Morgenrot 11 © by Luke Elljot

Kapitel 3. /6

Theodora von Alverdissen

Nun gut Johannes. Es gibt also noch einiges zu bereden, nicht war? Aber für Aquarius haben wir ja auch noch später Zeit?“

Ja Fräulein von Alverdissen.“ Antwortete ich brav. Und traute mich schon fast nicht mehr dieses wandfüllende Riesenbild überhaupt anzuschauen. Ich empfand es wie eine Mahnung. Eine Mahnung die Blumen die uns das Leben schenkte, immer zu Pflegen und zu gießen. So hätte ich es damals sicher nicht ausgedrückt.  Ich musste an Frau Köhler denken. In meinem jugendlich kindlichen Geist erkannte ich noch nicht, das manche Rose auch messerscharfe Dornen hat.

Ich bin bis heute der festen Überzeugung, das das Leben immer ein Geschenk ist! Auch wenn es all zu oft nicht zu erkennen ist. Wir müssen uns lösen von unserer übertriebenen Selbstbetrachtung. Wir sind letztendlich auch nur verschiedene Variationen des Großen und Ganzen. Und jede Erfahrung zählt!

Doch Fräulein von Alverdissen sprach weiter.

Und genau damit wollen wir beginnen. Wenn es dir recht ist möchte ich das du ab jetzt Mutter zu mir sagst!“

Mutter?“ Nicht nur das es sehr altmodisch klang. Es wurde noch besser.

Ich möchte das du Mutter sagst und mich weiterhin siezt.“

Ja Mutter!“ antwortete ich etwas verwirrt. „Ich werde sie ab jetzt Mutter nennen Fräulein….. ich meine Mutter.“

Gut, gut. Ich sehe du bist schnell im Geist.“ Ich wusste nicht ob das wirklich ein Lob war. Sie sah mich nachdenklich an. „Und gehorsam. Was hier in diesem Haushalt für ein Kind eine unschätzbare Eigenschaft ist! Zumindest das ist etwas positives was ihr in diesem unsäglichen Waisenhaus lernt. Aber nun gut

Es ist für dich heute viel passiert, nicht war“ Ich nickte stumm. „Ja, der Tag ist fortgeschritten und du hast heute viel erlebt. Und ich denke es wäre jetzt langsam gut für dich wenn du etwas zur Ruhe kämst. Anne wird dir gleich dein Zimmer zeigen. Dort kannst du dich einrichten und ausruhen. Es ist dein Zimmer. Dieses Zimmer ist nur für dich. Anton wird dich dann zum Abendessen abholen. Alles klar?“

Aufmerksam sah sie mich an.

Ja Mutter.“ Zufrieden nickend sagte sie.

Du kommst aus einem Katholischen Waisenhaus und deswegen verstehst du dich sicher auf die Bibel. Da du sicher bemerkt hast das auch ich ein gläubiger Mensch bin, wirst du sicher verstehen das es diesbezüglich auch hier christliche Regeln gibt. Wir werden auch darüber noch sprechen nicht war? Aber mach dir deswegen keine unnötigen Gedanken. Alles zu seiner Zeit. Doch jetzt nimm dir von dem Kuchen und dem Kakao. Guten Appetit.“

Für mich war das alles sehr irreal. Ich dachte jeden Moment ich würde erwachen. Doch ich erwachte nicht. Erst langsam kam die Freude. Wie ein verstörter kleiner Hund lugte sie hervor. Bereit sich sofort wieder zu verstecken und in Sicherheit zu bringen wenn nötig.

Die Freude darauf mein Zimmer zu sehen. Mein neues Leben zu entdecken. Ich würde diese Nacht nicht mit dreißig anderen Kindern in einem Raum schlafen, sondern für mich ganz alleine! Oder war ich im Himmel? Johannes Morgenrot, der kleine Junge der die Zeitung austrug und Dinge sah die keiner sonst sah. Der nichts hatte, würde in seinem eigenen Zimmer schlafen. Das konnte nur der Himmel sein. Vermutlich war ich gestorben und wandelte jetzt im Kinderhimmel.

Nein Johannes! Du träumst nicht!“ sagte Mutter und las anscheinend meine Gedanken.

Fräulein von Alverdissen wa….. ich meinte Mutter, warum habt ihr ausgerechnet mich aus dem Waisenhaus geholt?“

Weil du ein reizender Junge bist Johannes. Und weil deine Geschichte so sehr traurig ist und mich berührt hat. Aber wir werden darüber später später noch genauer reden. Wir haben noch viel Zeit dafür.“ Ja. Man kann über Mutter vieles sagen, aber eins nicht. Das sie nicht zuhörte und mit mir redete. Dafür hatte sie immer Zeit, oder nahm sie sich.

„Du hast jemanden kennengelernt, über den ich noch mehr wissen möchte. Jetzt trink deinen Kakao bevor er kalt wird und dann rufen wir Anne. Glaube mir, dich erwartet noch einiges und ich erwarte einiges von dir. Du wirst mir zum Beispiel bei der Essenausgabe für die Bedürftigen helfen. Doch keine Sorge. Alles was du wissen musst, werden wir dir zu gegebener Zeit beibringen. Doch alles zu seiner Zeit.“

Jemanden kennen gelernt? Dachte ich. Wen habe ich den kennen gelernt?

Der Kakao schmeckte herrlich. Nie zuvor habe ich so etwas leckeres getrunken. Nicht zu vergleichen mit dem wässerigen Zeug aus dem Waisenhaus. Was Anne damit auch immer tat, außer dem Sahnehäubchen oben drauf und den Schokosträußeln. Sahne! Heute trank ich das erste mal in meinem Leben Sahne, Es war ein Wunder! Es musste ein Wunder sein. Der Himmel musst heruntergekommen sein. Das hier war der Himmel auf Erden. Dieser Moment durfte niemals zu Ende gehen!

Und auch der Kuchen schmeckte….. natürlich! Ich wohnte jetzt in einem Haus in dem es so lecken Kuchen gab, wie ihn auch Thea machte! Ich hatte eine Werkstatt! Ein eigenes Zimmer! Kuchen, Sahne, und ich saß mitten drin! Ich konnte nicht genug von all dem bekommen!

Johannes?“

Ja Mutter?“

Ich wollte wissen ob es dir schmeckt?“

Oh ja Mutter. Es Schmeckt so sehr. Ich habe noch nie etwas gegessen und getrunken was besser geschmeckt hat!“ antwortete ich wahrheitsgemäß! Das sie mich vorher schon zwei mal fragte, bekam ich überhaupt nicht mit, so vertieft war ich in mein drittes Stück Kuchen und meine zweite Tasse Kakao! Ich hatte wirklich Hunger.

Und genau so wie Mutter es sagte sollte es auch geschehen. Meistens geschah es so wie es Mutter sagte.

Anne kam um mit mir die breite Treppe zu meinem Zimmer rauf zu gehen. Vorher räumte sie aber noch den Tisch ab. Als ich ihr helfen wollte sagte sie dankend nein und ich solle sitzen bleiben. Dann, als sie fertig war stand ich auf und ging auf Mutter mit ausgebreiteten Armen zu.

Was willst du?“ fragte sie irritiert.

Ich fragte sie ob ich sie vorher nicht noch einmal in den Arm nehmen sollte. Das sah ich bei anderen Kindern, wenn sie sich von ihren Eltern verabschiedeten, und dachte das müsste so sein.

Johannes, du gehst nur in dein Zimmer, nicht auf eine Weltreise. Geh jetzt“ sagte sie mit einem leicht herablassenden Ton der deutlich ihr Unverständnis ausdrückte.

Ich kam mir jetzt zwar blöd vor, doch andererseits konnte ich nicht leugnen das mir ihre Reaktion recht gelegen kam. Ich war mit solcher Nähe ebenfalls nicht vertraut und mochte sie auch nicht. Denn wenn mir bis dahin Erwachsene näher kamen, dann meist erwachsene Männer und es war, irgendwie……… komisch. Daher war ich darum letztendlich nicht traurig und folgte Anne, die schon in der Tür stand und auf mich wartete.

Und dann gingen wir endlich hoch. So konnte ich mir auch das Kreuz genauer ansehen! Es sah einfach wunderschön aus! Eine goldene Rose auf einem goldenen Kreuz! Wunderschön. Allerdings musste ich mich sehr konzentrieren das ich nicht hin viel. Die Treppenstufen waren sehr tief und meine Aufregung tat ihr übriges..

Du darfst der Herrin nicht böse sein mein kleiner Johannes!“ sagte Anne während wir die Treppe hochgingen. „Sie hat das Herz auf dem rechten Fleck. Aber sie kommt aus einem sehr strengen Elternhaus und sie ist schon sehr sehr lange allein. Glaube mir, sie mag dich. Ansonsten wärst du überhaupt nicht hier.“

Ich wusste zunächst nicht so recht was ich sagen sollte. Dann sagte ich.

Mutter ist der großartigste und liebenswerteste Mensch den ich kenne!“

Anne blieb stehen und sah auf mich herunter.

Ja kleiner Johannes!“ dabei lächelte sie herzhaft. „Das glaube ich dir aufs Wort. Und ich glaube das sie es für dich auch immer bleiben wird.“

Immer!“ sagte ich nachdrücklich und voller Inbrunst. Und das blieb sie auch und würde sie immer bleiben. Bis heute füllt sie einen großen Teil meines Herzens aus! Mutter war hart! Aber nie, niemals herzlos!

Anne strubbelte meine Haare und nickte ebenfalls.

Dann wollen wir mal dein Zimmer anschauen.“

Oben ging nach rechts ein Flur zu den Räumen von Mutter und nach links zu meinem Zimmer.

Bevor ich dich in dein Zimmer bringe möchte ich dir eines noch sagen. Du kommst aus einem Waisenhaus und ich weiß das dort, auch wenn es ein Katholisches Haus ist, oft ein rauer Ton herrscht. Fräulein von Alverdissen legt wert auf einen gepflegten Umgangston. Hier im Haus oder in ihrer Nähe wird nicht geflucht, oder sich sonst irgendwie unflätig ausgedrückt.“

Anne, was ist unflätig?“

Keine Schimpfwörter. Es wird im Haus nicht geflucht und auch nicht gerannt. Zum Rumtoben haben wir einen großen Garten. Du wirst auch keine deiner Sachen hier irgendwo rumliegen lassen Verstanden ?“

Aber, aber ich habe keine Sachen die ich rumliegen lassen könnte.“

Ach Johannes. Das wird sich bald ändern mein kleiner Schatz. Das wird sich bald ändern. Aber du hast verstanden was ich meine.“

Ja, das habe ich verstanden.“

Um den Rest musst du dich nicht sorgen, denn wenn du dich daran hältst, kann vorerst nicht viel schief gehen. Jetzt los!“

– Luke Elljot –

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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