Morgenrot 16 © by Luke Elljot

Kapitel 4. / 5

An Kindes Statt , oder mein neues Obdach.

Beten lernen.

Deswegen reden wir aufrichtig mit ihm. Aufrecht, von Angesicht zu Angesicht. Den Kopf nicht demütig zum Boden geneigt.

Ebenso wie der Tropfen des Meeres nicht gleich dem Meer ist. Enthält er aber alles was das Meer auch enthält. Aber das Meer ist unendlich viel Größer. Das zu erkennen ist Demut. Es gibt einen Unterschied zwischen Demut und Demütig! Aber all das werde ich dich lehren!

Haltung, Johannes. Haltung! Innere und äußere Haltung ist ein Teil dieser Handlung.

Und das ist einer der Gründe warum du jetzt hier bist. Denn ich habe diese Haltung in dir gesehen.“ Sie sah mich an und wartete auf meine Reaktion. Doch ich konnte sie nur Atemlos ansehen. So etwas bekam ich von den Brüdern im Waisenhaus nie zu hören!

Indem wir unsere Hände zusammenfügen verbinden wir das linke mit dem rechten, sind so in unserer gesamten Ganzheit geschlossen. So sagen es auch die ursprünglichen Christen. Dann sammeln wir unseren Geist und stellen uns vor worum wir beten. Und diese Gedanken schicken wir dann in die Mitte unseres Seins. Denn der unendliche Geist, die Schöpfung, oder Gott, was alles das gleiche ist, weiß schon was wir benötigen. Die Handflächen gegeneinander gelegt. Die Fingerspitzen sind dabei leicht geöffnet und zeigen zum Himmel. So kann die Flamme in uns aufsteigen! Das ist beten und so beten die wahren Christen. Aber so lernst du es in keiner Kirche. Ich werde dich richtig beten lehren!“

Mutter ich verstehen nicht ganz.“ stammelte ich. Durch mein erlebtes Leben, war ich sicher weiter in meinem Denken als die meisten Gleichaltrigen. Doch jetzt?

Noch nicht. Aber du wirst es verstehen mein Kind.“ antwortete sie beruhigend.

Sie neigte sich seitlich aus ihrem Sessel und gab mir einen alten hölzernen Bilderrahmen. Er war sehr breit und schwer und reichlich mit Ornamenten verziert. Er enthielt ein Gedicht. Geschrieben auf vergilbten Papier, mit einer breiten Feder in einem geschwungenem Schriftzug.

Lies das was dort steht!“

Dort standen die Worte, die ich viele Jahre später auch auf Frau Köhlers Grabstein las. Und während ich sie las, sprach Mutter sie laut aus.

„Ertragt Leid mit Stärke

denn darin überragt ihr Gott.

Er steht außerhalb

des Erduldens der Übel.

Ihr aber steht darüber!“

Darunter war, von Hand gezeichnet, ein Kreuz zu sehen, das an den Enden jeweils in einer Lilie endete und sich unter einer aufgehenden Sonne befand und auf einem fünfzackigen Stern stand. Der wieder über Wellenlinien schwebte.

Auf meine Frage erklärte mir Mutter das diese Zeichen bedeuten könnten, dass das Irdische durch den Menschen mit dem Göttlichen verbunden wurde. Aus der Quelle der ewigen Schöpfung in das Licht Gottes aufsteigend. So verstand ich es zumindest. Wobei der Mensch der Stern war. Sah ja auch aus wie ein Mensch.

Der kurze Moment des Schweigens danach hatte etwas magisches. Der große Kamin, die hohe Decke die im Dunkeln verschwand und so den Eindruck erweckte das der Kronleuchter dort oben schwebte. Die hohen Fenster, mit den schweren Vorhängen. Im Hintergrund Aquarius, der mich, wie ich fand, genau beobachtete. Das Wasser aus seinem Gefäß schien plötzlich zu fließen. Für einen Moment erwartete ich fast das ein Ritter in voller Rüstung den Raum betrat. Aber nichts davon bereitete mir Furcht.

Das ist das Glaubensbekenntnis der Templer.“ sagte Mutter in die prasselnde Stille des Kaminfeuers hinein. Was Templer waren wusste ich. Oder besser ich glaubte es zu wissen.

Die Symbole darunter soll einer meiner Vorfahren gezeichnet haben.“

Ist es schon alt?“

Sehr alt!“

Als Anton hereinkam erschrak ich fürchterlich. Er legte einige Scheite Holz nach wodurch das Feuer Funken sprühte und wieder richtig prasselte. Dann erkundigte er sich bei Mutter nach weiteren Wünschen, was sie verneinte. Als wir wieder alleine waren sagte sie.

Wenn du es möchtest kannst du es über dein Bett hängen. Es befindet sich dort ein Nagel in der Wand.“ Und genau dort hing es noch am gleichen Abend.

Also Johannes. Dies war die erste Lektion. Sorge dich nicht. Durch das was ich dir sage und beibringe, wirst du ein ehrlicher, Gott liebender aufrechter Mensch. Denn es gibt keinen Grund Gottesfürchtig zu sein. Furcht, ist immer der falsche Weg. Die Furcht kommt von den Menschen und sie dient nur einem Zweck. Der Beschränkung! Warum sollte Gott seiner eigenen Schöpfung, seinen Kindern das fürchten lehren? Er ist Schöpfung, Überfluss Liebe. Furcht ist einzig den Menschen zu eigen.“

Mutter?“

„Mein Kind?“

Warum bin ich hier?“

Mutter sah mich lange an. Dann nahm sie sich zusammen und straffte sich. Keine Sekunde, nicht einen einzigen Moment hatte ich das Gefühl sie könne die Geduld mit mir verlieren.

Ich dachte darüber haben wir gesprochen. Doch anscheinend ist es für dich noch nicht so klar. Aber gut! Ich habe es vorhin gesagt. Ein Grund warum du hier bist ist der, das ich deine Hilfe benötige! Du hilfst mir und ich helfe dir! Nein! Jetzt ist es aber gut. Genug davon! Wie gefällt dir denn der Turm?“ Sie sah meinen Blick und reagierte sofort.

Ich erzählte ihr wie sehr ich diesen Ort schon liebte. Doch von dem Buch und von dem was in diesem stand, sowie meinen Rückschlüssen, sagte ich noch nichts. Zu gegebener Zeit würde dieses Thema sicher noch erörtert werden. Außerdem wollte ich zuerst noch etwas davon lesen.

Danke für die schöne Kette und den Anhänger Mutter.“ sagte ich eher beiläufig.

Was für eine ‚Kette? Kind ich weiß nicht wovon du redest. Na da wird sicher Anne ihre Hände im Spiel haben. Ich werde sie darauf ansprechen.“ Diese Antwort fand ich etwas merkwürdig.

Ich wollte die Gelegenheit aber noch zu einer weiteren Frage nutzen die mir schon die ganze Zeit auf der Zunge brannte. Auch wenn ich jederzeit befürchten musste ihre Geduld mit mir über zu strapazieren.

Darf ich auf den Dachboden?“ sagte ich deswegen schnell und voller Ungeduld auf die Antwort wartend.

Eigentlich wusste ich von diesem nur weil Anne mir davon erzählte. Von einem riesengroßen Dachboden. Und sie übertrieb nicht, wie ich bald feststellen würde.

Ihre rechte Augenbraue zog sich nach oben und sie sagte meine Ungeduld sehr wohl wahrnehmend nach einer Pause in der ich die Antwort kaum erwarten konnte.

Das kann ich mir vorstellen das ein großer alter Dachboden mit all seinen Geheimnissen einen Jungen wie dich magisch anzieht. Selbstverständlich jederzeit. Dort oben liegen viele Erbstücke meiner Familie. Aber nur unter einer Bedingung. Du musst mir etwas versprechen. Mir dein Wort geben. Und in meiner Familie ist das etwas heiliges. Du musst mir dein Wort geben das du egal was es ist, mich immer erst fragst, bevor du etwas von dort wegnimmst.“

Ich verspreche ihnen Mutter, das ich sie immer erst frage!“ sagte ich. Jetzt war meine Neugierde vollkommen.

Mutter ich habe noch eine letzte Frage.“

-Luke Elljot –

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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