Morgenrot 4 © by Luke Elljot

Kapitel 2. /4

Johannes Morgenrot

Der Erwachsene sinniert über Glauben. Das Kind glaubt.

In dieser Zeit begann meine Schlafwandelei. Gewaschen und sauber legte ich mich abends hin und erwachte angezogen staubig und dreckig am nächsten Morgen. Aus Angst vor weiteren Bestrafungen hielt ich es so lange es ging geheim. Jedes mal fand ich ein Bündel Kraut aus dem Tal der Wackelsteine in meinen Taschen. Dank Bruder Nicolas erfuhr ich das es sich um Johanniskraut handelte. Er sagte mir auch, das es nicht ungefährlich war. Warum ich dies tat und vor allem was ich tat außer Johanniskraut zu sammeln, wurde nicht geklärt. Oder war nicht zu klären.

Meine Geheimhaltung hielt nicht sehr lange. Ich wurde gesehen und es war vorbei.

Um weitere nächtliche Ausflüge zu verhindern, band man mich nach einiger Zeit kurzerhand Abends an mein Bett.

Anfangs dachten die Priester meine nächtlichen Aktivitäten blieben von alleine aus, doch das taten sie nicht. So kamen sie auf die Idee es lag an meinen merkwürdigen Fantasien. Also beschlossen sie, mir diese aus dem Leib zu schlagen. Aber auch ihre Prügel änderte daran nichts. Angst, war die Meinung des Kaplans, würde mir diesen Teufel austreiben und er war einige Zeit nicht davon abzubringen. War es doch Gottes Wille. Gottes Wille! Andere Kinder hörten; „so lange du deine Füße unter meinen Tisch steckst…..!“ bei uns war es Gottes Wille. Das ist nichts gegen Gottes Wille. Ich wäre froh gewesen wenn es der Tisch gewesen wäre. Den Hölzernen Tisch, gegen ein über alle vorstellbare Größe mächtiges Wesen.

Ich kann gar nicht sagen welchen Widerwillen ich gegen diesen Gott entwickelte! Das war kein Gott – für mich war das der Freund des Teufels, und diese Priester waren seine Gehilfen!

Diese unangenehme Eigenart machte mein Leben also nicht leichter. Nicht nur wegen der Schläge. Denn auch meine Hoffnung all dem zu entfliehen wurde immer kleiner.

Denn eine der Aufgaben dieses Waisenhauses war, die Kinder zu neuen Familien zu vermitteln. Und eines mit solch einem Makel den interessierten Eltern anzubieten, machte es den Priestern nicht leichter. Mann wurde dann in das Büro des Heimleiters gerufen. Immer fertig gemacht wie zum Weihnachtsfest. Fehlte nur noch der Apfel im Mund! Die „Eltern saßen am Schreibtisch und drehten sich beim eintreten herum. Mal freundlich lächelnd, mal noch nicht einmal das. Bruder Aurelius pries uns dann an. Wie auf einem Viehmarkt kam ich mir immer vor. Es gab sogar „Eltern“ die uns etwas fragten! Aber bei mir schüttelten sie meist einfach nur den Kopf und ich durfte wieder gehen. Was mir immer sehr recht war! Ich ging dann immer mit einem Lächeln direkt zu meinem Bett und legte mich, nein stürzte mich in dieses. Aus purem Protest zog ich dann noch nicht einmal die Schuhe aus.

Immerhin durfte ich jetzt öfter zu den Bibelfreunden. Denn die Priester waren froh, wenn sie mich nicht sehen mussten. Wenn ich dorthin ging, versuchte ich immer so nahe an das Tal der Wackelsteine zu kommen wie möglich. Warum ich das tat war klar, aber es geschah nichts. Marcus Christianus ward nicht mehr gesehen und ich begann zunehmend zu glauben was die Priester immer wieder sagten. „Alles Einbildung.

Das Haus der Bibelmenschen stand auf einem riesengroßen Grundstück. Eines Tages saß ich mit Walter dort auf einer Bank. Wir redeten über die aktuellen Geschehnisse. Ich erzählte ihm von meinen nächtlichen Wanderungen und wie ich in dem Waisenhaus behandelt wurde. Ich hatte mich entschlossen es Waisenhaus zu nennen. Ich war ein Waise, und im wesentlichen war es das auch.

Als ich ihm von den Schlägen erzählte wurde er sehr traurig. Aber er konnte nichts daran ändern. Keiner würde gegen die Kirche etwas unternehmen. Aber er wollte mir dennoch helfen. Er bot mir an bei dem Hausmeister ihres Konferenzortes aushelfen zu können. So konnte ich viel handwerkliches Geschick erlangen, was mir sicher noch nutzen würde. Die Hoffnung die er mir damit gab, war für mich mit Gold nicht aufzuwiegen. Schnell verbrachte ich jede freie Minute die ich ermöglichen konnte bei dem Hausmeister.

Walter, was sind Druiden.“

Druiden? Druiden waren zu ihrer Zeit Heiler und Weise. Sie lebten in Harmonie mit der Natur und dem Unendlichen. Es gab sie überall hier in Europa. Im Süden Frankreichs wurden sie zum Beispiel auch Catharer genannt. Frei übersetzt bedeutet das Gutmensch. Und genau das waren sie. Gutmenschen. Sie waren in ihrer Lebenshaltung unserem Glauben nicht weit fern.“

Aber warum wurde sie getötet. Verbrannt von der katholischen Kirche.“

Weil sie anders waren. Und weil sie die katholische Kirche nicht anerkannten als den waren und einzigen Glauben. Sie sagten das das Himmelreich und Gott eine Einheit ist. Und das der Mensch in seinem inneren Teil dieses Himmelreich ist. Und wenn er dieses Bewusstsein erlangt, sich dieser Einheit bewusst wird, dieses Himmelreich auch findet und noch zu Lebzeiten alles andere hinzugegeben wird. Das also alle Menschen göttlich sind.“

Waren sie denn gefährlich für die Kirche?“

Gefährlich? Kommt darauf an was du unter gefährlich verstehst. Sie waren eine Gefahr für das perfide Gesamtkonstrukt der Kirche. Den Ablass zum Beispiel.“

Würdet ihr auch verbrannt werden wenn es so etwas noch geben würde?“

Walter sah mich sehr ernst an und dachte eine ganze Weile über meine Frage nach.

Wie alt bist du jetzt Johannes?“

Elf!“

Das sind sehr erstaunliche Fragen für einen elfjährigen weist du?“

Warum?“

Weil Kinder in deinem Alter für gewöhnlich nicht über derartiges nachdenken. Aber genau genommen ist dein Leben ja auch nicht gewöhnlich. Aber ja, so ist es. Wenn es die Inquisition heute noch gäbe, dann würden wir vermutlich in Ungnade fallen und möglicherweise auch verbrannt,“

Wirklich?“

Ich fürchte ja.“

Jetzt war es an mir darüber nachzudenken und zu schweigen. Aber er hatte recht. Denn immer wieder merkte ich das die anderen Kinder mich ablehnten. Nichts mit mir zu tun haben wollten. Ich war ihnen zu anders. Während ich viel Zeit damit verbrachte den Flug der Wolken zu betrachten, oder einer Spinne zusah die ihr Netz webte, spielten sie Fußball, oder Cowboy und Indianer.

Doch ich war in diesen Momenten der Stille glücklich. Es fehlte mir nichts.

Auch das ich mich vor diesen Götzenbildern in der Kirche fürchtete und diesen nichts abgewinnen konnte. Niemals, schwor ich mir, wollte ich so aussehen. Und Priester die die Diener Gottes waren und in seinem Namen kleine Kinder schlugen? Nein, das verstand ich nicht. Das war nicht der Gott, der Glaube, den ich mir zu eigen machen wollte. Das wusste ich schon mit elf.

Walter?“

Johannes?“

Ich habe einen gesehen.“

Was hast du gesehen?“

Einen Druiden!“

Wie meinst du das, du hast einen Druiden gesehen?“

Ich habe einen Druiden gesehen. Im Extertal, bei den Wackelsteinen. Er heißt Marcus Christianus. Muss verwandt sein mit dem der da mal gelebt hat.“

Diese Erklärung war mir auf dem Weg hierher eingefallen. So war alles wieder normal!

Johannes, es gibt hier keine Druiden mehr. Schon seit hunderten Jahren nicht. Auch nicht im Extertal. Ich weiß nicht was du gesehen hast, aber ein Druide war es nicht! Anscheinend hat dir jemand einen Streich gespielt“

Aber er hat mit mir gesprochen!“

Ich weiß. Was hältst du von einer schönen großen Tasse Kakao und einem Stück Apfelkuchen?“

Ich fand das es eine gute Idee war. Also gingen wir zu Thea auf die Terrasse und setzten uns gemütlich zusammen. Wie sie das machte wusste ich nicht, aber Thea wusste schon Bescheid.

Johannes.“ sagte sie. „Du bist noch ein sehr junger Mensch und du hast es wirklich nicht leicht. Lass dich von all dem Kummer nicht herunterziehen und mache dir nicht zu viele Sorgen. Es wird sich wieder ändern. Du wirst es sehen. Sehr bald schon, werden die guten Dinge in Deinem Leben überwiegen. Du bist ein wunderbarer junger Mensch. Du wirst es sehen!“

Ich kann nicht sagen wie gut diese Worte taten.

Sieh dies alles als eine Vorbereitung auf ein schönes erfülltes Leben. Denn das wirst du ohne jeden Zweifel haben!“ Sie sah mir direkt in die Augen legte beide Hände auf meine Schultern und sagte. Johannes Morgenrot!“ Es war sehr selten das sie mich mit meinem vollen Namen ansprach. Mit Morgenrot. „Du bist ein guter Mensch. Du wirst eines Tages ein wunderbarer Lehrer sein!“

Dann füllte sie unsere Tassen mit dampfendem Tee und Kakao, schnitt den Kuchen und machte auf jedes Stück einen Klacks Sahne. Da saßen wir und aßen und tranken wir in Ruhe, ohne ein weiteres Wort.Ich hätte auch nicht reden können, so voll wie mein Mund ununterbrochen war. Und ich wünschte mir, nicht zum ersten mal, sie wären doch meine Großeltern. Aber ich hatte die Antwort auf die Frage des Abbe´ gefunden. Wie Morgenrot, war sie mir gegeben worden!

Ich würde ein Lehrer werden. Nicht so ein achtloser und verachtenswerter wie die Priester in dem Waisenhaus. (außer Bruder Nicolas und dem Abbe´).

Sondern ein richtiger Lehrer!

– Luke Elljot –

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Über Luke Elljot - Autor

Bei Beginn des Blogs 2015 war ich um jetzt genau zu sein 53. Ich möchte so über meine persönlichen guten Erfahrungen auf dem Gebiet der Gedankenkraft informieren. Inclusive den natürlichen Rückschlägen. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Lutz Jacobs, Gesundheit und Spiritualität. ISBN: 978-3 8442-3669-9 erhältlich beim epubli Verlag. http://www.epubli.de
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3 Antworten zu Morgenrot 4 © by Luke Elljot

  1. die_zuzaly schreibt:

    servus Luke … mit Spannung erwarte ich weitere Erzählungen deiner Biographie aus dem sogenannten *Waisenhaus** … nicht arg wunderlich von mir – sich sinnliche Dreh Orte vorzustellen – lg zuzaly 😉

    Gefällt 1 Person

    • luke Elljot schreibt:

      Hallo meine Liebe. Vielen Dank. Ich bin selber gespannt wohin Johannes Morgenrot mich noch mitnimmt. So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich schreibe und wenn ich es lese, lese ich vieles zum ersten mal. Bis bald. Denn die nächsten Kapitel spinnen sich gerade 🙂 Luke

      Gefällt 1 Person

  2. die_zuzaly schreibt:

    😀 😀 😀

    Gefällt 1 Person

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