseiserne Bank in die Sonne. Baumelte mit den Beinen, freute mich einfach darüber was war und was noch alles kommen würde. Ich sah immer wieder zu dem großen Haus, fand das Fenster zu meinem Zimmer und sah den Turm daneben an. „Meinen Turm“. Irgendwie war das alles so unglaublich. Der Besuch beruhigte mich sehr. Etwas aus meinem früheren Leben war mit meinem neuen Leben verknüpft worden. Ich verband so etwas aus diesem alten Leben in das neue, und das war sehr schön.

So verbrachte ich mit hin und herlaufen und hier und da sitzen und den Zaun abgehen, auf den einen oder anderen Baum klettern und so weiter und so fort, den Nachmittag. Dann irgendwann, ging ich auf mein Zimmer. Dort blieb ich auch bis zum Abendbrot.

Am nächsten Tag dann, gingen wir in die Kirche und ich würde das Gespräch meines Lebens führen. danach änderte sich alles endgültig.

-Luke Elljot-

 

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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