Morgenrot 19 © by Luke Elljot

Kapitel 5. / 1

Herr Woitzek, der Schustergeselle.

Morgenrot, Morgenrot, erst warst schön und dann warst tot…“ klang es in meinem Kopf immer wieder.

Doch Gundula, des Metzgers Tochter hinterließ nicht den gleichen Eindruck bei mir wie Mai Ahnefeld. Auch wenn sie sicher gefällig anzuschauen war, hatte sie nicht diesen Liebreiz von Mai. Gundula war in ihrer ganzen Art, ihrem Wesen und ihrer Statur gröber und schwerfälliger, ja einfacher. Aber neben Mai konnte für mich kein anderes Mädchen bestehen. Sie bestach einfach durch ihre Natürlichkeit. Davon wie hübsch sie war ganz zu schweigen.

Da ich bis jetzt in einem Waisenhaus für Jungen lebte, waren Mädchen doch weitestgehend ein fremdes neu zu entdeckendes Land für mich. Denn den Mädchen die ich bis jetzt kennen lernte, wurde der Umgang mit den Heimkindern verboten. Und den Unterschied würde ich bei meiner neuen Einschulung sofort bemerken. Denn ich war erstens kein Heimkind mehr und kam zweitens ab jetzt aus einem wie man so sagte, „guten Haus“ Ich war immer noch Johannes Morgenrot. Aber es hatte sich etwas verändert. Und dieses Land das ich zu entdecken wünschte, würde sich als weitaus komplizierter erweisen, als ich es je für möglich hielt. Oooh ja, das würde es.

Mutter sähe es gerne das ich immer gesiezt worden wäre. Doch das war mir in einem derartigen Höchstmaße unangenehm das sie in weiten Teilen erst einmal davon absah! Deswegen wurde ich vorerst in der dritten Person angesprochen. Meist mit der junge Herr. Was wünscht…., möchte der Junge Herr… oder womit kann ich dem jungen Herren dienen. So der so ähnlich. Auch das war mir sehr unangenehm. Mein dreizehnter Geburtstag war noch fern. Nein, das wollte ich nicht, kam mir vor wie ein alter Mann.

Doch Mutter erklärte mir das die von Alverdissens für hiesige eine respektvoll angesehene alteingesessene Adelsfamilie waren und das es sich daher geziemte mich so anzusprechen. Bei dieser Gelegenheit wies sie auch darauf hin, das ich bald gegebenenfalls auch die anderen Adelsfamilien kennen lernen würde. Fürsten, Barone und Grafen. Da musste ich mich entsprechend benehmen können und auskennen.

Oh ja. Wir müssen diesen Rohdiamanten noch schleifen und polieren!“ sagte sie und tätschelte mir meinen Kopf

Es war Sommer 1975, in diesen Zeiten tickten die Uhren noch etwas anders. Immerhin wurde einer ihrer Vorfahren für eine Heldentat die mir nicht bekannt war, zum Ritter geschlagen. Spätestens wenn ich adoptiert würde, wäre dies meine rechtmäßige Anrede. „Du wirst dich daran gewöhnen.“ sagte sie. „Und sei froh das heute nicht mehr Herr Junker von, oder Herr Ritter von … gesagt wird. Dann bist du Herr von Alverdissen,!“Aber in meinem Kopf hallte noch das Wort Adoption nach.

Nun.“ sagte Mutter dann weiter. „Die Dinge müssen ja ihre Ordnung haben.Und dann werden wir auch noch einmal über Morgenrot sprechen, nicht war? Kommt Zeit, kommt Tat!“ Einer ihrer liebsten Aussprüche.

Im laufe der nächsten Jahre würde nur einer bei der Anrede Morgenrot bleiben. Der Schustergeselle. Herr Morgenrot sagte er immer. Und genau den würde ich jetzt kennen lernen.

Bevor wir aus dem Ort hinausgingen, kam uns ein kleiner gebeugt gehender Mann entgegen, der in seinem ganzen Verhalten durch und durch linkisch wirkte. Spontan musste ich an eine der Figuren denken die in Charles Dickens David Copperfield vorkam. An Uraiha Heep. Das war das Buch eines Jungen im Heim das ich las. Das wir alle lasen. Mehrfach! Und so sah es auch aus. Alt und abgegriffen. War der Renner damals im Heim.

Glücklicher weise besaß Mutter eine große Bibliothek. Sie befand sich in einem Raum neben dem Salon. Alle Wände voll mit Büchern bis unter die Decke! Die meisten davon interessierten mich nicht, Aber einige sehr wohl. Dort fand ich auch David Copperfield und ich las es weiter. Als ich ihr die Frage stellte ob sie noch andere ähnliche Bücher hätte, holte sie einen fahrbaren Büchertisch, ging die Regale ab und nahm einige Bücher um sie darauf zu legen. Alle in gebundener Erstausgabe! Bücher, wahre Schätze! Zum Beispiel Mark Twain, Jack London, Herrman Melville, Victor Hugo, Rudyard Kippling, Miguel de Cervantes, Alexandre Dumas. Und natürlich Jules Verne so wie Karl May. So wurde ich durch das Waisenhaus früh an Literatur herangeführt, die ich sonst sicher erst viel später kennen gelernt hätte. Aber ich greife den Dingen vor.

Denn jetzt kam eine Leibhaftige Figur aus einem dieser Romane auf mich zu.

Sein schmutzige Halbglatze, die von einem dünnen Kranz langer grauer strähniger Haare eingefasst war, glänzte in der Sonne. Und er kam direkt auf uns zu. Es sah so aus als ob er uns erwartete, sich dort mit Absicht positionierte. Ich konnte deutlich sehen wie unangenehm diese Begegnung Mutter war. Doch die Höflichkeit gebot ihr ihn anzuhören. Denn als er uns erreichte, baute er sich direkt vor uns auf und begrüßte Mutter überschwänglich. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, dann hätte ich glauben können das Mutter ihn fürchtete! Es war nicht einfach ihm zu folgen. Den dieser arme bemitleidenswerte Kerl, der nicht nur schmutzig und hässlich war, litt unter einem Tick. Immer wieder ruckte sein Kopf nach links oder rechts und er fasste sich ins Gesicht an Mund und Kinn. Die von seinen schmutzigen Händen vollgeschmiert waren. Es war der Schustergeselle und unter dem Gestammel kam heraus das ein Auftrag fertig zu Abholung sei. Er trug eine Lederne Schürze und sah ziemlich abgerissen aus.

Aber Herr Woitzek. Sie werden doch sicher gerne zu mir kommen und mir die Schuhe bringen, oder?“

Jjja….. sicher dochch…. Fräullleinngngn….. Alverdddissss…..engngn!“

Dann geschah etwas sehr bestürzendes. Plötzlich und ohne Tick sah er mich an und sagte.

Ich kenne dich!“ Ich schwöre das ich diesen Mann nie zuvor in meinem Leben sah!

Lebe im heute täglich wie in einem Fest.

Was einzig zählt ist immer nur das jetzt.

Und ebenso plötzlich stellte sich Mutter zwischen uns.

Johannes! Wir gehen!“ sagte sie bestimmt.

Sie fasste mich am Arm und wir gingen weg. Es kostete mich alle Mühe, mich nicht immer wieder umzudrehen und nach diesem merkwürdigen Mann zu sehen.

Mutter, was war das?“

Nichts Junge! Der Mann ist verwirrt. Du hast es sicher bemerkt.“

Ja Mutter.“

-Luke Elljot –

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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