Morgenrot 14 © by Luke Elljot

Kapitel 4 /3

An Kindes Statt , oder mein neues Obdach

Meine Frage nach den Zeitungen tat Mutter ab.

Dein Verantwortungsbewusstsein ehrt dich. Aber Junge, mach dich doch nicht lächerlich! Du wirst hier genug Aufgaben bekommen. Mach dir da mal keine Sorgen. Es wird sich sicher jemand anderes finden, der deine Zeitungen austrägt. Diese Zeiten sind vorbei, den jetzt bist du hier.“ Damit war das Thema für sie erledigt und für mich war ich es auch zufrieden. Denn wenn ich ehrlich zu mir war, wollte ich nicht wieder in die Nähe das Waisenhauses kommen. Noch nicht! Erst viel später erfuhr ich, das Mutter einem anderen Jungen den sie mochte, und der das Geld gebrauchen konnte, diese Arbeit vermittelte.

Das Abendessen war eher ruhig. Mutter und ich unterhielten uns nur in kurzen Sätzen darüber ob ich noch etwas bräuchte und was mich noch so interessierte hier im Haus. Darauf war meine Antwort natürlich die Werkstatt. Das Brot war nicht trocken und hart und ebenso lecker wie die gute Wurst und der Tee. Jetzt das erste mal mit viel Milch und Kandiszucker. Ungewohnt war nur das ich das Brot mit Messer und Gabel essen sollte.

wir speisen wie Menschen, nicht wie die Tiere!“

Oh ja! Alles hatte sich veränderte.

Als Anne hereinkam und das Geschirr wegräumte sagte sie.

Und? Hast du schon die Tür entdeckt?“

Welche Tür?“ fragte ich. Mutter lächelte und Anne sagte freudig.

Na dann erwartet dich heute noch eine schöne Überraschung!“

Noch eine Überraschung?

Nach dem Essen gingen wir wieder in mein Zimmer und sie zeigte mir „die Überraschung“!

Es handelte sich um eine Tür die sich versteckt in der Wand neben dem Schrank in der Ecke befand. Sie war genau so Tapeziert wie die Wand und wenn man nicht wusste das sie sich dort befand kaum zu sehen. Ein kurzer Zug an dem kleinen Messingriff, es machte Klick und dann war sie offen.

Mein Zimmer befand sich ja auf der Ecke des Hauses und die Tür führte in einen der beiden Türme.

Dahinter befand sich eine Wendeltreppe mit 57 ausgetretenen Stufen nach oben in den Turm. Sie endete in der Turmspitze in einem Runden Raum mit Fenstern in alle Richtungen. Ein bequemer Stuhl, ein Tisch und eine kleine Lampe standen dort und luden zum gemütlichen Sitzen ein. Es war fast wie ein kleines Observatorium. In diesem Moment kam auch Anton und stellte ein altes und recht großes Teleskop aus Messing auf einem hölzernen dreibeinigen Ständer in den Raum. Er lächelte kurz und ging zum Abschied nickend ohne ein Wort wieder nach unten.

Anton macht nicht viele Worte oder?“ „Nein!“ Lachte sie. „Nein das macht er wirklich nicht!“

Das Fräulein dachte sich, es würde dir hier oben gefallen!“ sagte sie dann. „Von hier oben kannst du weit in das Land sehen und Abends in den Sternenhimmel. Als junges Mädchen saß sie selber oft hier und hat gelesen und die Sterne beobachtet. Dort Drüben in der alten Kommode liegen noch ein paar alte Sterntafeln. Und? Was sagst du, wie findest du es?“

Es ist toll, einfach super!“ flüsterte ich. Fast als ob ich Angst hätte das man es mir wieder wegnimmt wenn ich es zu laut sage. Ich sah den Stuhl und dachte an Mutter.

Und jetzt sitzt sie in dem anderen Turm? Dann will ich es nicht!“

Nein mein Lieber. Der steht leer. Das Fräulein ist aus diesem alter heraus.“

Geht das? Es ist so schön hier. Wenn ich es nicht mehr schön finde wenn ich älter werde will ich nicht älter werden.“

Mir war sofort klar das dies mein Lieblingsplatz werden würde.

Saß sie auch in diesem Stuhl?“ fragte ich ehrfürchtig.

Ja. Sie saß immer in diesem Stuhl.“ antwortete Anne. Sie sah sich um und und stellte fest das es langsam dämmerte und das sie mich jetzt alleine lassen müsse, da es noch viel für sie zu tun gäbe. Aber eigentlich glaube ich, wollte sie mir diese Momente lassen um sie zu genießen. Bevor sie ging sagte sie noch.

Ich werde nachher noch einmal nach dir sehen. Denn du sollst ja nicht die ganze Nacht hier oben verbringen nicht war?“

Als ich alleine war ging ich einige male im Kreis an den Fenstern entlang und sah mir die Aussicht an. Bis auf die Richtung in der die hohen Bäume standen, konnte man das ganze Tal überblicken. Bevor ich mich in den Stuhl setzte, untersuchte ich noch das Teleskop. Auch wenn ich mich damit noch nicht auskannte, fand ich es unheimlich spannend. Diese dicken großen und die kleinen Linsen. Die gebogenen, oder geschliffenen Gläser. Das schon etwas matte Messing. Die Stellräder, einfach alles. Allerdings konnte ich, als ich durchsah, nichts erkennen. Und es war erstaunlich schwer. Dieses Gerät bedurfte einer Intensiveren Untersuchung

In der Ferne konnte man die sanften Hügeligen Ausläufer der Berge sehen, die langsam im abendlichen Nebel verschwanden. Es war ein langgezogenes Tal an dessen Ende im Sommer die Sonne prachtvoll unterging.

Später erfuhr ich das ich im Grunde genommen nur einen Katzensprung weit weg war, von dem Waisenhaus. Aber damals waren es für mich unterschiedliche Welten.

Auf der echten Seite des Tales floss ein Fluss gemächlich vor sich hin. Die Weser. Wenn man diesem folgte, kam man in die nächste größere Stadt.

Still war es hier oben. Ja, das war mein Platz! Hier würde ich sitzen und nachdenken!

Dann entdeckte ich ein weiteres Buch das mich sehr beeinflussen würde. Bis heute bin ich mir sicher das es sich nicht zufällig dort befand.

Es steckte tief in dem Stuhl zwischen Sitzpolster und der rechten Armlehne. Entdeckt habe ich es, weil mir mein Taschenmesser das ich unten in meinem Zimmer wieder einsteckte, in diese Ritze fiel und ich es wieder herausfischen wollte. Da bemerkte ich einen Widerstand, der sich als dieses Buch herausstellte.

Es war ein altes abgegriffenes Buch über die Familie Alverdissen. Zunächst nahm ich an das es eine Handgeschriebene Familienchronik war. Mit zittrigen Händen öffnete ich den Hakenverschluss, schlug es auf und begann zu lesen. Die Seiten waren sehr dick und teilweise schon vergilbt und an den Ecken abgestoßen. Es roch auch etwas muffig. Die Schrift war geschwungen und leicht nach rechts geneigt. In dem Buch tauchten später auch noch zwei Namen auf, die mir Wohlbekannt waren. Doch so weit war ich noch nicht.

Im Buchdeckel stand ein Gedicht. Geschrieben mit der gleichen Handschrift.

Ich lebe in der Zeit schon ewig,

sehe alles durch den göttlichen Schein

Ich esse von dem himmlischen Manna

Und trinke von dem himmlischen Wein.

In des Regenbogen Farben,

purpurn golden und blau,

in seinem strahlenden Glanze,

die Liebe des Vaters ich schau.

Das schönste Gedicht das ich je las.

Auf der ersten Seite stand oben rechts ein Datum.

Alverdissen der 23.03.1893

Es war 80 Jahre alt!

Heute habe ich Kenntnis erhalten um Vorgänge der Familie von Alverdissen, die ich hier niederschrieben möchte. Es sind Geschehnisse um eine Liebe, die unglücklich endete, und die das Schicksal meiner Familie prägte. Es sind so tiefgreifende Dinge in der Vergangenheit geschehen, das ich diese kaum glauben kann.

Ich will hier nicht alles bekannt machen was in diesem Buch stand. Denn es war nicht einfach eine Familienchronik. Es war auch ein Tagebuch mit vielen persönlichen Einträgen. Im ersten Moment war ich so überrascht das ich es erschrocken wieder zuklappte und zurücksteckte. Denn ich kam mir wie ein verräterischer Schnüffler vor. Erwartete halb das jemand mich erwischte.Doch es ließ mich nicht mehr los.

Meine allererste Vermutung bestätigte sich also nicht. Mutter hatte es definitiv nicht geschrieben. Es musste eine nahe Verwandte von ihr gewesen sein. Vermutlich eine Tante oder Ur-Tante oder wie das hieß. Wer genau war nicht zu erkennen. Teilweise war es sogar sehr spannend geschrieben. Man kam sich vor wie ein stiller Beobachter.

Sie schrieb sehr nebulös von einer unglücklichen Liebe, die viele, viele Jahre vorher durch einen feigen Verrat tödlich endete. Aber wer wen verriet konnte ich nicht sofort erkennen. Aber es ging auf Vorkommnisse zurück die ihren Ursprung über hundert Jahre vorher hatten. Die Auflösung kam erst ganz zum Schluss wie sich herausstellen sollte.

Ich las dieses Tagebuch nicht sofort, sondern begann damit erst Tage später. Aber das musste erforscht werden. Denn ich kannte ja auch eine Geschichte in der der Name Alverdissen vorkam. Und wer weiß, vielleicht hatte das ja etwas damit zu tun?

Als mich diese Erkenntnis wie ein Blitz traf, verschlug es mir den Atem. Ich kannte eine Geschichte die diese Familie betraf. Und meine Suche würde auf dem Dachboden beginnen, das war mich schon jetzt klar.

Meine Neugierde war endgültig geweckt. Marcus Christianus war wieder da. Wenn auch anders als ich es erwartete. So saß ich in der langsam tiefer werdenden Dämmerung da und dachte nach.

– Luke Elljot-

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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