Morgenrot 10 © by Luke Elljot

Kapitel 3. /5

Theodora von Alverdissen

Schließlich bogen wir von der Hauptstraße ab und auf eine kleine Zufahrtsstraße. Sie führte direkt zu einem großen Herrenhaus. Aus großen grauem Stein gemauert. Links und rechts zwei kleine Türme. Es sah fast aus wie ein kleines Schloss ohne Brustwehr mit Zinnen.

Dann kamen wir an einem großen eisernen Tor an. In der Mitte des Tores befand sich etwas das aussah wie ein Wappen. Ein Mönch der vor einer Linde kniete und betete. Die Linde war mit ihren Ästen geformt wie ein Kreuz. Auf der anderen Seite ein Aufbäumendes Pferd. Zusammen eingefasst von so etwas wie einem Lorbeerkranz. Auf meine Frage was das bedeutete, gab mir das Fräulein unmissverständlich zu verstehen, das ich diese Frage niemals wieder an sie richten sollte und das niemand außer ihr wusste welch Bedeutung dieses Wappen hatte. Niemals würde ich von ihr den Sinn dieses Wappens erfahren! Das Tor schwang wie von Geisterhand zitternd auf und gab den Weg zu einem mit weißem Kies belegtem Weg frei. Er führte durch den sehr gepflegten Rasen bis vor den Haupteingang in ein kleines Rondell. Breit genug, um auch für Gegenverkehr Platz haben. Auf dem Grundstück verteilt standen riesengroße uralte Linden und einige Buchen. Knirschend blieb der Wagen vor einer breiten Treppe mit vier Stufen stehen. Die mit Nieten verzierte große zweiflügelige Tür schwang auf und zwei Personen kamen heraus. Die Haushälterin und der Butler wie ich später erfuhr.

Der Fahrer stellte meine Sachen vor der Treppe ab und fuhr wieder davon.

Diese beiden Bediensteten waren der einzige Luxus, wie es das Fräulein nannte.

Das Haus selber war zwar groß, aber eher Praktisch eingerichtet. Neben dem großen Salon mit einem riesigen offenen Kamin, gab es im Erdgeschoss noch die Schlafräume für den Butler und die Haushälterin, sowie zwei Gästezimmer. Dazu noch eine große altertümliche Küche und Lagerräume, sowie ein Raum der nach hinten rausging in dem Gartengeräte und Werkzeug aufbewahrt wurden. Es diente als eine Art kleine Werkstatt und wurde von mir sozusagen annektiert.

Die persönlichen Gemächer des Fräuleins die keiner betreten durfte, eine extra Bad, mein Zimmer und zwei Büroräume im ersten Stock. Letztere konnte man auch noch als zusätzliche Gästezimmer umrüsten. Was solange ich dort lebte nie vorkam. Überhaupt bekam das Fräulein nicht all zu oft Besuch.

Der zweite Stock war ein riesengroßer Dachboden, mit allerlei Geheimnissen die noch entdeckt werden wollten.

Alles ohne Schnickschnack wie es das Fräulein immer nannte.

Mein Zimmer! Das stelle man sich nur vor! Mein eigenes Zimmer! Im ersten Stock!

Das alles sollte ich noch zu sehen bekommen. Heute sah ich einstweilen nur Türen, den Salon in dem wir reden würden und mein Zimmer. Ja und noch einmal! Mein Zimmer!

Da ich das alleine schlafen nicht gewohnt war, würde es eine unruhige Nacht werden.

Einstweilen stand ich aber neben dem Fräulein, sah dem Butler und der Haushälterin entgegen und sah mich um. Das ganze Grundstück war umgeben von einer Mannshohen Mauer aus dem gleichen Stein wie das Haus. Es wäre groß genug gewesen um mit den Jungs hier Fußball zu spielen. Da hätten die riesigen Bäume auch nicht gestört. Als ich an sie dachte, wurde es mir ein wenig wehmütig. Dass hätte ich nie erwartet. Auch wenn ich sie nie vergessen sollte, währte dieses Gefühl nicht all zu lange.

Beide, Butler und Haushälterin, entsprachen allen Klischees die man mit diesen Berufen verbindet. Nur das der Butler vielleicht etwas zu dicklich war und sie etwas zu schlank.

Entsprechend vielen die Begrüßungen aus. Das Fräulein stand freundlich distanziert daneben und ließ es geschehen. Überschwänglich wurde ich von Frau Everding, Genannt Anne, begrüßt. Die mehrfach betonte was ich doch für ein stattlicher junger Mann sei und welches Glück sie doch hätten das ich jetzt bei ihnen wohnte. Das Fräulein schüttelte nur lächelnd den Kopf. Der Butler den ich einfach nur Anton nennen sollte war eher freundlich reserviert. Ich erfuhr nie ob dies sein richtiger Name war.

Er nahm mein spärliches Gepäck, ohne eine Miene über den Zustand meiner Tasche zu verziehen. Es war das letzte mal das ich sie sah. Nachdem er meine paar persönlichen Sachen in mein Zimmer brachte verbrannte er sie. Keine Kleidung kam in mein Zimmer. Nur mein Tagebuch und das Buch das ich von Jürgen bekam, sowie meinen „Glücksstein“, mein Taschenmesser und ein kleines silbernes Kreuz, das mir Walter schenkte. Das war es. Zu meinem Glück sah der Kaplan anscheinend nicht in die Tasche hinein, denn dann wären das Buch von Jürgen und das silberne Kreuz von Walter weg gewesen. Da ich keinen eigenen Spind oder Nachttisch besaß, bewahrte ich alles einfach in der Tasche auf die immer unter dem Bett lag. Wir Kinder beklauten uns nicht.

In meiner Zeit im Waisenhaus erlebte ich einmal das ein Junge klaute. Was dann mit ihm geschah, schreckte jeden der dabei war ab, so etwas selber zu tun. Wir regelten das unter uns. Manche von den Jungs kannten da keine Gnade. Wir erzählten dann dem Kaplan er wäre aus dem Baum gefallen.

Die wichtigen Dinge versteckte ich in meiner Unterwäsche. Vorzugsweise in der dreckigen. Da guckte bestimmt keiner nach.

Was meine Tasche anging, wurde bis auf diese paar Sachen, alles andere mit der Tasche verbrannt und ich vermisste sie nicht, und auch nicht ihren Inhalt.

Die nächsten zwei Stunden verbrachte ich mit offenem Mund und großen Augen staunend. Das Fräulein von Alverdissen zog sich müde zurück und Anton zeigte mir im Schnelldurchgang das Haus und das Gelände.

Das Fräulein war sicher nicht arm, aber zu sagen sie wäre steinreich war ebenso falsch. Sie selber sagte immer „ich komme klar!“ Doch sie musste gut haushalten. Solch ein Besitz wollte erhalten werden. Für eine alleinstehende Frau keine leichte Aufgabe. Und da kam ich mit meinem handwerklichem Geschick und der kleinen Werkstatt ins Spiel. Denn an solch einem Haus, das schon so alt war, gab es immer etwas zu tun und zu reparieren.

Es ging mir bei ihr wirklich gut und was ich tat, tat ich sehr gerne und freiwillig. Mein Talent war hier gut angebracht. Und dank des Fräuleins konnte ich auch bei einigen Handwerkern noch viel dazulernen. Doch ich greife den Dingen wieder vor.

Sehr lange blieben Anton und ich in der Werkstatt. All diese wundervollen Werkzeuge wollten genau inspiziert werden. Ich liebte Holz und hier fand ich alles was ich brauchte. Über die Schneiderpuppe die dort stand, gab Anton mir keine Auskunft.

Das ich ein eigenes Zimmer bekam realisierte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nicht. Doch etwas anderes realisierte ich langsam. Das ich wirklich Glück hatte! Und deswegen erfüllte mich eine tiefe Dankbarkeit. Gut das ich neulich nicht abgehauen war. Dafür wollte ich Marcus Christianus gerne danken!

Gerade waren ich fertig alles zu inspizieren, da rief Anne zum Kaffee und Kuchen. Genauer mich. Von der Werkstatt aus mussten wir das ganze Erdgeschoss durchqueren. Ich sog alles was ich sah ein wie ein Schwamm auf. Diese ersten Minuten und Stunden werde ich nie vergessen.

Was mir vor allem auffiel waren die Bilder und Symbole die überall hingen und standen. Besonders viel mir ein goldenes Kreuz auf. Es hing gleich im Eingangsbereich an der Wende des Treppenaufganges hoch in den ersten Stock. War aber auch von unten nicht zu übersehen. Aber statt diesem armen abgemagerten, leidenden Mann befand sich in der Mitte des Kreuzes eine wunderschöne goldene Rose. Aber auch andere Zeichen Symbole waren zu sehen. Zum Beispiel ein Bild von einem Mann, der mit ausgebreiteten Armen in einem Kreis, Quadrat und eine Dreieck stand. Später wurde mir erzählt das ein Bild von Leonardo da Vinci als Vorlage dafür diente. Oder umgekehrt, ich weiß es nicht mehr.

Auch ein Pentagramm konnte ich sehen. Das kannte ich vom Religionsunterricht. Bilder einer siebenstrahligen Sonne. Deren einzelne Strahlen wieder aus sieben Strahlen bestanden und in deren Mitte sich ein Herz befand. Auf einer Kommode stand eine Kleine goldene Statue die einen Frauenkopf darstellte die den Finger an die Lippen legte und zur Ruhe mahnte. Ein anderes Bild zeigte einen Kelch auf dem ein M stand. Auf diesem Kelch stand ein Dreieck auf der Spitze und in diesem etwas das aussah wie ein runder Tisch. Und Wellen, und Wolken eine Sonne und vieles mehr. Ich verstand das alles nicht. Verschiedene Heiligenbilder und weitere Symbole. Anton bemerkte das dass Fräulein so etwas sammelte. Alte Symbole der Ägypter, der Maya und aus Indien oder so. Aber ich verstand das Fräulein von Alverdissen anscheinend gläubig war. Ein wenig brachte es mir ein beklemmendes Gefühl, da ich es nicht einordnen konnte. Denn dieser Glaube hatte nichts mit der Kirche zu tun. Und das war das einzige was ich kannte.

Vor allem viel mir auf, das keines dieser Bilder oder Symbole mir Angst machte. Ganz im Gegenteil!

Bei einem dieser Symbole blieb ich sogar stehen um es genauer zu betrachten. Für einen Moment vergaß ich die Welt um mich herum! Ich kannte dieses Symbol. Aber woher? Ein großer Kreis, der einen kleinen Kreis auf dem ein Kreuz stand umschloss. Der kleine Kreis wurde durch einen Strich in zwei Hälften geteilt. Dass hatte ich schon einmal gesehen!! Anton räusperte sich, was mich wieder zurück holte!

Wir betraten den Salon, in dem schon eine Kaffeetafel hergerichtet war. Sofort ins Auge viel der riesige Kamin und ein Mannshohes Bild auf der gegenüber liegenden Seite. Über dem Kamin hing ein Rahmen mit einer Inschrift.

Wahrlich, wahrlich ich sage euch:

Wenn jemand mein Wort bewahrt,

wird er den Tod in Ewigkeit

nicht sehen.“

Johannes Evangelium 8.51

Darunter auf einem Sims stand ein siebenarmiger Kerzenleuchter.

Da kam Fräulein von Alverdissen ebenfalls herein. Anton zog sich zurück und plötzlich waren wir allein.

Besonders dieses riesige Ölgemälde tat es mir an. Es nahm sicher die ein drittel der Wand ein. Das Fräulein erkundigte sich was ich schon alles gesehen hatte und wie es mir hier gefiel. Aber während des Gespräches musste ich es immer wieder ansehen denn es hing direkt hinter dem Fräulein. Auch später stand ich immer wieder davor und entdeckte jedes mal irgend eine neue Kleinigkeit.

Dort war vor einem aufgewühlten gewittrigem Himmel, ein wilder bärtiger sehr muskulöser Mann abgebildet. Seine weite Kleidung wehte im Wind. Er hielt ein riesiges Gefäß in den Händen, aus dem endlos Wasser zu fließen schien. Er stand barfuß auf spitzen zerklüfteten, kantigen Felsen und das Wasser floss auf ein Meer von Rosen.

Als wir uns beide gegenüber saßen bemerkte sie meine Blicke. Drehte sich zu dem Bild um und sagte. Mir den Rücken zugewandt.

Das ist Aquarius der Gott des Wassers. Es ist auch ein Sternzeichen. In dessen Zeitalter wir laut der Astrologie gerade eingetreten sind. Was laut verschiedener mystischer Weissagungen mit großen Veränderungen einhergeht.“

Dann sah sie mich wieder an und musste an meinem Blick erkannt haben das ich jetzt mehr Fragen hatte als zuvor.

Keine Sorge, wir werden noch viel miteinander reden mein Junge.“

Ich konnte nur stumm nicken.

– Luke Elljot –

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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