Morgenrot 5 © by Luke Elljot

Kapitel 2. /5

Johannes Morgenrot

Leider holte mich die Wirklichkeit schnell wieder ein und härter als ich es in diesem Moment vermutet hätte.

Kann ich nicht bei euch bleiben?“

Walter und Thea sahen mich lächelnd an.

Aber du bist doch immer bei uns!“ sagte Walter und legte seine rechte Hand auf sein Herz. Seine linke legte er auf meine Hand.

Hier! Hier in unserem Herzen tragen wir dich immer bei uns!“

Kann ich nicht bei euch leben?“

Ach Johannes. Wie gerne würde ich ja sagen. Aber es geht nicht. Die Verantwortung für dein Leben wurde der Kirche übertragen und darüber können wir uns nicht hinwegsetzen. Bitte mein Junge verstehe das. Versuch es zu verstehen.“

Da saß ich nun und sah die beiden an, hatte meinen tiefsten Herzenswunsch ausgesprochen. Obwohl ich die Antwort schon vorher kannte, trug ich dennoch im Stillen diese Hoffnung in mir. Und getragen von dieser, äußerte ich meinen Wunsch. Ohne irgend ein Arg sahen sie mich ihrerseits freundlich an. Nein! Ich konnte ihnen nicht böse sein. Ich stand auf und drückte beide so fest ich konnte. Als ich ging sah ich Tränen in Theas Augen schimmern.

Es war ein herrlich warmer Sommertag und ich konnte den Backsteinbau schon von weitem sehen. Einige der Jungs spielten auf dem Acker Fußball. Der Bauer dem dieser gehörte war auch ein Kind dieses Waisenhauses und wurde selber adoptiert. Er hatte nichts dagegen, denn dieses Jahr baute er dort nichts an. Jedes Jahr gab er in der Erntezeit einigen Kindern gut bezahlte Arbeit. Was er nicht wusste war, das leider das meiste dieses Geldes dort abgeliefert werden musste.

Gerade schlugen sie wieder eine Schlacht gegen Italien und es stand 3:0 für Deutschland. Welch heroischer Sieg! Immer wieder gab es Streit wer für Deutschland spielen durfte. Ich sah ihnen zu, besaß aber kein Interesse mich zu beteiligen. Als ich das Waisenhaus betrat wurde ich argwöhnisch vom Kaplan betrachtet, der hinter seinem großen Schreibtisch in seinem offenen Büro saß. Die großen kalten hellbraunen Fliesen im Treppenhaus taten an den Füßen gut. Wie ein bösartiges, haarloses, leichenblasses, großes, vollgefressenes, dickes Kind saß er da. Entflohen aus dem Keller, oder dem Dachboden! Vielleicht war er genau das. Hinter ihm ein Regal voller uralter Bücher. Allesamt handelnd von irgendwelchen Heiligen. Ich las mir einmal, in einem unbeobachteten Moment, die Buchrücken durch. Von dort hatte er alles im Blick und im Griff. Und er verließ dieses Büro auch nur um irgend jemanden von uns zu schikanieren. Sein ganz persönliches kleines Gefängnis. Es ist kaum zu glauben, aber in diesem Moment hatte ich Mitleid mit ihm. Was mochten diese Heiligen über solch einen Kaplan denken, wenn sie von ihm wüssten. Vor allem dann wenn er sie zitierte um seine Unrechtmäßigkeiten zu rechtfertigen. Und er war nur ein kleiner Kaplan. In einem X- beliebigen Waisenhaus, an einem X- beliebigen Ort.

Als ich ihn dort so sitzen sah, dachte ich zum einen was er eigentlich den ganzen Tag so tat und zum anderen was Bruder Aurelius den ganzen Tag so tat. Ich meine außer uns zu, …….nun ja.

Nichts konnte mir heute die Laune verderben, denn ich fand meinen Weg. Meinen Plan, meine Vision, mein Ziel! Meine Bestimmung! Sicher war es mir in diesem Moment noch nicht wirklich klar, aber heute weiß ich das es so war. Denn alle Zweifel, alle Unsicherheit waren verschwunden. In mir war eine Klarheit und Sicherheit, wie nie zuvor. Ohne es erklären zu können wusste ich wohin! Alles weitere würde schon kommen! Ich wusste das ich das Waisenhaus verlassen würde und das dort draußen ein Platz für mich war. Mein Platz. Mein Platz der mich finden würde.

Und ich tat was ich in dieser Zeit immer tat. Ich redete dort mit keiner Menschenseele darüber.

Hinter den Kulissen, für mich noch verborgen geschah derweil außergewöhnliches.

Der Dekan erzählte meine Geschichte, als Anekdote gedacht. Wollte sich wichtig machen und etwas skurriles über eines seiner Kinder zum besten geben. Er tat dies als er zusammen mit einer Angehörigen des Fürstenhauses zu Schaumburg Lippe auf einem Bankett zu Abend aß. Es war ein großes Bankett, zu dem auch das Haus der Barone von Münchhausen anwesend war. Bänker und Unternehmer. Alles wichtige, und vor allem reiche, Leute. Zumindest die allermeisten. Und das Passte ja! Solche Gelegenheiten wollten genutzt werden um aller Welt zu zeigen welch aufopferungsvoller Mensch und Christ er war! Und natürlich um Spenden für seine selbstlosen Taten zu sammeln. Nur das wir von diesen Spenden nie etwas sahen. Woran sich, glaube ich, im wesentlichen bis heute nicht viel geändert hat. Anstatt scheinheilig eine Überweisung zu tätigen, sollten die Menschen lieber Hand anlegen und aktive Nächstenliebe leben.

>Morgenrot kann so etwas sagen. Er lebt ja nur in meiner Fantasie!<

Ebenfalls anwesend war eine weitläufige Verwandte dieses Fürstenhauses. Eine alte verhärmte Adelige die den Dekan nicht mochte, weil sie ihn längst durchschaute. Die Rittersfrau Theodora von Alverdissen. Sie war nicht besonders reich. Aber weit davon entfernt arm zu sein. Und sie war die Nachfahrin von Katharosa Theodora von Alverdissen. Deren gemeinsamer Vorfahre für irgendeine Heldentat, von der ich keine Kenntnis habe, zum Ritter geschlagen wurde. Als sie die Geschichte von meinen Wahnvorstellungen über den Druiden und ihrer Vorfahrin hörte, setzte dies verschiedene Geschehnisse in gang, die sehr bald mein Leben nachhaltig verändern sollten.

Im Moment jedenfalls war ich voller Hochgefühl. Und das sollte den ganzen Tag so bleiben. Und zunächst geschah auch nichts aufregendes. Und alles ging voran wie gewohnt. Ich verschloss Marcus Christianus und meine Bestimmung in meinem Herzen und hoffte das sich seine Ankündigung, das wir uns bald wiedersehen würden, schnell erfüllte.

Doch die Worte des Abbé ließen mich nicht mehr los. Was sollte nach dem Waisenhaus kommen? Und die Antwort die mir Thea darauf gab. Lehrer! Ich wollte Lehrer werden. Ich wurde mir immer sicherer. Aber nicht an einer Schule! Und auch wenn ich noch nicht wusste was ich lehren wollte, oder sollte.

Am nächsten Morgen machte ich mich wieder auf meine Zeitungen zu verteilen.

Das Sonntagsblatt.

Wie üblich war meine erste Adresse Frau Köhler. Jeden morgen freute ich mich auf sie. Denn sie war die einzige die sich bei mir dafür bedankte das ich ihr die Zeitung brachte. Von den Süßigkeiten die sie mir gab einmal ganz abgesehen. Natürlich bekam ich etwas Geld für meine Arbeit. Aber ein Danke als Anerkennung war mit Geld nicht zu vergleichen.

Doch heute morgen stand sie nicht vor der Tür um auf mich zu warten.

Schüchtern trat ich näher um zu horchen ob sie irgendwo zu hören war. Nichts.

Als ich einer inneren Eingebung folgend „die Zeitung“ rief und anklopfen wollte bemerkte ich das die Tür nur angelehnt war. Außerdem saß ihre Katze vor einem leeren Napf und jammerte kläglich als sie mich bemerkte. Ich trat ein und rief, mit der Zeitung in der Hand ihren Namen. Nichts.

Wie unter Zwang trat ich aus dem Vorraum in den Flur. Wo sie auf dem Boden lag. Ich dachte sie wäre gefallen und wollte ihr helfen. Doch als ich sie berührte und sie ansprach fühlte sie sich so seltsam fest und kalt an und ließ sich auch kaum bewegen. Diese Frau schlief nicht. Und sie spielte nicht. Diese Frau war tot. Frau Köhler hatte sich umgebracht! Das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber so sollte es sich erweisen.

  • Luke Elljot –

 

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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