Morgenrot 13 © by Luke Elljot

Kapitel 4. /2

An Kindes Statt , oder mein neues Obdach

Ich stand mit offenem Mund vor dem Schrank. Einem Kleiderschrank. Einem Kleiderschrank voller neuer Sachen.

Hosen, Hemden, Strümpfe, Pullover Jacken, Schuhe. Alles in verschiedenen Ausführungen. Selbst die Unterwäsche und Strümpfe. Es war alles da. Zu viel für mich. Ich wusste nicht wo ich zuerst und wo ich zuletzt hinsehen sollte. Aber vor allem konnte ich nicht glauben dass das alles für mich war. Sicher stammte das noch von dem Jungen der vorher hier wohnte und bald wiederkommen würde. Langsam schloss ich wieder die Türen und drehte mich zum Bett um. Dort lagen ja schon einige Sachen über dem Fußende die für mich waren und die ich anziehen sollte. Wenn ich mir etwas aus dem Schrank hätte nehmen sollen, wäre ich überfordert gewesen.

Bis jetzt hatte ich immer zwei Hosen zwei Hemden, eine Jacke und ein Paar Schuhe. Na ja, und die Sandalen. Und zwei Unterhosen und einen Pullover. Ach ja… und die Socken die ich anhatte. Ein Teil war immer in Benutzung,ein Teil war immer in der Wäsche. Da war nichts mit aussuchen. Und völlig unabhängig davon machte es auch keinen Unterschied ob Sauber oder nicht, bei diesen alten Lumpen. Aber diese alten Lumpen waren eben alles was ich hatte. Bis jetzt.

Der nächste Raum der von mir erforscht wurde war das Bad. Wie man duscht wusste ich ja. Aber eine einzelne Dusche sah ich bis dahin noch nie. Ich kannte nur die Gemeinschaftsdusche im Waisenhaus. Ein Rohrgestänge mit Duschköpfen an der Decke unter denen sich jeder seinen Platz suchen musste. Die Wassertemperatur war wie sie war. Meist kalt. Der Boden und die Wände mit grauen Fliesen bis zur Decke, die Abläufe wie Gullis.

Dieses Badezimmer war natürlich ganz anders. Hellgrüne glänzende Fliesen. Kein Waschbecken aus Stahl, sondern weißes Porzellan. Wie die Wannen und das Klo auch, ganz nebenbei. Da war Klo schon fast eine Beleidigung. Und eine Dusche und Badewanne getrennt kannte ich auch nicht! Den Bademantel erkannte ich sofort. Sah für mich aus aus wie ein großes Handtuch mit Ärmeln. Er hing neben der Dusche. Ich zog meine alten Sachen aus und hängte sie an einen dicken Haken neben den Handtüchern. Ging in die kleine Duschwanne, zog die Vorhänge zu und dann duschte ich mich ausgiebig. Keine anderen Kinder die nervten, sich kloppten oder sonst was. Kein Bruder Wasweißich, der uns ausschimpfte weil wir zu viel Wasser verbrauchten und der drohte gleich alles abzustellen. Nur das warme Wasser, die gut riechende Seife und ich! Das Wasser drehte ich so warm, das ich mich fast verbrühte. Ich wollte unbedingt den alten Waisenhausdreck loswerden. Äußerlich gelang es mir auch. Aber es gibt Stellen an die kommt man mit Wasser und Seife nicht heran. Diese Flecken sollten bei mir noch sehr lange bleiben. Zu lange! Als ich fertig war zog ich den Duschvorhang beiseite und sah das der ganze Raum mit Dampf erfüllt war. Meine alten Sachen waren weg! Einfach verschwunden. Ich zuckte mit den Schultern und verschwendete keinen unnötigen Gedanken mehr an diese.

Schnell öffnete ich zum lüften das Fenster und hatte ein schlechtes Gewissen wegen meiner Verschwendung. Doch wer immer meine Sachen nahm, gesagt hat er nichts.

Mit dem flauschigen Handtuch trocknete ich mich ab und zog dann den ebenso flauschigen Bademantel der für mich bereit hing an. Ich fühlte mich wie erhaben. Und wie ein König ging, nein schritt ich wieder in mein Zimmer. Zu meiner Überraschung war es immer noch da! Genau so wie ich es verließ.

Den Bademantel und das Handtuch legte ich ordentlich zusammengelegt auf den Stuhl. Im Waisenhaus bekamen wir mächtigen Ärger wenn wir unsere Sachen einfach irgendwo liegen ließen.Das tat ich noch viele Tage. Bis Anne zu mir wiederholt sagte das ich es einfach im Bad hängen lassen soll. Es viel mir immer schwer es so zu machen.

Heute jedenfalls stand ich schließlich frisch geduscht in meiner neuen braunen Hose, dem neuen beigen Hemd und dem grünen quergestreiften Pullunder (damals modern), vor dem Spiegel in meinem Zimmer. Sogar die Hausschuhe hatte ich an. Gekämmt hatte ich mich auch. Ich sah in den Spiegel und sah aus wie ein Kind aus der Stadt die ich eigentlich nicht mochte. Aber jetzt….. schon.

Ich sah in meine Hand. Dort lag die goldene Halskette mit einem runden Anhänger. Beides fand ich zwischen dem Hemd und dem Pullunder liegend. Als ich den Anhänger jetzt genauer ansah war ich so verblüfft, das es einige Minuten dauerte bis ich mich wieder fing. Er zeigte Ein großer Kreis, der einen kleinen Kreis auf dem ein Kreuz stand umschloss. Der kleine Kreis wurde durch einen Strich in zwei Hälften geteilt.

Dass Symbol das mich schon einmal so fasziniert hatte. Ich sah es schon einmal, ich kannte es! Von viel früher als vorhin!!

>Natürlich gibt Morgenrot in seiner Geschichte zu diesen ganzen Symbolen noch Erklärungen. Doch es gibt auch noch recht unterschiedliche andere Deutungen. Deswegen habe ich mich entschlossen diese nicht zu hinterfragen und sie wortgetreu niederzuschreiben. Jeder kann glauben was er will, sich selber informieren, oder auch nicht. Morgenrot und mir ist das recht. <

Der Anhänger selber war etwas größer wie ein Ein-Markstück. Das Symbol war eingraviert. Am Rand sah er aus wie geflochten. Ich nahm mir vor bei Gelegenheit mit Mutter über all diese Zeichen zu sprechen und sie über deren Bedeutung zu fragen. Ich nahm fest an, das er von ihr kam.

Die Kette war weit genug das ich sie mir einfach über den Kopf streifen konnte. Ich steckte sie unter mein Hemd und genoss das Gefühl auf meiner nackten Haut.Dort, an meinem Hals hängt sie bis heute. Seit damals habe ich sie nie wieder abgenommen. Doch das stimmt nicht so ganz. Denn ich nahm die Kette gleich wieder ab und hängte das Kreuz von Walter noch daneben. Aber danach nie wieder.

Was störte war der kratzigen Kragen von dem Hemd den ich nicht gewohnt war. So müsste ich mal Zeitungen austragen, dachte ich. Zeitungen austragen? Ich nahm mir vor Mutter beim Essen auch deswegen zu fragen. Denn meine Kunden warteten schließlich auf ihre Zeitung. Das war meine Verpflichtung!

Abendessen!

Steif, reserviert und erhaben getragen kam Anton und holte mich runter.

Ich betrat den Salon. Mutter saß schon am Tisch und sah mir entgegen.

Na also! Jetzt siehst du aus, wie in richtiger Mensch! Und? Passt dir die Kleidung?“

Ja Mutter. Danke Mutter, für all diese schönen Sachen!.“ Von dem kratzigen Kragen mochte ich nichts sagen und das mit dem Anhänger würde ich später ansprechen. Anne kam herein und war vollkommen begeistert.

Johannes! Wie du aussiehst! Einfach wundervoll! Deine alten Sachen habe ich weggeschmissen. Aber wie du aussiehst! Das ist wirklich, wirklich erstaunlich! Mein lieber Junge!“

Es ist gut Anne!“ sagte Mutter milde.

Also war Anne im Bad während ich duschte.

Ich war also wirklich an Kindes Statt aufgenommen und hatte ein neues Obdach bekommen. Das war mir jetzt bewusst.

Getragene Worte, für grundelementare Bedürfnisse. Für ein Zuhause, für Schutz, für Liebe.

Es mag dies als selbstverständlich erscheinen. Man nimmt es als selbstverständlich und weis es nicht zu schätzen.

Aber das ist es nicht! Das ist es weiß Gott wirklich und wahrhaftig nicht!

Sicher, nicht jedes Obdach ist ein Zuhause. Und Mutter und Vater sind beileibe auch kein Garant dafür! Ich hatte eines gefunden. Oder besser es hatte mich gefunden! Es war ein Wunder! Seit dem glaube ich an Wunder. Jeder sollte daran glauben.

– Luke Elljot –

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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