Morgenrot 12 © by Luke Elljot

Kapitel 4. /1

An Kindes Statt , oder mein neues Obdach

Noch vor kurzem stand ich im Waisenhaus auf dem Spielplatz und dachte über mein Leben nach.Und das mit zwölf Jahren. Glücklicherweise wusste ich bis dahin nichts über eine glückliche Kindheit. Später, als es mir klar wurde, hatte ich durch Mutter genug Großmut erlernt um es verzeihen zu können.

Wohin sollte es mich führen dieses Leben? Warum war ich überhaupt hier? Das waren die Fragen. Niemand der mich kannte, kein Platz zu dem ich gehörte. Die einzigen Menschen die mich schätzten waren die lieben Bibelmenschen. Und ein geheimnisvoller Druide, von dem ich mir noch nicht einmal sicher war, das es ihn wirklich gab. Eigentlich alles Fremde. Fremde die mir so nahe waren. Und jetzt? Jetzt stand ich in einem riesengroßen Haus vor der weißen Tür die in mein Zimmer führte. Neben dieser stand ein kleiner Tisch mit einem kleinen Strauß Blumen. Alles hier oben war weiß. Die Türen, die Türrahmen, die Fenster die Wände. Auch hier hingen einige Bilder die ich mir noch ansehen würde. Auf dem Boden lag dunkles Parkett.

Ich zeigte nach rechts auf die einzige weitere Tür in diesem kleinen Flur und fragte. „Wohin geht diese Tür?“

In dein Badezimmer.“

Mein Badezimmer?“ „Ja, dein Badezimmer mit der Toilette.“ Mein Badezimmer? Ich starrte auf die Tür als ob ich so Löcher in diese brennen könnte.

Aber jetzt geh erst mal rein.“ sagte Anne, öffnete die Tür zum meinem Zimmer und forderte mich so noch einmal auf hineinzugehen.

Geh in dein Zimmer und finde wenn möglich etwas Ruhe. Du bist jetzt zu Hause Johannes.“ Ich bin zu Hause…..

Dann gingen wir hinein. Und ich wusste ab jetzt würde nichts mehr so sein wie vorher. Das war der entscheidende Schritt. Der Schritt der mein Leben veränderte. Den dieses mal machte ich ihn. Ich ging über diese Schwelle in vollem Bewusstsein was ich tat und wohin dieser Schritt führte.

In mein Zimmer!

Manche mögen jetzt denken das ein Zimmer betreten doch nun wirklich keine große Sache ist. Doch wer etwas vom Leben versteht weiß das es Kleinigkeiten sind die unser Leben all zu oft nachhaltig beeinflussen. Meist werden diese dann noch nicht einmal wahrgenommen, oder so nebenbei erledigt und die Bedeutung wird einem erst hinterher klar. Werden in Sekundenschnelle getroffen.

Nehme ich die linke oder die rechte Tür. Fahre ich jetzt los, oder erst in einer halben Stunde. Spreche ich das Mädchen mit den schönen blauen Augen an, oder die mit der blonden Mähne. Doch immer haben die allermeisten bei diesen Entscheidungen die freie Wahl. Diese hatte ich bis dahin nie. Doch dieses mal, dieses mal war es zum ersten mal anders! Damals empfand ich es so. Damals war es so für mich! Und das machte alles was daraus entstand, zu „meiner“ Erzählung. Zu der Erzählung meines meines Lebens! Das alles war mir in diesem Moment natürlich so nicht klar!

Niemand der mir sagte was ich tun sollte, niemand der mich irgendwohin brachte und mich in irgendeinen Stuhl setzte. Niemand der entschied was für mich gut wäre oder auch nicht! Der freie Wille, oft nur eine Illusion, in diesem Moment war er für mich der meinige! Ich allein traf diese Entscheidung. Es war ein unauslöschlicher Moment. Als ich dieses Zimmer betrat stand für einen Moment meine Zeit still.

Das Zimmer war Lichtdurchflutet. Mein Tor in das Licht! So beschrieb ich es später wenn ich danach gefragt wurde.

Was ich sah waren zwei schöne zweiflügelige Fenster mit weißem Holzrahmen über Eck, durch die den ganzen Tag die Sonne schien. Auf den ausladenden Fensterbänken stand eine Skulptur. Dieser Frauenkopf mit dem Zeigefinger an den Lippen. Sie mahnte immer zur Stille und zur inneren Einkehr. Dieses mal aus weißem Gips. Und eine schöne kleine Standuhr gefertigt aus einem dunklen Holz. Ein bisschen erinnerte sie mich an einen Kirchturm und ich musste sie einmal in der Woche Aufziehen damit sie nicht stehen blieb.

Das Bett stand so, das ich durch beide Fenster hinaus sehen konnte. Weiße Wände, helle Möbel und helles Parkett. Keine Bilder an der Wand. Das war Mutters Art. Kein unnötiges Gedöns wie sie immer sagte.

Ich stand mitten im Raum und sah mir alles an. Anne war in der Tür stehen geblieben. Mein Zimmer war größer als das Büro des Kaplan im Waisenhaus. Ich hatte sogar einen Schreibtisch mit einer Lampe drauf und einem eigenem Stuhl. Ein Holzstuhl mit braunen Lederpolstern. Selbst die dünnen Armlehnen waren gepolstert. An den äußeren Rändern befanden sich, ebenso wie an der Lehne und dem Sitz, Messingfarbene Nieten.

Die Ablage auf dem Schreibtisch war grün und aus dickem Leder. Ebenso grün wie der Schirm der Schreibtischlampe. Auf dem Schreibtisch lagen auch ordentlich nebeneinander meine Sachen. Das silberne Kreuz und so. In einer Ablage lagen einige Stifte und ein dicker Kugelschreiber.

Auf dem Bett, das schon mit weißen Bezügen und Laken bezogen war, lagen neue Sachen. Hose, Hemd und Pullunder. Auf dem Boden davor, peinlich genau nebeneinander, standen schöne Hausschuhe in denen graue Socken steckten. Das es Hausschuhe waren wusste ich weil Anne es mir sagte.

Anne sagte auch das die Sachen für mich wären, damit ich heute Abend schön anzusehen bin. Dabei lachte sie und ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Ich und schön anzusehen! Im Waisenhaus haben sie viel zu mir gesagt. Aber nichts davon hatte mit schön anzusehen zu tun. Eher im Gegenteil.

Neben dem Bett stand ein Nachtschrank ebenfalls mit einer Lampe in der gleichen Farbe, wie die auf dem Schreibtisch.

Und dann, der Kleiderschrank. Ich wusste nicht was ich zuerst anschauen sollte.

Für mich?“ fragte ich Anne aufgeregt und sah mich um. Sie konnte mit Tränen in den Augen nur nicken.

Das alles ist für mich? Mein Zimmer?“

Ja Johannes. Das alles ist für dich. Es ist dein Zimmer.“ sagte sie mit belegter Stimme.

Ich konnte das alles nicht fassen. Wie war das alles bloß möglich?

Anne zog langsam die Tür zu und sagte kurz bevor sie diese schloss.

Schau mal in den Schrank. Und bevor du wieder herunterkommst, wasch dich und zieh dich um. Im Bad sind Handtücher und ein Bademantel. Das darfst du nicht vergessen mein lieber Junge.“

Dann war ich allein, stand noch eine ganze Weile da und sah mich immer wieder um. Mein erster Gedanke war die Frage danach was ein Bademantel ist. Sicher ein Mantel in dem man badet. Aber was sollte das?

>Man bedenke das alles ist über 40 Jahre her und nicht jeder hatte einen Bademantel. Als Waisenkind in Morgenrot´s Situation war so etwas normal. Er hatte wirklich noch keinen Bademantel gesehen!<

Die Vorhänge, die Möbel, ich konnte mich nicht satt sehen. Ich setzte mich auf das Bett. Alles fühlte sich herrlich an. Nicht zu vergleichen mit diesen Stahlrohr-Etagenbetten im Heim. Eine Richtige Matratze. Ein richtiger Lattenrost. Richtige Decke und Kissen. Herrliches Leinen.

Da saß ich und sah mich einfach um, die Hände im Schoß. Ich atmete ein und aus. Und nochmal das selbe! Nochmal! Kniff mir zur Vorsicht heftig in den Unterarm. Nichts geschah. Respektvoll zog ich meine alten Sandalen aus und legte mich hin. Meine dreckigen Strümpfe und nicht viel sauberen braunen Beine hoben sich von dem weißen Leinen ab. Eigentlich hob ich mich im ganzen von dem weißen Leinen ab! Ich sah zur Decke. Schloss die Augen. Öffnete die Augen. Legte meine Hände auf den Bauch und wieder neben meinen Körper. Lauter so Sachen eben. Sah den Schreibtisch wieder an. Atmete tief durch. Biss mir auf die Lippen und Blähte die Backen.

Pffffffff! Ließ ich die Luft wieder raus.

Dann lag ich still da und Döste leicht weg!

Ich stand vor einem der großen Druidensteine. Marcus Christianus stand neben mir.

Wie heißt du?“ sagte er.

Ich wusste es nicht.

Wie heißt du? Wie ist dein Name?“ Ich hatte einen Namen, aber war es meiner? Im Traum brach mir der Schweiß aus.

Junge! Wie heißt du? Deinen Namen!“

Dann sagte eine Stimme in mir.

Johannes Morgenrot! Mein Name ist Johannes Morgenrot!“

So sei es!“

Von unten hörte ich raue Männerstimmen laut rufen und die Stimmen von ängstliche Frauen und Kindern schreien.

Johannes, du kannst jetzt nichts tun. Geh!“

Dann schreckte ich hoch und lehnte mich auf meinen rechten Arm. Was für ein komischer Traum! Dachte ich noch und brauchte auch einen Moment um wieder klar zu werden.

Als mein Blick wieder auf den Kleiderschrank viel. Anne sagte ich solle dort mal hineinsehen! Also stand ich auf und näherte mich ihm langsam. So, als ob er jeden Moment wegrennen könnte. Als ich die Hand nach dem Türgriff ausstreckte, war ich derart aufgeregt, das es einen Moment dauerte bis ich begriff, das ich den Türknauf nach rechts drehen musste um die Tür öffnen zu können.

Dann tat ich den Traum als Übermüdung ab denn was ich sah lenkte mich vollkommen ab.

– Luke Elljot –

 

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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