Morgenrot 18 © by Luke Elljot

Kapitel 4. / 7

An Kindes Statt , oder mein neues Obdach.

Der Friseur.

Entgegen meiner Erwartungen fehlte mir auch die Unruhe wie ich es nicht anders kannte, in einem Schlafsaal voller Kinder und Jugendlichen nicht. Die Ruhe tat mir gut und ich schlief bis zum Morgen durch. Im ersten Augenblick des Erwachens wusste ich nicht so recht wo ich mich befand. Es dauerte einige Zeit bis ich realisierte wo ich tatsächlich war. Alles war so hell, so sauber und so still. Doch dann kam das Erkennen und um so größer war die Freude. Das erlebte war also doch kein Traum. Ich war wirklich an diesem wundervollen Ort!

Kurz danach kam Anne herein und sagte das ich mich fertig machen sollte, denn das Fräulein wolle ja mit mir in den Ort gehen. Gesagt getan! Im Badezimmer war schon alles bereit. Ich zog meine neuen Sachen an. Die Halbschuhe die für mich bereitstanden waren wunderbar und passten genau. Was soll ich sagen. Natürlich waren es die ersten Halbschuhe die je anhatte. Dann zog ich mir eine Jacke an die ich mochte und ging nach unten. Ein bisschen begann ich mich schon daran zu gewöhnen. An diese Sachen und alles. Kinder sind eben doch sehr anpassungsfähig und finden sich deswegen schnell zurecht. Es war immer noch sehr neu und ungewohnt. Aber doch ein klein wenig geringer als gestern. Anne hatte in ihrer liebevollen und so herrlich einfachen Art, vollkommen recht. Es würde sich alles finden. Vor allem zusammenfinden. Irgendwann würde es dann eben passen und ich war auf dem besten Wege dorthin!

Im Treppenhaus angekommen, sah ich unten Mutter, die aus dem Salon kam und ihre Jacke gerade anzog. Ein bisschen hatte diese Treppe etwas von diesen Treppen die man in den Hollywood Filmen sehen kann.

Guten Morgen Johannes. Wie hast du denn geschlafen in deiner ersten Nacht hier.“

Guten Morgen Mutter. Wie im Himmel“

Na dann, wollen wir mal los.“ sagte sie lachend.

So trat ich das erste mal durch die Tür, durch die gestern noch Anton und Anne gekommen waren um mich zu begrüßen. Heute jedoch war ich hier zu Hause!

Über den Weg in den Ort gibt es wenig zu berichten. Außer das alles wunderbar, toll und unglaublich war. So kam es mir zumindest vor. Durch ein kleines Tor an der Seite des Grundstückes kamen wir auf diesen und er führte durch einen alten Eichenwald bis kurz vor den Ort.

Fuhlen war ein kleines, für Niedersachsen typisches Örtchen. Rote Backsteinhäuser mit dunklen Dachschindeln und gepflegten Vorgärten. Und in der Mitte überragte der Kirchturm und die Kirche mit ihrer Gotischen Architektur, alle anderen Gebäude weit überlegen. Auch wenn ich bis dahin dachte das es bei unserem Erscheinen einen großen Aufruhr gäbe (warum ich auf diesen Gedanken kam wusste ich nicht), dann wurde ich jetzt eines besseren belehrt. Im Grunde genommen nahm niemand wirklich Anteil an unserem Erscheinen. Mutter wurde von einigen Leuten sehr höflich gegrüßt das war alles.

Dann kamen wir an der Möbeltischlerei vorbei und ich blieb unvermittelt stehen um das Schaufenster zu betrachten. Da sah ich sie. Mai Ahnefeld. Die Tochter des Tischlermeister.

Sie stand im Verkaufsraum und staubte die dort ausgestellten Möbel ab. Ihre dunkelbraunen Haare vielen in sanften Wellen um ihr Gesicht. Auch wenn sie klein war an Statur, so sollte ich bald bemerken dass sie einen überaus starken Charakter besaß, und einen nicht minder starken Willen. Beides war im Zusammenleben mit ihrem starrköpfigen Vater auch dringend nötig.

Sie trug über ihre Jeans und Bluse, einen unansehnlichen Putzkittel. Doch mir war das egal! Ich sah nur die Silhouette ihres Gesichtes die ich nicht wieder vergessen konnte.

Johannes!“

Es war Mutter die mich rief. „Johannes!“

Ich komme Mutter!“ Zunächst bekam sie es nicht mit, das ich stehen blieb. Doch dann traf sie Herrn Ahnefeld. Den verwitweten alleinerziehenden Vater von Mai und Tischlermeister seines Zeichen. Ein kräftiger Bärtiger Mann Mitte dreißig, der einen nicht unwesentlichen Teil seiner Aufmerksamkeit seiner einzigen Tochter widmete.

Komm Junge!“ Und zu Herrn Ahnefeld gewandt. „Wir sehen uns Sonntag in der Kirche.“ „Einen Schönen Tag noch Fräulein von Alverdissen.“ Antwortete dieser. Man grüßte zum Abschied und ging fürs erste getrennter Wege. Mich immer wieder umschauend, ob dieses Mädchen nach draußen kam, folgte ich Mutter zum Bäcker.

Unterwegs wies sie mich darauf hin das dieser Tischlermeister immer auf der Suche nach Lehrjungen war. Und nach Mutters Meinung ging nichts über das goldene Handwerk. Ganz dem Gedanken Goethes folgend;

Allem Tun, allem Streben muß das Handwerk vorausgehen,

welches in der Beschränkung hervorgeht!

Du könntest, bis du mit der Schule fertig bist, dort schon etwas arbeiten und lernen.“ sagte sie. Wissend welche Vorliebe ich für die Bearbeitung von Holz hatte. Nicht wissend welche Vorliebe ich für Tochter Mai im Begriff war zu entwickeln. Hier von Bearbeitung zu sprechen wäre in einem Höchstmaße respektlos.

Nachdem wir beim Bäcker Hohmeyer waren, bei dem mir nicht der Respekt der Anwesenden vor und für Mutter entging und ebenso entgingen wir nicht die neugierigen Blicke für mich. So verließen wir mit einem wohl gefüllten Leinenbeutel voller Brötchen die Bäckerei und gingen zum Friseur Dreyer. Auch eine neue Erfahrung. Nicht zu vergleichen mit dem Friseur der in das Waisenhaus kam. Denn dieser, so schien es, beherrschte nur einen Schnitt. Und den auch mehr schlecht als recht. Manche der Jungs, so auch ich, schnitten sich dann die Haare lieber gegenseitig. Entsprechend sahen wir auch aus am Kopf. „Wie ein Bund Wurzeln.“ Kommentierte Mutter meine Haarpracht. Na ja nun. Das würde jetzt ein Ende haben.

Nach was es in diesem Friseurgeschäft auch immer roch, ich bekam kaum Luft als ich eintrat. Eine Blonde Frau mit hoch toupierten blondierten Haaren und einer enormen Oberweite kam auf uns zu und mit ….. Was kann ich für sie tun… und Fräulein Alverdissen da….. und ….Fräulein Alverdissen hier….. und so weiter, und …..der junge Herr…., wurde ich auf einen Stuhl verfrachtet und mir wurde mein erster wirklicher Haarschnitt verpasst. Dann, nachdem alle anwesenden Frauen mir bescheinigten wie toll ich doch jetzt aussähe und was für ein hübscher junger Mann ich wäre, verließen wir den Friseur wieder. Mutter, die sich die ganze Zeit dezent zurückhielt lächelte mich zufrieden an und fragte. „Und? Was sagst du?“

Ja, äähm na toll!“ Damals fand ich es um ehrlich zu sein wirklich Ja…ääähm na toll. Also, was sollte ich anderes sagen?

Toll!?“ sagte sie mit einem etwas pikiertem Unterton.

Ja, wirklich echt toll. Ich war noch nie bei einem Friseur Mutter!“ Denn nach dieser Erfahrung wollte ich den aus dem Kinderheim so nicht mehr nennen. Erst später überlegte ich, wie man diese Luft dort den ganzen Tag atmen und ertragen konnte, ohne qualvoll zu sterben.

Mit einem leicht säuerlichen Lächeln drehte sie sich um und wir hielten noch kurz beim Metzger Tristramm. Auch dieser hatte eine Tochter, Gundula mit Namen, die uns auch bediente. Jedes mal wenn ich sie ansah, lächelte sie mich an und senkte verlegen den Blick. Nannte mich Herr Alverdissen. Zugegeben war ich für mein alter hochgewachsen, aber Herr Alverdissen? Dennoch kann ich es nicht verleugnen, dass ich es auch genoss so angesprochen zu werden. Mutter nahm es mit ihrem leicht amüsierten Lächeln zur Kenntnis. Doch im Nachhinein mochte ich es lieber Morgenrot zu bleiben. Und was ich Mutter hoch anrechnete war, das es für sie auch vollkommen in Ordnung war.

Zum Glück stellte Mutter beflissentlich keine weiteren Fragen mehr zu meinem Haarschnitt und wir gingen direkt nach Hause. Auf dem Heimweg schien sie mit sich und allem im reinen zu sein. Zumindest bis wir den Schustergesellen trafen.

Nach Hause, das war neu! Sonst hieß es wir gehen ins Heim. Jetzt hieß es.Wir gehen nach Hause.

-Luke Elljot –

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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